Musikspielstätten im Lockdown Clubszene häuft Schulden an

Seit dem Lockdown im Frühjahr sind die Türen der Leipziger Clubs geschlossen. Der Chef des ältesten Technoclubs Ostdeutschlands, der Leipziger Distillery, warnte, dass die Clubs reihenweise stürben, wenn im Sommer nichts passiere. Nun hat die Leipziger Kulturszene ein Open-Air auf die Beine gestellt. Steht das Clubsterben noch bevor?

Club Distillery
Vielen Clubs häufen trotz Förderprogrammen einen Schuldenberg an. Bildrechte: Thyra Veyder-Malberg

Die gute Nachricht für alle Fans der Leipziger Clubszene ist, dass bisher noch kein Laden dicht gemacht hat. Zumindest ist dem Livekommbinat kein Fall bekannt. Der Verein bündelt rund ein Dutzend Leipziger Clubs und Spielstätten.

Trotzdem zögert Alexander Loth vom Vereinsvorstand, wenn er sagt, dass alle noch da seien. "Man muss dazu sagen, dass das Ganze auch eine ziemliche Augenwischerei bedeutet. Viele monatliche Grundkosten werden gestundet. Je nachdem, wie man das Verhältnis zu den jeweiligen Vermietern aufgebaut hat. Aber es ist alles aufgeschoben", betont Loth. Und nicht aufgehoben.

Viele Förderprogramme sind zweckgebunden

Mit gemischten Gefühlen schaut er daher in die Zukunft. Der Tag, am dem ein Club wieder öffnen dürfe, sehnten auf der einen Seite alle herbei. Auf der anderen Seite fürchteten ihn einige. Denn dann habe sich ein unfassbarer Schuldenberg aufgebaut, sagt Loth.

Loth betreibt selbst einen Club, das Institut für Zukunft, besser bekannt als IfZ. Derzeit der angesagteste Technoclub in Leipzig. Wie schwer es ist, passende staatliche Hilfe zu bekommen, hat er in den letzten Monaten erlebt. Das Problem sei, dass viele Programme erwarteten, dass man die Förderung investiere, erklärt Loth. Etwa in Umbauten oder in pandemie-gerechte Veranstaltungsideen.

So wie auch das neueste Förderprogramm der Bundesregierung. Es heißt Neustart Kultur. Das sei schwierig für Musikclubs, findet Alexander Loth. Denn man habe kein Geld. Man habe also weniger als kein Geld, solle auf der anderen Seite aber möglichst viel Geld ausgeben.

Stadt Leipzig und Kulturszene ermöglichen Open-Air

Trotzdem haben die Clubbetreiber nicht aufgegeben. In Leipzig gibt es ein Open-Air. 200.000 Euro hat die Stadt locker gemacht, um den Kulturschaffenden zu helfen. Mehrere Initiativen, darunter das Livekommbinat, haben entschieden, die Summe nicht einfach untereinander aufzuteilen.

Sondern innerhalb kürzester Zeit ein Festival zu organisieren – mit elektronischer Musik, Singer/Songwriter, Theater, Zaubershows. Als Austragungsort stellt die Stadt die Festwiese am Sportforum bereit. Am vergangenen Wochenende ging es mit einer Technoparty los.

Vielversprechend und natürlich mit Hygienekonzept, wie Antje Hamel, Sprecherin des Livekommbinats berichtet. Die Festwiese wurde dafür vorher aufgeteilt, wegen des Infektionsschutzes. Die Leute könnten mit bis zu zehn Leuten in so ein Separee. Und es gebe ein Wegleitsystem, an das sich gehalten werde. Da gucke man auch drauf, das habe super geklappt, beschreibt Hamel.

Auch Dresden versucht, Clubs und Spielstätten am Leben zu halten. Unter anderem mit dem Konjunkturpaket "Kultur trotzt Corona". Eine halbe Million Euro steht bereit, zum Beispiel für Events unter freiem Himmel. Das ist für Kulturbetriebe gerade wohl die beste Wahl, um nicht zu verstummen und das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten.

Keine Lösung für den Winter in Aussicht

Trotz aller Schwierigkeiten ist Alexander Loth vom IfZ dankbar für die Förderprogramme, die es gibt. Er freut sich auf das spontan organisierte Leipziger Festival Out:Side und hofft, dass bis Ende September möglichst viele Besucher auf die Festwiese kommen.

Was bleibt, ist ein banger Blick Richtung Winter: "Also wenn dann die Möglichkeit genommen ist, dass man auch draußen irgendwas machen kann und die Tür aber weiter zu bleibt. Und das auf unabsehbare Zeit."

Dann könnte die dunkle Jahreszeit für die Clubs noch düsterer werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. August 2020 | 08:12 Uhr

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