Sachsen Kündigungsschutz für Bombardier-Arbeiter verlängert

Die lange Zeit angeschlagene Schienenfahrzeugbranche freut sich derzeit über volle Auftragsbücher. Denn nicht nur die Deutsche Bahn braucht neue Züge, auch Städte wollen mehr Trams und U-Bahnen einsetzen. Klingt also nach rosigen Zeiten für die Hersteller. Doch die Arbeiter in den Werken von Bombardier in Sachsen mussten sich dennoch Sorgen machen. Denn Endes des Jahres sollte eigentlich der Kündigungsschutz auslaufen. Das ist jedoch – zumindest vorerst – vom Tisch.

Bombardier
Ein Testcenter von Bombardier am Standort Bautzen. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Tief durchatmen und beruhigt in die Weihnachtszeit gehen, das können die insgesamt 2.300 Mitarbeiter von Bombardier in Sachsen dieses Jahr doch noch. Denn Gewerkschaft, Betriebsrat und Arbeitgeber haben sich auf eine Verlängerung des Kündigungsschutzes einigen können.

Sicherheit bis Ende März

Michael Fohrer, Vorsitzender der Geschäftsführung Bombardier Deutschland
Michael Fohrer, Deutschland-Chef von Bombardier. Bildrechte: Bombardier

Bombardier-Deutschland-Chef Michael Fohrer: "Wir haben vereinbart, dass wir ab Januar 2020 Verhandlungen zur Fortführung der Transformation in Deutschland aufnehmen wollen. Und gesagt, wir geben uns einen Zeitrahmen von Januar 2020 bis Ende März 2020. Damit haben wir dann auch gesagt, dass die betriebsbedingten Kündigungen bis zu diesem Zeitpunkt ausgesetzt werden."

Also: ein weiteres Vierteljahr Sicherheit für die Beschäftigten. Denn derzeit brummt das Geschäft für Bombardier. Das Werk in Bautzen ist ausgelastet und auch in Görlitz sieht die Auftragslage laut Deutschland-Chef Fohrer gut aus: "Wir haben auch Service-Aufträge zum Beispiel gewonnen bei der Deutschen Bahn, wir haben weitere Regionalzüge für Hamburg, Stuttgart und Frankfurt. Also da sind wir sehr gut unterwegs."

Ziel: Kündigungsschutz für mehrere Jahre

Die Gewerkschaft IG Metall will deshalb bei den kommenden Verhandlungen erreichen, dass der Kündigungsschutz über die nächsten Jahre verlängert wird. Auch, weil der Bedarf an Zügen, Trams, S- oder U-Bahnen mit Blick auf den Klimawandel steigen wird. Allerdings, so IG Metall-Bezirksleiter für Sachsen, Olivier Höbel: "Was uns Sorge macht, ist, dass das Management immer noch der Auffassung ist, dass es in Deutschland zu viele Standorte und auch überzählige Beschäftigung gibt. Und das ist natürlich für uns immer Anlass zur Sorge."

Sparkurs und Stellenabbau

Vor drei Jahren hatte der kanadische Mutterkonzern Bombardier eine Umstrukturierung sowie einen harten Sparkurs angeordnet. Allein 2.200 Stellen sollten in den sieben deutschen Standorten gestrichen werden. In Görlitz würde das 400 Beschäftigte treffen. Doch mit Blick auf die gute Auftragslage sagt Michael Fohrer, der deutsche Bombardier-Chef, heute:

"Eigentlich ist für Europa – und da hat Deutschland einen großen Stellenwert – alles in die richtige Richtung aufgestellt. Nur müssen wir weiterhin, und das ist auch ein klarer Appell an die IG Metall, an die Arbeitnehmervertreter, noch weiter an den Kostenstrukturen arbeiten, um die Arbeitsplätze in Deutschland zu halten." Das bedeute vor allem mehr Effizienz, so Fohrer.

Standorte in Sachsen bleiben

Dass Bombardier die Standorte in Sachsen erhalten will, zeige sich an den Investitionen. 30 Millionen wurden jüngst in die digitale Industrieproduktion in Bautzen investiert, für den Görlitzer Standort stellte Bombardier nächstes Jahr fünf Millionen in Aussicht.

Doch Michael Fohrer appelliert bei der Frage der Standortsicherung in Zukunft auch an die Auftraggeber: "Wenn man selber die Bahnindustrie in Deutschland haben will, dann sollte man auch versuchen, die Wertschöpfung in Deutschland zu halten, indem man die Ausschreibung entsprechend gestaltet." Michael Fohrer spricht sich dafür aus, dass bereits in den Ausschreibungen eine Wertschöpfungsquote von 50 Prozent in Deutschland beziehungsweise Europa gefordert wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Dezember 2019 | 05:00 Uhr

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