Kleine Unternehmen Die Hilfsgelder sind da

In der Krise hilft der Staat klammen Unternehmen mit Milliardenprogrammen. Es gibt günstige Kredite und seit einer Woche auch Soforthilfen des Bundes, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Wir begleiten die Leipziger Unternehmerin Beate Hertes durch die Corona-Krise. Vor einer Woche hat sie die Soforthilfe für ihren Kosmetiksalon beantragt. Das war nicht ganz einfach, weil die Internetseiten immer wieder abgestürzt sind. Dann hat es aber doch geklappt.

Kleinunternehmerin Beate Hertes aus Leipzig
Die Kosmetikerin Beate Hertes führt ihr Unternehem durch die Krise. Bildrechte: Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Die Woche beginnt für Beate Hertes mit einer guten Nachricht: Die Soforthilfe ist da. Keine zwei Arbeitstage nachdem die Inhaberin des Kosmetiksalons Bennissimo das Geld beantragt hatte, war es auf ihrem Konto: 15.000 Euro von der Sächsischen Aufbaubank. Sie werden dringend benötigt. Die Kosmetikerin erklärt, dass ihr Geschäft mit 250 Quadratmetern sehr groß sei. "Mein Vermieter hat leider keinerlei Anstalten gemacht, in irgendeiner Form zu reagieren auf meine Bitte, die Miete zu mindern." Auch das Kurzarbeitergeld müsse sie zunächst vorfinanzieren, sagt Beate Hertes. Bisher habe sie noch keinen Bescheid, ob das überhaupt genehmigt würde.

Kundenservice auch in Coronazeiten

Für ihren eigenen Lebensunterhalt ist die Soforthilfe nicht gedacht. Das Geld soll das Unternehmen retten, nicht die Unternehmerin. Für sich selbst hat Hertes Grundsicherung beantragt, die Bewilligung steht noch aus. In der Krise macht sich die 58-Jährige selbst auf den Weg zu ihren Kunden und liefert Cremes, Masken oder Badezusätze frei Haus.

Für mich ist wichtig, dass die Kunden weiterhin ihre gewohnte Pflege verwenden können.

Beate Hertes Kosmetikerin aus Leipzig

"Es gibt da ja so lustige Bilder in den sozialen Medien, wie wir alle aussehen werden nach Corona. Und das möchte ich natürlich für meine Kunden verhindern." Viel verdient Hertes damit nicht. Es ist eher ein Service, um Stammkunden zu halten.

Unterwegs trifft Hertes ihre Freundin Uta Lindner. Die Augenoptikerin will zu ihrem Laden, erzählt sie. "Täglich habe ich drei bis vier Stunden Notdienst im Geschäft, um für Kunden da zu sein, die ihre Brille kaputtgemacht haben oder repariert bekommen müssen."

Unternehmen rechnen mit großen Einbußen

Kleinunternehmerin Beate Hertes aus Leipzig spricht mit der Augenoptikerin Uta Lindner auf der Straße.
Mit gebührendem Abstand unterhalten sich die beiden Leipziger Unternehmerinnen Beate Hertes und Uta Lindner. Bildrechte: Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Die beiden Frauen schwatzen in gebührendem Abstand. Auch Lindner hat Hilfsgelder beantragt, da der Notdienst nicht genug einbringt. In normalen Zeiten sei der Frühling umsatzstark, erzählt sie. Doch derzeit bleibe sie auf ihren Brillen sitzen. "Ich rechne damit, dass die Hälfte des Umsatzes einbrechen wird, dass ich mich anders mit meinen Mitarbeitern aufstellen muss."

Die Augenoptikerin Lindner erklärt, dass sie Geld brauche, um in die Werbung zu investieren. Sie werde jetzt einen Kredit bei der Sächsischen Aufbaubank beantragen. Sie sei dankbar, dass der Staat schnell helfe, sagt Lindner. Andererseits habe sie jahrelang auch Steuern gezahlt. Wichtig sei ihr, dass die Geschäfte bald wieder öffnen dürfen. Aber wann wird das sein?

Öffnungszeitpunkt ist unklar

Beate Hertes ist nicht sehr optimistisch. Sie glaube nicht, dass Kosmetikerinnen in zwei Wochen wieder arbeiten dürfen. "Ich denke, aufgrund unserer wirklich extremen Nähe und diesem Face-to-Face-Kontakt, dass wir die Letzten sein werden, die wieder aufmachen dürfen."

Vielleicht wird es Ende April, sagt Hertes. Oder erst Anfang Mai. Die Zeit nutzt sie, um ihr Internetangebot aufzufrischen. Nicht benötigte Hilfsgelder will Hertes wieder zurückzahlen, sollte es früher losgehen als gedacht. Doch derzeit sieht es danach nicht aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. April 2020 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Sachse14442 vor 7 Wochen

Da hatte die gute Frau aber Glück.
Habe vor 2 Wochen den Kredit beantragt, seitdem nichts mehr gehört. Nach 20 min in der SAB Warteschleife teilte die Frau mit, es ist noch nicht einmal im Eingang registriert. Der Minister Dulig sprach mal von 48h vom Antrag bis zur Bewilligung. Sozis kann man eben nicht ernst nehmen!