Orte der besonderen Sorte: DHL HUB Halle/Leipzig
Größter Arbeitgeber am Flughafen Leipzig/Halle ist DHL mit 5.000 Beschäftigten. Bildrechte: MDR JUMP

Raum Leipzig/Halle 1.000 offene Stellen in der Logistik-Branche

Der Flughafen Leipzig-Halle ist im Aufwind. Denn er soll nach dem Willen der Bundesregierung internationales Frachtdrehkreuz werden. So steht es im Koalitionsvertrag. Bislang nutzt vor allem DHL den Flughafen, um Expressgut in die ganze Welt zu verschicken. Zukünftig könnten noch einige Anbieter dazu kommen. Aber finden die Logistikfirmen in der Region überhaupt noch genügend Mitarbeiter? Ralf Geißler hat nachgefragt:

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Orte der besonderen Sorte: DHL HUB Halle/Leipzig
Größter Arbeitgeber am Flughafen Leipzig/Halle ist DHL mit 5.000 Beschäftigten. Bildrechte: MDR JUMP

Vorm Abflug in die Ferien kann man sich noch ein paar Jobs anbieten lassen. Denn mitten im Flughafen Leipzig-Halle unterhält die Arbeitsagentur ein Büro. Zwischen Check-In und Sicherheitskontrolle berät sie Arbeitssuchende und sammelt Stellenangebote ein.

Über 1.000 unbesetzte Stellen im Raum Leipzig-Halle

Die Logistik-Firmen im Raum Leipzig-Halle würden eigentlich immer Personal suchen, sagt Agentursprecher Volkmar Beier: "In den letzten drei Jahren haben wir ein Plus bei den Beschäftigtenzahlen von über 15 Prozent gehabt. Das heißt, gegenwärtig sind über 22.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte hier im Wirtschaftsraum in dieser Branche tätig. Das ist eine starke Entwicklung. Auf der anderen Seite haben wir aktuell noch über 1.000 Stellen, die in dieser Branche noch zu besetzen sind."

Nun soll der Flughafen weiter ausgebaut werden, spontane Fracht für Europa künftig über Leipzig-Halle gehen. Zudem denkt der chinesische Paketzusteller SF Express über ein Drehkreuz in Leipzig nach. Doch finden sich für all das dann noch ausreichend Leute?

Steigende Löhne und längere Arbeitswege

Die Antwort darauf hänge davon ab, wen man fragt, sagt Andreas Wiedemann von der Gewerkschaft Verdi: "Die Arbeitgeber sagen uns immer wieder, dass sie keine großen Probleme hätten bei der Personalgewinnung."

Immer, wenn wir bei Tarifverhandlungen am Tisch sitzen, sagen wir, sie sollen was drauf legen, damit sie Personal finden. Das wird von der Arbeitgeberseite regelmäßig verneint.

Andreas Wiedemann. Gewerkschaft Verdi

"Wir wissen aber schon, dass es Probleme gibt, alle Arbeitsplätze zu besetzen", fährt der Gewerkschafter fort: "Die Betriebsräte sagen uns das, dass es da schon Lücken gibt und die Belastungen für diejenigen, die an Bord sind, schon relativ hoch sind."

Wohl auch wegen dieser Lücken sind die Löhne in der Logistik gestiegen. In zehn Jahren zwischen 35 und 40 Prozent, sagt Wiedemann. Dafür nähmen einige Beschäftigte immer längere Arbeitswege in Kauf, erzählt Klaus-Dieter Bugiel, Geschäftsführer beim Netzwerk Logistik Mitteldeutschland: "Die Leute kommen tatsächlich schon heute von weiter angereist. Entfernungen von einer Stunde, da sind wir schon fast in Dresden, oder fast in Magdeburg. Das spielt heutzutage keine Rolle mehr. Das ist eine Anfahrtszeit, mit der man heute leben kann. Und viele nutzen das auch."

Aufgaben für ungelernte Arbeitskräfte zu komplex

Größter Arbeitgeber am Flughafen ist DHL mit rund 5.000 Beschäftigten. Sie arbeiten vor allem nachts, was viele nur vorübergehend wollen. Erst im Herbst war DHL auf Jobwerbetour. Man finde schon noch Leute, sagt Volkmar Beier von der Arbeitsagentur. Seine Behörde habe 5.000 Arbeitssuchende in der Region ausgemacht, die für die Logistik infrage kommen. "Das sind Personen, die den Hintergrund mitbringen, die Fähigkeiten für die Branche. Der eine oder andere braucht aber eine Starthilfe, durch eine entsprechende Qualifizierung zum Beispiel," erklärt Beier.

Die Firmen müssen also erst einmal schulen und sich danach bemühen, die Neuen zu halten. Die Zeiten, in denen man Ungelernten über Nacht einen Job zum Mindestlohn geben konnte, sind vorbei. Dafür sind die Aufgaben in der Branche auch zu komplex geworden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Juli 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2018, 05:00 Uhr

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19 Kommentare

06.07.2018 07:40 Mediator 19

Die Diskussion hier um Löhne und um Gesundheitsaspekte zeigt deutlich, dass man die eigentliche Nachricht nicht akzeptieren will.

Diese Nachricht lautet, dass es Wachstum in der Region gibt und dass darunter auch sehr viele gut bezahlte Stellen sind.

Ausgehend davon muss man sich fragen was daraus folgt.

Wachstum abwürgen = diese Stellen nicht besetzen
Wachstumschancen nutze = geeignete AN finden.

Das der Markt Arbeitnehmer aufsaugt zeigt die schlichte Tatsache, dass z.B. ca. 1/4 der seit 2015 ins Land gekommenen syrischen Flüchtlinge bereits Arbeit gefunden hat. Im Verglich zu den 5 Flüchtlingen pro Tag, um die es im zurückliegenden bayerischen Grenzkomödienstadels ging, sind das mal relevante Zahlen.

06.07.2018 04:44 Klarheit 18

@16:27 @9 - Wo ist die Sachlichkeit? 14,

ich habe nichts von Sachlichkeit geschrieben (ist aber anstrebenswert), das "Bitte sachlich bleiben" ist in der Überschrift des Kommi 5 !

Studien / Erhebungen gibt es zuhauf mal Google bemühen .... hier ein Auszug von wem so alles :
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) ,
- IG Metall Baden-Württemberg und der Hans-Böckler-Stiftung,
- im Stern wird auf einige Studien verwiesen ....stern.de/gesundheit/studie-zur-schichtarbeit...,
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
- usw. usw.....

05.07.2018 23:33 AufmerksamerBeobachter 17

@15/16 Die Logistikbranche zahlt nicht gut (Amazon will ja nicht mal nach Einzelhandelstarif zahlen - und der ist schon mies). Ich schaetze, DHL zahlt 28-32k Brutto/Jahr.

Das sind Jobs fuer Leute unter 30 ohne Familie. Sowas kann man in jungen Jahren machen. Habe selbst als Jung-FA im ersten halben Jahr vier Monate fast nur Spaet- und Nachtschichten gemacht, war Klasse fuer mich und es gab knapp 2000 Ostmark/M., das war OK, nur in rollender Woche gabs noch mehr -- Hier rennt man aber fuer kleines Geld jede Nacht uebers Rollfeld und muss eine Rente von 700-800E befuerchten (43%) - und diesen Job macht keiner mit 55+ (mal die netten Bildchen der DHL HR ansehen...) Das sind sie also, die Traumjobs im Leipziger Raum. Wundert mich nicht, das sie 1000 offene Stellen haben, Kaputtmachen kann man sich auch anders.

05.07.2018 18:41 REXt 16

Wäre ja mal interessant zu erfahren was in der Logistikbranche so für(Tarif ) Löhne gezahlt werden müßten, daraus erschließt sich dann auch, warum es 1000 offene Stellen gibt. Denn sollte der Lohn nur geringfügig über dem Mindestlohn liegen, erzielt man dann eine Rente als „ zukünftiger Armutsrentner“!

05.07.2018 17:24 Sachse43 15

Mich würde mal die Entlohnung und etwaige Vergünstigungen interessieren. Weiß da jemand etwas?

05.07.2018 16:27 @9 - Wo ist die Sachlichkeit? 14

@9 Sie behaupten sachlich zu sein, das wage ich zu bezweifeln, denn Ihr Kommentar hat einen gewissen Unterton in Richtung "Blos keine Arbeit".
Bitte benennen Sie die Studien und wer diese bezahlt, in Auftrag gegeben hat. Die Sie meinen, sind die in denen es um Wechselschicht geht. Und ich selbst kenne Lokführer und Straßenbahnfahrer die trotz Wechselschicht sehr alt geworden sind.

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Einige Kommentare hier, haben in Bezug auf Arbeit wieder einen gewissen Touch.

05.07.2018 16:24 Fragender Rentner 13

@einkommensmillionär zu 6

Na der Mindestlohn könnte bestimmt garantiert werden.
Ist doch im Osten.

Und du sollst doch nicht schon wieder die Haare in der Suppe suchen. :-)

05.07.2018 16:19 Fragender Rentner 12

Was brachten sie Gestern, dass viele AN vor dem Erreichen des Rentenalters nicht mehr arbeiten können und so als gefährdet gelten?

Die Rede war von ca. 5 Mio. AN !

05.07.2018 16:18 "Nachtarbeit ist nicht Gesund" (?) Aus welchem Märchenbuch der Medizin ist das? 11

Der Mensch ist, wie viele seiner Organe ein anpassungsfähiges Individuum und das Nachtarbeit die Gesundheit schädigt ist ein Märchen. Hier werden wieder Äpfel mit Birnen gleichgesetzt. Es geht nicht um Wechselschichtbetrieb sondern Nachtschicht. mit größeren regelmäßigen Freitagen dazwischen.

Aber man erkennt, worum es hier wirklich geht, nämlich Arbeit abzulehnen. Die "soziale Hängematte" macht es möglich.

05.07.2018 16:15 Fragender Rentner 10

Diese Jobs sind wohl mit Arbeit verbunden und das kann man doch nicht als das bezeichnen, was so manche wollen. :-(

Ist eben kein Computer. :-)