Die Unternehmer Georg und Andreas an der Apfelpresse.
Die Unternehmer Georg und Andreas an der Apfelpresse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Initiative "Lokalhelden" Junge Unternehmer zurück aufs Land

Junge Leute wandern ab, der letzte Laden macht zu und der Bus hält irgendwann auch nicht mehr. Am Ende stirbt das Dorf. Der ländliche Raum hat seit Jahren große Probleme. Was kann man dagegen tun? Eine Schweizer Stiftung unterstützt gezielt Gründer in ostdeutschen Dörfern, um den Trend zur Abwanderung aufzuhalten. Das Projekt heißt "Lokalhelden" und sein Motto lautet: "Verdien Dein Geld am Arsch der Welt".

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Die Unternehmer Georg und Andreas an der Apfelpresse.
Die Unternehmer Georg und Andreas an der Apfelpresse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Herzlich willkommen in unserem Apfelparadies. Da ist es: Eine Streuobstwiese mit 200 Obstbäumen." Johannes und Georg stellen Apfelsaft her. Allerdings nicht mit großen Maschinen. Die jungen Männer keltern den Saft traditionell von Hand. Das Bedienen der Presse klappert nicht nur, sondern strengt auch an.

Johannes sagt, er habe sich bewusst für das einfache Landleben entschieden – im thüringischen Herschdorf am Langen Berg. Da sei zum einen die Gemeinschaft, dass sich die Leute gegenseitig unterstützen würden. Man könne zu seinen Nachbarn gehen, wenn man ein Problem habe. Es werde einem geholfen. "Ich finde, es hat viele Vorteile. Auch die Ruhe und Entspannung für einen selbst. Es ist herrlich, hier draußen in der Natur zu sein."

Stiftung will Unternehmer aufs ostdeutsche Land locken

Von ihrem Bio-Apfelsaft allein, die Flasche kostet zwei Euro, können die beiden Männer aber nicht leben. Georg kommt mit 450 Euro Verdienst aus, Johannes hat noch einen Job bei den Stadtwerken Jena. Außerdem unterstützt die Schweizer Drosos Stiftung die beiden. Sie ist vor allem in Nordafrika und im Nahen Osten aktiv. Nun hat sie für Ostdeutschland das Projekt "Lokalhelden" entwickelt. Es solle junge Gründer zurück in die Dörfer locken, sagt Koordinator Martin Kuder.

Die Stiftung wolle junge Leute erreichen, die einen Bezug zum ländlichen Raum hätten, die dort gern leben und die sich etwas Eigenständiges aufbauen wollen würden. Und davon gebe es, wie die Stiftung jetzt feststelle, sehr viele. Viele würden sich eigentlich nur scheuen, in die Region zurückzugehen, weil sie für sich dort keine beruflichen positiven Perspektiven sehen würden.

Die Stiftung schult die Gründer in Geldfragen, vermittelt Kontakte und gibt Marketingtipps. Nach drei Jahren sollen die Geförderten auf eigenen Füßen stehen.

Infrastruktur im ländlichen Raum lange vernachlässigt

Die Stiftung bedient ein Feld, das die Politik vernachlässigt hat. Der ländliche Raum klagt seit Jahren über mangelnde Unterstützung. Dabei gibt es dort nicht nur Saftpresser, sondern auch mittelständische Unternehmen, die hoch innovativ sind. Das gelte für Ostdeutschland besonders, sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer beim ostdeutschen Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau.

"Dort eine Versorgung zu gewährleisten und zwar nicht nur rein digitale Infrastruktur, sondern auch die Verbindung mit der Schiene, dem Autoverkehr, da hat man in den letzten Jahren einfach nichts oder zu wenig gemacht", sagt Pätz. Das müsse man versuchen, relativ schnell nachzuholen, um auch die Fachkräfteproblematik und viele andere Themen besser in den Griff zu kriegen. Pätz sieht vor allem die Bundesregierung in der Verantwortung.

Auf dem Hof von Johannes und Georg gibt es zum Beispiel kein schnelles Internet und das Handy funkt nur auf dem Dachboden. Doch die beiden stört das gar nicht so sehr.

Mehr junge Menschen für das Land

Was hier fehle, seien vielleicht junge Menschen. Junge Menschen wie sie selbst, die auch Lust hätten, sich mit aktiv dafür einzusetzen, ländliche Regionen zu erhalten: "Ja, ein paar hübsche, nette Mädels auch mal, die hier mit anpacken. Davon gibt es hier reichlich wenig."

Demnächst werden Johannes und Georg ihre Streuobstwiese erweitern. Außerdem wollen sie auch bei anderen das Verständnis für die Natur wecken. Wenn die zwei nicht auf ihrem Hof sind, trifft man sie bei Projekttagen an Schulen. Dort pflanzen sie mit Kindern Apfelbäume.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 13.11.2017 | 05:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2017, 07:04 Uhr

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1 Kommentar

13.11.2017 11:04 Uborner 1

Landflucht ist kein spezifische ostdeutsches Problem und dass sich eine schweizer Stiftung darum kümmert ist peinlich. Die denen es peinlich sein sollte werden es aber wohl kaum mitkriegen da unter ihrer Glaskuppel und in dem komischen Betonklotz, die müssen sich mehr um die Probleme im Orient oder auf dem Mars bemühen.