Flaschen in Abfüllanlage
In Hartmannsdorf werden täglich die verschiedensten Brausen abgefüllt. Bildrechte: MDR/ Ralf Geißler

Getränke-Boom Regionale Bio-Brausen immer beliebter

Immer häufiger greifen die Deutschen zu regionalen Marken – auch bei Brause. Marktforscher beobachten einen regelrechten Boom kleiner, weitgehend unbekannter Limonaden, Saftschorlen und Mixgetränke. Die Rezepte dafür stammen wahlweise aus Studenten-WGs oder Omas Kochbuch.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Flaschen in Abfüllanlage
In Hartmannsdorf werden täglich die verschiedensten Brausen abgefüllt. Bildrechte: MDR/ Ralf Geißler

Katerina Mansfeld bringt die gute alte Zeit zurück, in Gestalt einer Gartenlimonade aus Zitronen, Äpfeln und Melisse, mit einem Hauch Basilikum. Mansfelds Oma hat sie einst in Sizilien gekocht. Der Liebe wegen fand das Rezept den Weg nach Leipzig.

"Wir haben die zu Familienfesten und zu Grillabenden in Leipzig gemacht und da fand das großen Anklang", erinnert sie sich. Und dann sei ihr Kind irgendwann mal auf die Idee gekommen, die Limonade in Flaschen abzufüllen.

Markt für regionale Getränke boomt

Inzwischen kann man die "Mötts", so heißt der Trunk, in Leipziger Läden kaufen. Immer häufiger findet man regionale Getränke im Handel. Sie heißen "Bob Barrel", "Limoment" oder "Frohlunder". Im sachsen-anhaltischen Gommern produziert die Brauserei gleich mehrere Sorten.

Der Markt boome, sagt Günter Bierbaum von der Gesellschaft für Konsumforschung. Die nachwachsende Konsumentengruppe habe andere Bedürfnisse und Wertevorstellungen als ihre Elterngeneration. Und Aspekte wie Nachhaltigkeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen würden hier eine besondere Rolle spielen.

Coca-Cola ist out, Bio-Brause ist in

Zugespitzt formuliert: Coca Cola ist out, Bio-Brause ist in. Die meisten regionalen Hersteller beginnen klein, in ihrer privaten Küche. Doch irgendwann muss ein Abfüller her. Und da kommt Ludwig Hörnlein ins Spiel.

Mann hält Flasche
Ludwig Hörnlein füllt in Hartmannsdorf verschiedene Brausen ab. Bildrechte: MDR/ Ralf Geißler

Sein Brauhaus Hartmannsdorf produziert bei Chemnitz nicht nur Eigenmarken, sondern mischt Getränke auch im Auftrag anderer. "Bei mir klingelt jeden Tag das Telefon von irgendwelchen Leuten, die Ideen haben" berichtet er. Leider habe er schon einige Anfragen ablehnen müssen, weil es einfach nicht zu schaffen sei.

Hinter Hörnlein rattern die Flaschen. Während andere Abfüller tagein, tagaus dasselbe machen, füllt Hörnlein morgens Bier ab, mittags Limo, nachmittags Schorle und abends den Mate-Trunk. Es sei schon grenzwertig, meint er. Wenn es dann wenigstens dieselben Flaschen wären. Aber es seien andere Kästen, andere Flaschen, andere Kronkorken, andere Etiketten. Da werde es natürlich sehr komplex und es bedürfe Einiges an Können und an Zeit.

Prognose: Markt für regionale Brause wird wachsen

Frau hinter Flasche und Glas
Katerina Mansfeld kocht die "Mötts" wie ihre Oma. Bildrechte: MDR/ Ralf Geißler

Wenn Hörnlein die Kisten auf den Hof schiebt, kann er Pause machen. Für seine Partner fangen die Probleme erst an. Wo lagert man die Ware? Ist der Verkaufspreis realistisch? Wann muss die zweite Ladung her? Konsumforscher Bierbaum glaubt, dass der Markt für regionale Getränke weiter wachsen wird.

Dass ein Hersteller Coca Cola in die Knie zwingt, bezweifelt er aber. Das sei schwierig. In vielen Fällen habe man auch erlebt, dass große Marken, nationale Marken, diese kleinen Marken aufgekauft hätten, um sich mit diesen kleinen Marken zu profilieren. Oder sie würden selbst handwerklich hergestellte Erfrischungsgetränke in den Markt bringen, um dieses Potenzial für sich zu realisieren.

Um von Getränken leben zu können, muss man sehr viele Flaschen verkaufen. Katerina Mansfeld hat von der "Mötts" diesen Sommer tausende Liter abfüllen lassen. Trotzdem ist es für ihre Familie nur ein Zusatzgeschäft – aber ein ziemlich erfrischendes.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 24.08.2017 | 05:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. April 2019, 16:44 Uhr

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3 Kommentare

24.08.2017 15:00 Tom Unger 3

Habe neulich zum ersten Mal die Mött's probiert und bin trotz des Preises (1,49 € im Konsum) zum Wiederholungstäter geworden. Mich begeistert der Geschmack und der erfrischenden Charakter. Und ich habe großen Respekt vor Allen, die in diesem überfüllten Markt etwas Neues wagen. Glückwunsch

24.08.2017 11:22 Leon 2

Hautsache, das Obst kommt von glücklichen Bäumen, oder wat?

24.08.2017 11:12 Andreas 1

So lange die ach so tollen "Bio Brausen" trotz eines Preises von 1,75€ für 0,33 l wie in dem Fall von Mött´s weiterhin Industriezucker, Saftkonzentrate,Aromen, Citronensäure und Stabilisatoren enthalten, so lange kann man die alle nicht ernst nehmen. Für das Geld haben solche Sachen in einem Getränk nichts zu suchen.