Kohleausstieg Was wird aus der Leag und ihren Beschäftigten?

Diese Woche entscheiden Bundestag und Bundesrat über den Kohleausstieg. Spätestens 2038 dürfte Schluss sein mit dem Verheizen von Kohle zur Stromerzeugung. Bis zuletzt wurde noch um Entschädigungszahlungen gerungen – für die betroffenen Firmen und ihre Arbeiter. Bei der Leag in der Lausitz sind es noch rund 8.000 Beschäftigte. Wie könnte es für sie und ihr Unternehmen nach dem Kohleausstieg weitergehen?

Die dampfenden Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde
Diese Woche entscheidet der Bund über den Kohleausstieg. Davon betroffen sind auch die Beschäftigten der Leag im Kohlerevier Lausitz/Jänschwalde. Bildrechte: dpa

Was macht ein Kohleunternehmen nach dem Kohleausstieg? Bei der Leag denkt darüber Frank Mehlow nach. Er leitet die eigens geschaffene Stabsstelle Strategische Geschäftsfeldförderung. Für ihn steht fest: Wenn die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, müsse das nicht das Ende bedeuten. Denn die Leag verfüge über viel Wissen und Material. Daraus will Mehlow neue Geschäfte entwickeln.

Beispiel dafür sei der zentrale Eisenbahnbetrieb. Den könne man für Dritte öffnen, sagt Mehlow: "Wir haben große Werkstätten zur Verfügung, in denen wir aktuell unsere Großgeräte warten, instand halten. Das sind ganz wichtige Infrastrukturen, die wir nutzen wollen für Drittkunden-Geschäfte. Und das sind genauso aber auch Aktivitäten, die wir rund um die Forstwirtschaft adressieren können. Wir haben einen eigenen Forstwirtschaftsbetrieb."

Umsatteln auf erneuerbare Energien für Leag denkbar

Außerdem investiert die Leag in Solaranlagen, arbeitet an Windkraft und Speicherprojekten, um weiterhin Geld zu verdienen. Doch ist es wirklich denkbar, dass aus einem Kohlekonzern ein ökologischer Industriebetrieb wird? Patrick Graichen, Geschäftsführer der grünen Denkfabrik Agora Energiewende, findet die Idee zumindest nicht abwegig.

"Wir sehen an RWE in Westdeutschland, wie ein Kohleunternehmen sich gerade neu aufstellt in Richtung erneuerbare Energien. Wir haben auch bei EnBW in Baden-Württemberg gesehen, wie ein Atomunternehmen sich aufstellt in Richtung erneuerbare Energien." Insofern sei das auch für die Leag möglich. Da müssten dann aber massive Investitionen jetzt erfolgen, sagt Graichen.

Anpassungsgelder für ältere Beschäftigte

Graichen sieht da vor allem die tschechischen Eigentümer in der Pflicht. Denn die Leag gehört der EPH-Gruppe in Prag. Für das vorzeitige Abschalten von Kraftwerken erhält sie einen staatlichen Ausgleich in Millionenhöhe. Geld gebe es auch für ältere Beschäftigte, wenn sie wegen des Kohleausstiegs ihren Job verlören, erklärt Ute Liebsch, Bezirksleiterin der Gewerkschaft IG BCE. Für die über 58-Jährigen werde es ein Anpassungsgeld geben. Dieses werde vom Bund gezahlt, für fünf Jahre maximal. Dann müsse man vorgezogen mit 63 in die Rente gehen. Man habe dadurch also auch Einbußen, sagt Liebsch.

Und wir sind gerade dabei, mit den Bergbautreibenden, also mit der Leag, schon die ersten Termine zu machen für eine Aufstockung des Anpassungsgeldes, damit wir dann letzten Endes bei einer attraktiven Regelung rauskommen.

Ute Liebsch | Gewerkschaft IG BCE

Tagebaue gleichermaßen betroffen

Noch ist etwas Zeit. Das Lausitzer Revier steht auf dem Ausstiegsfahrplan relativ weit hinten. Und eigentlich regelt der Kohleausstieg nur das Abschalten der Kraftwerke. Die Tagebaue könnten weiter betrieben werden – zum Beispiel, um etwas Kohle für die chemische Industrie zu fördern. Doch für die Lausitz, sagt Frank Mehlow, sei das eher ein theoretischer Gedanke: "Die Tagebaue sind dazu da, die dazugehörigen Kraftwerke zu versorgen. Das ist eine Einheit, die da hergestellt ist."

Eine kleine Ausnahme gebe es in Jänschwalde, da werde der Tagebau vor dem betrieblichen Ende des Kraftwerks außer Betrieb gehen. Da werde dann eine Kohleversorgung über die verbleibenden Reviere erfolgen. Aber faktisch seien das Einheiten, die da zusammengehörten, erklärt Mehlow.

Tariflöhne trotz Wandel

Fragt man Mehlow, wo er die Leag in 20 Jahren sieht, sagt er: Er wünsche sich ein Energie-Unternehmen, das auch noch mit anderen Geschäften verdiene und weiterhin Tariflöhne zahle. Der Wandel werde aber nur gelingen, wenn man mit der Kohle noch ein paar Jahre Kohle machen könne.

Alle Arbeitsplätze kann das Unternehmen sicher nicht halten. Aber am Ende klappt es vielleicht für einen Teil.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Juli 2020 | 05:00 Uhr

18 Kommentare

Peter vor 15 Wochen

Tja faultier, mit dem Wind mögen Sie recht haben.
Allerdings ist Ihre Behauptung, Polen und Tschechien würde uns in Zukunft mit Kohlestrom beliefern, angesichts der sinkenden Produktion dort wohl falsch. Meinen Sie nicht auch?

Peter vor 15 Wochen

Ach Michael45, das Gesetz über den Kohleausstieg ist noch nicht einmal beschlossen und Sie sinnieren, was da alles in den nächsten Jahren schief gehen kann.
Seien Sie mal Optimist und denken darüber nach, was da Neues in der Lausitz entstehen kann.
Und mein Lieber: Der Kohleausstieg wird erst 2038 beendet sein. Das heißt, in den nächsten Jahren wird sich kaum etwas für die Kohlekumpel verändern. Sie werden weiter zur Arbeit gehen und gutes Geld verdienen. Und sie werden aber auch die Zeit nutzen, um sich weiterzubilden und vielleicht Ausschau nach einem anderen Job halten. Qualifizierte Leute werden nicht nur in der Braunkohle gebraucht. Das ist die Realität und die ist keineswegs menschenverachtend.

Stefan Der vor 15 Wochen

Na da sind wir aber bei einem schönen Thema. Bitte prüfen Sie nach wie viele Subventionen die Braunkohleindustrie erhält. Einzubeziehen sind natürlich auch die Renaturierungsmaßnahmen. Wenn es wirklich reiner Kapitalismus wäre, hätte kein Mensch mehr Kohlestrom. Wäre zu teuer...