IWH-Tagung Was ist die richtige Förderpolitik für die Ostwirtschaft?

Die Forderung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, in Ostdeutschland vor allem Städte statt ländliche Regionen zu fördern, ist auf massive Kritik gestoßen. Nach seiner Studie lädt das IWH nun zu einer Tagung ein.

Mit seiner Studie zur Produktivität in Ostdeutschland und Schlussfolgerungen zur Förderpolitik hat das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) eine kontroverse Debatte ausgelöst. Sollten in Ostdeutschland vor allem Städte gefördert und ländliche Regionen außen vor gelassen werden? Mit einer Tagung zum Thema "Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall" will das IWH am Mittwoch mit Fachleuten und Vertretern der Politik über die Studie ins Gespräch kommen.

Reint Gropp
IWH-Präsident Reint Gropp Bildrechte: dpa

Dabei wird es auch um die umstrittene Forderung von IWH-Präsident Reint Gropp gehen, die Förderpolitik angesichts einer rückständigen Produktivität im Osten zugunsten der Städte und zuungunsten der ländlichen Regionen zu verändern.

Seit der Wiedervereinigung sei falsch investiert worden, findet Gropp. Den Eröffnungsvortrag zur Tagung hält mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ein Kritiker der IWH-Forderung.

Haseloff: Bevölkerung auf dem Land nicht vergessen

Haseloff hatte die Position des IWH wie viele andere Politiker bereits Anfang der Woche scharf zurückgewiesen. 80 Prozent des Landes Sachsen-Anhalt seien ländlicher Raum. Die Bevölkerung dort dürfe nicht von Fördermöglichkeiten ausgenommen werden.

Ähnlich äußerten sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Die Forderung des IWH sei verantwortungslos. Auch im ländlichen Raum gebe es Betriebe mit Spitzentechnologie.

Kritik auch von DGB und Landkreistag

Markus Schlimbach, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Sachsen, teilt die Kritik. Die Forderung des IWH sei alt, sagte er. Die These, Leuchttürme würden bei einer Förderung auch in die Fläche ausstrahlen, sei widerlegt. Stattdessen müsse die Wirtschaft im Osten insgesamt stärker auf Wachstum ausgerichtet werden. Auch durch staatliche Anreize sollten Unternehmen motiviert werden, hierzulande in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Landkreistags, Hans-Günter Henneke, erklärte, ländliche Räume mit Entwicklungsimpulsen voranzutreiben, sei notwendig, um Folgen des wirtschaftlichen Strukturwandels und der demografischen Herausforderungen abzufedern.

IWH-Präsident verweist auf Beispiele in Osteuropa

IWH-Präsident Gropp verteidigte seine Forderungen. Die osteuropäischen Städte Warschau und Bukarest hätten inzwischen ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als die ostdeutschen Länder in ihrer gesamten Fläche, sagte er dem MDR-Magazin "Umschau". Es sei belegt, dass Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung deutlich langsamer gewachsen sei als Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn.

In diesen osteuropäischen Staaten habe es nach der Wende, anders als in Ostdeutschland, keine großen Subventionen in ländliche Regionen gegeben. Dies habe zunächst zu einer Krise und Anpassungsschwierigkeiten geführt, die sich heute aber positiv auszahlten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. März 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2019, 06:53 Uhr

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5 Kommentare

06.03.2019 15:17 Fragender Rentner 5

Höre nur immer wir wollen und was kommt seit fast 30 Jahren im Osten an ???

Seit Kohl bekommt der Osten unr Versprechungen !!! :-(((

Ach ja wir haben viele neue und ausgebaute Autobahnen, damit die LKWs durch den Osten schnell rollen können !!!

06.03.2019 14:06 007 4

Was ist die richtige Förderpolitik für die Ostwirtschaft?

Was für eine absolut dümmliche Frage? Steuern senken, Lohnangleichung z.B.. Die gleichen Löhne Bundesweit, ABM- Maßnahmen wie unter Kohl+ Leiharbeit abschaffen. Denn Bürgern mehr Geld in die Tasche stecken anstatt es ihnen durch die viel zu hohen Lebenshaltungskosten zu erziehen. Die Kaufkraft muss steigen. Nur das stärkt Wirtschaft u Unternehmen. Das kapitalistische System funktioniert nur so, kaufen-wegwerfen kaufen-wegwerfen u dazu brauchen wir mehr Kohle. Diese Billiglohnland Politik funktioniert nie.

Ich sagst ja, es sind nur Berufspolitiker (Verkäufer), von der Materie haben die keine Ahnung ...

06.03.2019 11:11 Wolfgang Friedrich 3

Angesichts der Besiedlungsdichte - insbesondere in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist die Unterscheidung von Stadt und Land irrwitzig. Die kurzen Verbindungen sind vergleichsweise gut, so dass Arbeitsteilung und Spezialisierung unabhängig von intellektueller Kurzsichtigkeit funktionieren. Anstatt sich mit den Erfolgsrezepten der Asiaten zu beschäftigen, schmoren einige Intellektuelle seit 30 Jahren im eigenen Saft der Selbstzufriedenheit. So hat regionaler Tunnelblick zu vermeidbaren fatalen Kapital- und Vermögensverlusten "im Land" geführt. Die hohen und weiter wachsenden Leerstände führen zu unkompensierbaren Einnahmeausfällen. Anstatt die Wirtschaftspotentiale dort zu nutzen, wo sie sind (insbesondere Arbeitskräfte) werden die Märkte verzerrt. Letztlich verunglimpfen die Finanzämter die Geschädigten mittels Schuldumkehr auf die Geschädigten. Steuerfinanzierte Wirtschaftswissenschaft muss gute Erfahrungen aus aller Welt erschließen, statt Bedrohungen zu plakatieren

06.03.2019 09:12 Lilly 2

"Die osteuropäischen Städte Warschau und Bukarest hätten inzwischen ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als die ostdeutschen Länder in ihrer gesamten Fläche,"

Also Herr Gropp, wir haben im Osten auch Internet und können uns informieren.

Wie kommen sie auf diesen Quatsch, oder haben sie vergessen Lei in Euro umzurechnen?

06.03.2019 08:53 optinator 1

"Es sei belegt, dass Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung deutlich langsamer gewachsen sei als Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn. "

Alles so gewollt.
Gibt es ein Ost/West Polen / Ost/West Ungarn usw.?

Eine Schande für die Regierungstätigkeit in Deutschland !