Luftaufnahmen vom DHL-Frachtbereich des Flughafens Leipzig/Halle
Der Bedarf an Arbeitskräften bei DHL, Amazon und Co. ist laut Branchenvertretern enorm. Bildrechte: Mitteldeutsche Flughafen-Holding

Mitteldeutschland Ausländische Arbeiter für Logistik immer wichtiger

Amazon, DHL und generell Online-Shopping wären nicht denkbar ohne eine gut funktionierende Logistik. Doch die drittwichtigste Branche in Deutschland wackelt. Während auf der einen Seite die Nachfrage immer größer wird, hat die Branche andererseits Probleme ausreichend Arbeiter zu finden. Wie wichtig ist inzwischen die Rolle ausländischer Fachkräfte geworden?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Luftaufnahmen vom DHL-Frachtbereich des Flughafens Leipzig/Halle
Der Bedarf an Arbeitskräften bei DHL, Amazon und Co. ist laut Branchenvertretern enorm. Bildrechte: Mitteldeutsche Flughafen-Holding

Schichtwechsel in den Leipziger Logistikzentren: Allein Amazon und DHL zählen über 7.000 Beschäftigte. Viele von ihnen sind aus anderen Ländern nach Leipzig gekommen und haben hier schnell Arbeit gefunden. So auch Paolo, der eigentlich anders heißt und anonym bleiben möchte.

Während der Vorweihnachtszeit war der Italiener im Lager von Amazon tätig. Er schreibt: "Mit mir gab es viele, ich glaube Studenten, aus Indien, Bangladesch, Pakistan, die nur für eine kurze Zeit dort gearbeitet haben, wahrscheinlich um etwas dazu zu verdienen, dann natürlich viele Europäer, aber auch Südamerikaner und Afrikaner."

"Zuwanderung für Branche immer wichtiger"

Zwar war die Arbeit körperlich anstrengend, aber ansonsten recht simpel gewesen, erzählt Paolo. Deutschkenntnisse hatte man nicht verlangt und die Einarbeitung sei schnell gegangen. Dass der Online-Riese in Leipzig immer internationaler wird, kann auch die Agentur für Arbeit bestätigen.

Sprecher Bernd Leistner sagt: "Am Anfang war die Stammbelegschaft, die da aufgebaut wurde, aber auch die saisonale Belegschaft, war sehr stark davon geprägt, dass das Deutsche waren. Aber der Anteil ist sehr schnell, sehr stark gewachsen, sodass heute Amazon das internationalste Unternehmen in Leipzig ist."

Das gilt auch für DHL. Auf Anfrage von MDR AKTUELL teilte das Unternehmen mit, dass am Standort Leipzig Menschen aus über 80 Nationen arbeiten. Wie groß der Anteil der ausländischen Beschäftigten ist, wollte man jedoch nicht sagen.

Generell wird die Zuwanderung nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen für die Branche immer wichtiger, sagt der Geschäftsführer beim Netzwerk Logistik Mitteldeutschland, Klaus-Dieter Bugiel, denn: "Arbeitskräfte in der Logistik werden händeringend gesucht. Und ausländische Arbeitskräfte sind in dem Falle sehr wichtig, weil die deutschen meiner Ansicht nach gar nicht mehr ausreichend sind."

"Bedarf nicht zu decken"

Das bestätigt auch der Verkehrsexperte beim Deutschen Wirtschaftsinstitut, Thomas Puls. Lange Zeit sei die Ausbildung in einigen Bereichen wie der Bahn vernachlässigt worden. Hinzu komme der demografische Wandel. Das führe in Sachsen und Thüringen zum Beispiel dazu, so Thomas Puls, dass: "beim Berufskraftfahrer auf 100 offene Stellen lediglich 79 gemeldete Arbeitslose kommen. Das heißt, der Bedarf ist schon rein theoretisch nicht zu decken. Und in der Wissenschaft geht man eigentlich davon aus, dass bei einem Verhältnis von 200 kein Engpass mehr besteht."

Knapp 17 Prozent beträgt der Anteil nicht-deutscher Arbeiter im Bereich Verkehr und Lagerei im Dezember 2017, Tendenz steigend. Das geht aus den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Sorgen der Gewerkschaft

Aus gewerkschaftlicher Sicht bestehen aber auch Sorgen, weil viele ausländische Fachkräfte ihre Arbeitnehmerrechte nicht kennen, sagt der Logistik-Experte von Verdi, Stefan Thyroke. Hier müsse man noch aufklären und überzeugen.

Thyroke zählt auf: "Warum ist es wichtig einen Betriebsrat zu wählen, was ist überhaupt ein Betriebsrat, was macht der für dich, weil in ihren Heimatländern das häufig eben gar nicht bekannt ist oder der Betriebsrat eben nicht solche Rechte hat, wie er in Deutschland hat."

Vor allem angesichts des Fachkräftemangels, werden ausländische Arbeiter für die Logistik-Branche immer wichtiger, darin sind sich alle Befragten einig. Ohne sie würde so einiges auf der Strecke bleiben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 05:00 Uhr

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13 Kommentare

23.07.2019 13:21 Eulenspiegel 13

Hallo Gerd Müller 8
„Wir haben genug eigene Arbeitslose in Deutschland und Europa deshalb brauchen keine „Fachkräfte“ außerhalb der EU.“
Komisch in ganz Deutschland fehlen Ärzte und Pflegepersonal. Schulen und Kitas suchen verzweifelt nach geeignetem Personal. Handwerksunternehmen haben die Auftragsbücher voll nur das Personal fehlt. Verkehrsunternehmen suchen Bus-und Bahnfahrer.
Wie wäre das wenn sie uns ihren Satz noch ein mal genauer erklären.

22.07.2019 15:30 Micha 12

@ Basil Disco
DHL und Amazon in Zusammenhang mit Lohndumping zu bringen ist selbstverständlich Quatsch!
Der gesetzliche Mindestlohn beträgt 9,19 €/Stunde.
Die Amazon-Logistiktöchter orientieren sich mit Einstiegslöhnen von 10,78€/Stunde für Um- und Angelernte an den im Logistikbereich gezahlten Tariflöhnen.
DHL zahlt Stundenlöhnen von 13,37 bis 17,21 € und die vor einigen Jahren geoutcourten DHL-Delivery-Gesellschaften sind längst Geschichte.

22.07.2019 13:50 pkeszler 11

@Gerd Müller: "Wir haben genug eigene Arbeitslose in Deutschland und Europa deshalb brauchen keine „Fachkräfte“ außerhalb der EU."
Aber eben keine Fachkräfte. Sie können sich ja mal bewerben, wenn Sie eine Fachkraft sind. Dann hätten wir in Deutschland einen Arbeitslosen bzw. Rentner weniger. Sie lesen wohl keine Berichte aus Mitteldeutschland oder aus anderen Regionen?

22.07.2019 13:38 Peter 10

@8 Gerd Müller: Nur zur Klarstellung: Bei DHL bekommen Logistiker laut Tarifvertrag ein Anfangsgehalt von 2.000 € brutto. Also rund 1.400 € netto bei Alleinstehenden. Dazu Urlaubs- und Weihnachtsgeld und Sonntagszuschläge.
Zugegeben nicht üppig, aber die bei DHL beschäftigten "Arbeitsmigranten" können davon wohl ganz ordentlich leben.
Tja, und ich frage Sie: Warum haben sich für solche Jobs keine deutschen Arbeitslose und Hartz IV Empfänger gefunden?
Schließlich: Der Tarifvertrag bei DHL unterscheidet nicht nach deutschen und ausländischen Mitarbeitern. Das "gegeneinander ausspielen" können Sie sich also sparen.

22.07.2019 12:33 Satiriker 9

22.07.2019 10:26 Montana 6: "Perfekte Deutschkenntnisse sind das A und O."
.
Richtig. Bitte in Sachsen anfangen.

22.07.2019 12:08 Gerd Müller 8

Nur ein Ziel, kosten zu drücken und die Ausbeutung zu steigern.
„Fachkräfte“ was sind das? Transportarbeiter jedenfalls nicht.
Wir haben genug eigene Arbeitslose in Deutschland und Europa deshalb brauchen keine „Fachkräfte“ außerhalb der EU.
Hier werden nur Menschen gegeneinander ausgespielt um den Gewinn zu steigern. Nur, was hinten dran hängt, dafür soll der Steuermichel bezahlen.
Wie viele Arbeitsmigranten können von ihrem Lohn leben?
Hier kann der MDR seine Rolle der Information wahrnehmen.

[Lieber Nutzer, Woher wissen Sie, dass sie gegenüber deutschen Arbeitslosen bevorzugt werden? Woher wissen Sie, wie viel das den Steuerzahler kostet, wo doch angestellte ausländische Kräfte selbst Steuern zahlen? Mit freundlichen Grüßen, Ihre MDR.de-Redaktion]

22.07.2019 11:22 Ureinwohner 7

Ausländische Arbeiter für Logistik immer wichtiger
Amazon, DHL und generell Online-Shopping wären nicht denkbar ohne eine gut funktionierende Logistik. Ja klar doch. Nun ergäbe sich aber die Frage, warum VERDI meint, dass die Arbeiter dennoch nach Einzelhandelstarif bezahlt werden sollten und ständig zum Streik aufruft.

22.07.2019 10:26 Montana 6

Perfekte Deutschkenntnisse sind das A und O.

22.07.2019 10:12 pkeszler 5

"Während auf der einen Seite die Nachfrage immer größer wird, hat die Branche andererseits Probleme ausreichend Arbeiter zu finden. Wie wichtig ist inzwischen die Rolle ausländischer Fachkräfte geworden?"
Aber das wollen doch einige AfD-Anhänger immer noch nicht zugeben. Aber diese Arbeit wollen sie auch nicht machen. Die Hauptsache ist doch, immer kräftig auf die Regierung und die Verantwortlichen dieser Firmen schimpfen.

22.07.2019 09:15 D.o.M. 4

Nein. Brauchen sie nicht ! Was sie brauchen ist eine sinnvolle , staatliche Lenkung des Arbeitskräftepotentials und eine angemessene Entlohnung. Und wenn das nicht reicht, dann drehen sich einfach weniger Räder. Punkt. Das was hier wieder propagiert wird, ist moderner Kolonialismus. Schlecht entlohnte Billigarbeit soll wieder denen aufgedrückt werden, die die Not zwingt, diese anzunehmen. Nur eben nicht wie früher dort, sondern heutzutage hier. Und zynisch wird das dann auch noch win-win-Situation genannt.