Leipziger Reiseanbieter Reisewarnung: "LMX Touristik" lässt nicht immer stornieren

Trotz Corona in den Urlaub fahren – das ist für viele Deutsche nach der langen Zeit des Lockdowns unverzichtbar. Die meisten bleiben dabei in der Heimat. Aber was, wenn man aber einen Flug ins Ausland gebucht hat und für das Land plötzlich eine Corona-Reisewarnung ausgesprochen wird? Eigentlich müsste dann der Kunde die Reise kostenlos stornieren können. Der Reiseanbieter "LMX Touristik" mit Sitz in Leipzig hat das aber in mehreren Fällen abgelehnt. Die Unzufriedenheit der Kunden wächst.

Sonnenliegen stehen unter einem Schirm in einer Bucht der Adria in Seget Vranjica.
Kann ich eine Reise in ein Corona-Risikogebiet kostenfrei stornieren? Bildrechte: dpa

Eigentlich sollte der Teneriffa-Urlaub Mitte September beginnen. Sonne und Strand trotz Corona, das erhoffte sich ein Hörer aus Leipzig. Gebucht hatte er über den Reiseanbieter "LMX Touristik". Doch vergangene Woche wurde eine Corona-Reisewarnung für die Kanaren ausgesprochen. Eine kostenlose Stornierung der Pauschalreise war trotzdem nicht möglich.

LMX Touristik zählt Corona zum "allgemeinen Lebensrisiko"

In der Mail der "LMX Touristik", die MDR AKTUELL vorliegt, heißt es: "Um ein kostenfreies Storno zu erlangen, beachten Sie bitte, dass die Corona-Pandemie nun schon seit Januar die Welt beschäftigt und somit zum allgemeinen Lebensrisiko zu zählen ist. Steigende und sinkende Infektionsfälle können jederzeit und überall auftreten und sind somit kein außergewöhnliches Ereignis mehr. Somit sind Ihrerseits die mit uns vereinbarten Zahlungen zu erbringen."

Aber ist das rechtens? Nicole Mutschke ist Anwältin aus Bielefeld und betreut gerade viele Klienten, die bei LMX oder anderen Reiseanbietern nicht kostenlos stornieren konnten. Mutschke sagt, man solle bei einer Reisewarnung immer probieren, das Geld zurück zu bekommen.

Ob eine Absage rechtens sei, sei aber nicht so einfach zu beantworten. "Also ganz grundsätzlich kann man bei Pauschalreisen vor Reiseantritt immer stornieren – ob das kostenlos ist, kommt darauf an. Im Gesetz steht da nur: Immer wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände, vorliegen und die Reise erheblich beeinträchtigen, dann kann ich stornieren. Und als diese Umstände, da werden eigentlich immer Reisewarnungen gesehen. Also das ist das stärkste Indiz, um eine Reise kostenlos stornieren zu können. Nicht das einzige, aber das stärkste Indiz."

Auf den Zeitpunkt der Stornierung kommt es an

Mutschke sagt auch, dass es immer auf den Einzelfall ankomme und besonders auf den Zeitpunkt der Stornierung. Denn da müsse ein Kunde nachweisen können, dass wirklich schon eine Reisewarnung vorlag. Wer aber trotz einer Reisewarnung bucht, für den werde es schwierig.

Dass LMX jetzt die kostenlose Stornierung ablehnt, weil Corona zum "allgemeinen Lebensrisiko" zähle, hält Mutschke aber grundsätzlich für unzulässig. "Für mich ist alles andere, was die Reiseveranstalter da jetzt vorbringen aus Sicht der Reiseveranstalter verständlich, wirtschaftlich verständlich, aber nicht rechtlich haltbar."

LMX rudert zurück

Ähnlich verlief ein Fall aus Niedersachsen. Dort wollte ein Mann eine Reise nach Mallorca kostenlos stornieren. LMX argumentierte auch hier: Corona gelte als "allgemeines Lebensrisiko". In einer schriftlichen Stellungnahme an MDR AKTUELL spricht das Unternehmen von einem Missverständnis: "Dieser Fall ist aufgrund eines Mitarbeiterfehlers falsch beantwortet und bearbeitet worden. Diese Buchung haben wir nachträglich kostenlos storniert und der Kunde erhält sein eingezahltes Geld zurück. Damit ist dieser bedauerliche Einzelfall für uns abgeschlossen."

Von Einzelfällen kann jedoch nicht die Rede sein – wie auch viele Online-Kundenrezensionen zeigen. Keine Reaktion auf Anrufe und Mails, das Geld sei auch Wochen nach Zahlungsaufforderung nicht da, kann man lesen.

Tipp an Kunden: Druck machen

Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen rät in diesem Fall, Druck zu machen: "Wer seine Stornierung nicht erstattet bekommt, sollte mit einem Einschreiben eine Frist setzen zur Zahlung. Also nicht immer telefonisch, ohne irgendwelche Nachweise zu korrespondieren. Wichtig ist, dass man mit einem Beleg eine Zahlungsaufforderung an den Anbieter sendet. Und wenn er dieser Zahlungsaufforderung nicht nachkommt, habe ich die Möglichkeit, Klage zu erheben."

Hummel warnt bei einer Klage aber auch davor, dass Reiseanbieter in der Corona-Krise noch in Insolvenz gehen könnten. Wer dann klagt, bleibt eventuell auf den Gerichtskosten alleine sitzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. September 2020 | 05:00 Uhr

6 Kommentare

Karol vor 2 Wochen

@Generation 55
Hier die Erklärung der Versicherung:
..... Den Prämienanteil der Reiserücktrittsversicherung in Höhe von 238,40EUR können wir Ihnen nicht erstatten, da der Versicherungsschutz ab dem Moment des Abschlusses Ihres Versicherungspakets inklusive Reiserücktrittsversicherung greift. Wäre in der Zeit vor Absage der Reise Ihnen als versicherte Person etwas passiert und wäre somit ein versichertes Ereignis eingetreten, sodass Sie selbst die Reise hätten absagen müssen, wären wir als Reiseversicherer eingesprungen und hätten Ihre Stornierungskosten übernommen.....

w-will vor 2 Wochen

Wie haben auch bei LMX Pauschalreise gebucht im Januar (kein Corona) 2020 für August. Jetzt haben wir 2 Wochen vor Abflug (während Corona-Reisewarnung) wegen Corona-Warnung storniert.
Also alles im rechtlichen Rahmen, eigentlich eindeutig. LMX lehnt bereits gezahlte Anzahlung ab und antwortet uns wie im Beitrag beschrieben. Wir haben den Anwalt eingeschaltet, darauf antwortet LMX nicht, die haben uns sogar eine Stornorechnung über die Restsumme gestellt. Müssen nun leider vor Gericht.

Kritische vor 2 Wochen

Wir haben vor einem Jahr gebucht. Noch gibt es keine Reisewarnung für das entsprechende Land, aber in Foren las ich bereits, was uns dann erwartet. Nämlich gar nichts, außer man beauftragt einen Anwalt. Es handelt sich um ein Unternehmen in Düsseldorf, gebucht haben wir über Holidaycheck. Nirgendwo geht jemand ans Telefon, man wird abgewimmelt und hängt mit sämtlichen Problemen völlig in der Luft. Man kann nur beten, dass die Reise so stattfindet.