Eine geschlossene Bahnhofsgaststätte auf einem Bahnhof
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Zehn-Jahres-Bilanz Jede dritte Kneipe in Mitteldeutschland machte dicht

Zwischen 2008 und 2017 haben in Mitteldeutschland fast 1.000 Schankwirtschaften den Betrieb aufgegeben. Vor allem der ländliche Raum ist vom Kneipensterben betroffen. Am stärksten ist der Rückgang in Thüringen.

Eine geschlossene Bahnhofsgaststätte auf einem Bahnhof
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Die Zahl der Schankwirtschaften in Mitteldeutschland ist um ein Drittel gesunken. Innerhalb von zehn Jahren waren es knapp 1.000 Kneipen weniger. Die Zahl sank von gut 3.000 auf rund 2.000. Das ergab eine Auswertung der Umsatzsteuer-Statistik des Statistischen Bundesamtes von 2008 bis 2017 durch das MDR-Magazin "Umschau".

Thüringen am stärksten betroffen

Bierzapfanlage.
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In dem genannten Zeitraum sank die Zahl der Schankwirtschaften in Thüringen um 38 Prozent, in Sachsen um 32 und in Sachsen-Anhalt um 27 Prozent. Thüringen hält damit im Vergleich der Bundesländer den Negativrekord. "Der große Rückgang ist ein Problem vor allem in ländlichen Regionen. In den Städten haben wir stabile Zahlen. Dort schließen nicht nur Betriebe, sondern es werden auch immer wieder neue eröffnet", sagte Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Thüringen. Nach Auskunft von Ellinger ist auch der Fachkräftemangel in der Gastronomie ein großes Problem.

Stimmen die Arbeitsbedingungen?

Das ist für Jens Löbel ein hausgemachtes. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) der Region Thüringen sagt: "Wenn ich als Arbeitgeber kein Personal bekomme und die, die da sind, dann noch länger arbeiten lasse, tue ich dem Beruf keinen Gefallen. Arbeitgeber sollten ordentliche Arbeitsbedingungen schaffen." DEHOGA-Chef Ellinger hält dem entgegen: "Wir sind seit Jahren dabei, vernünftige Tarifabschlüsse zu machen. Die müssen allerdings auch dem entsprechen, was die Branche zahlen kann."

Zunahme in Berlin und Baden Württemberg

Entgegen dem bundesweit rückläufigen Trend hat die Zahl der Schankwirtschaften in Baden-Württemberg und in Berlin zugenommen. Die DEHOGA-Geschäftsführung in Berlin erklärt den Zuwachs mit dem seit Jahren anhaltenden Tourismusboom. Die DEHOGA im Südwesten führt den Anstieg unter anderem auf eine Formalie zurück. Die spezifische Regelung des baden-württembergischen Nichtraucherschutzgesetzes habe dazu geführt, dass sich Gaststätten mit Speiseangebot als Schankwirtschaften ohne Speiseangebot einordnen ließen, damit dort weiter geraucht werden kann, erklärt Daniel Ohl, Pressesprecher der DEHOGA in Baden-Württemberg. "Die klassischen Schankwirtschaften entwickeln sich nach unserer Einschätzung in Baden-Württemberg nicht signifikant besser als in anderen Teilen Deutschlands", so Ohl weiter.

Die Zahlen geben den aktuellsten Stand wieder. Die Umsatzsteuerstatistik für 2017 hat das Statistische Bundesamt 2019 veröffentlicht.

Anzahl der Schankwirtschaften in den Bundesländern im Zehn-Jahres-Vergleich
Bundesland Vgl 2008 / 2017

in Prozent
Vgl 2008 / 2017

in Zahlen
2008 2017
Thüringen -38% -373 973 600
Mecklenburg-Vorpommern -37% -157 424 267
Niedersachsen -36% -1.675 4.716 3.041
Saarland -34% -521 1.511 990
Brandenburg -32% -256 789 533
Sachsen -32% -377 1.190 813
Sachsen-Anhalt -27% -234 851 617
Bayern -27% -1.379 5.093 3.714
Nordrhein-Westfalen -22% -2.244 10.185 7.941
Rheinland-Pfalz -22% -800 3.659 2.859
Hamburg -21% -193 907 714
Schleswig-Holstein -20% -164 832 668
Hessen -19% -711 3.684 2.973
Bremen -15% -58 400 342
Baden-Württemberg 21% 505 2.350 2.855
Berlin 26% 256 985 1.241
         
Mitteldeutschland -33% -984 3.014 2.030
Deutschland -22% -8.381 38.549 30.168

Quelle: Statistisches Bundesamtes

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 02. Juli 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2019, 05:00 Uhr