In Leipzig drehen sich die Baukräne, es wird an allen Ecken gebaut. Im Hintergrund das Völkerschlachtdenkmal.
IWH-Chef Gropp spricht sich dafür aus, mehr Geld in die Städte wie Leipzig zu investieren, statt für ländliche Räume auszugeben. Bildrechte: dpa

Interview IWH-Chef für mehr Geld für Städte statt fürs Land

IWH-Chef Gropp rät zu mehr Investitionen in die Städte, um den Osten voranzubringen. Dort entstünden zukunftsträchtige Arbeitsplätze und nicht auf dem Land. Er verwies zudem auf Einkommens-Statistiken.

In Leipzig drehen sich die Baukräne, es wird an allen Ecken gebaut. Im Hintergrund das Völkerschlachtdenkmal.
IWH-Chef Gropp spricht sich dafür aus, mehr Geld in die Städte wie Leipzig zu investieren, statt für ländliche Räume auszugeben. Bildrechte: dpa

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle warnt vor zu hohen Investitionen in den ländlichen Raum. IWH-Chef Reint Gropp sagte im "Interview der Woche" von MDR AKTUELL, nicht die ländlichen Gebiete könnten den Osten voranbringen, sondern die Städte. Nur dort entstünden neue, zukunftsträchtige Arbeitsplätze.

"In der Vergangenheit zu viel ins Land investiert"

Gropp verwies auf Statistiken zum Pro-Kopf-Einkommen in Ost- und Westdeutschland. Die Unterschiede zwischen den ländlichen Regionen seien nicht besonders erheblich, aber zwischen Städten wie Leipzig und Nürnberg. "Das heißt, relativ gesehen sind die Städte im Osten problematischer als die ländlichen Regionen. Was daran liegt, dass wir in der Vergangenheit zu viel ins Land investiert haben", so der IWH-Chef.

"Viel Geld für Kohleausstieg wenig sinnvoll"

Der Wirtschaftswissenschaftler hält es deshalb auch für wenig sinnvoll, den bevorstehenden Kohleausstieg mit viel Geld abzufedern. Es sei zwar hart für die Betroffenen, aber: "Aus wirtschaftlicher Sicht haben wir keine Wahl, als das Geld eben nicht in die Lausitz, sondern in Städte wie Dresden oder Leipzig zu stecken. Nur dann kann der Osten aufholen."

Reint Gropp
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Reint Gropp Reint Gropp wurde in Bottrop geboren. Er studierte in Freiburg und Madison in den USA, wo er auch seine Doktorarbeit schrieb. Gropp arbeitete bereits für den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Zentralbank.

Vor vier Jahren wurde der Wirtschaftsprofessor Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle - das einzige große Wirtschaftsforschungsinstitut in den neuen Bundesländern. Gropp gab dem Institut ein breiteres Profil. Heute gehören zu dessen Schwerpunkten auch Wachstumsfragen und internationale Finanzmärkte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Dezember 2018 | 08:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Dezember 2018, 08:00 Uhr