Druckerei
Die Zahl gedruckter Zeitungen geht immer weiter zurück. Bildrechte: Colourbox.de

Immer weniger Zeitungsleser Leipziger Druckerei soll geschlossen werden

Wenn Sie in Leipzig leben und Zeitungsleser sind, ist es Ihnen vielleicht aufgefallen: Die "Leipziger Volkszeitung" war in den vergangenen Tagen mitunter etwas dünner als gewohnt. Der Grund: ein Warnstreik im Druckhaus Leipzig-Stahmeln. Denn der Madsack-Verlag, dem die "Leipziger Volkszeitung" gehört, will seine Druckerei Ende nächsten Jahres schließen. Mehr als 250 Beschäftigte bangen um Ihre Jobs.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

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Die Zahl gedruckter Zeitungen geht immer weiter zurück. Bildrechte: Colourbox.de

Mal Hand aufs Herz: Wie häufig blättern Sie tagsüber noch in der Zeitung? Und wie häufig informieren Sie sich über die Weltlage im Internet?

Dass es das gedruckte Wort immer schwerer hat, wissen natürlich auch die Drucker. Erst recht einer wie Jörg Tischler, der Betriebsrat bei der Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft ist. Seiner Meinung nach ist das Drucken ein sterbendes Gewerbe. "Dass die Arbeitsplätze runtergehen, dass das Druckvolumen sinkt, das ist alles unbestritten. Aber was hier fehlt, ist der faire Umgang mit den Mitarbeitern. Und den fordern wir ein", erklärt Tischler.

Druckerei macht Ende 2019 dicht

Eigentümer der Leipziger Druckerei ist das Medienhaus Madsack. Schon seit Sommer gibt es Gerüchte, es habe für Leipzig einen Großauftrag verloren. Die sächsische Ausgabe der "Bild" werde künftig in Berlin gedruckt. Zunächst, so erzählt es Betriebsrat Tischler, habe Madsack das noch bestritten. Am 1. Oktober bestätigte das Medienhaus: Ende 2019 macht die Leipziger Druckerei dicht. Auf MDR-AKTUELL-Nachfrage schreibt Madsack:

Die bestehende Druckerei war vor mehr als 27 Jahren für ein Druckvolumen von über einer Millionen Exemplaren täglich konzipiert worden, welches in den vergangenen Jahren bereits beständig zurückgegangen ist.

Statement des Madsack-Konzerns zur geplanten Schließung der Druckerei Leipzig-Stahmeln

Jetzt sei der erwähnte Verlust des Großauftrags hinzugekommen. Für die verbleibenden Druckaufträge sei die vorhandene Infrastruktur überdimensioniert.

Umzug nach Halle

Die "Leipziger Volkszeitung" will Madsack künftig beim Dumont-Verlag in Halle drucken lassen – wo es keinen teuren Tarifvertrag gibt. Das mag Geld sparen, dafür sind dann die Vertriebswege länger. Das Printgeschäft wird immer schwieriger.

Der Leipziger Medienwissenschaftler Patrick Donges hat sich die Auflagenzahlen für Sachsen angesehen und dabei Folgendes herausgefunden: "Wir haben, wenn wir das mal nur für die letzten acht Jahre sehen, für Regionalzeitungen in Sachsen einen Rückgang von rund 25 Prozent. Bei anderen Zeitungen, Kaufzeitungen wie der "Bild" beispielsweise ist das noch dramatischer. Da ist die Ausgabe in Sachsen um 47 Prozent, also fast die Hälfte zurückgegangen in nur acht Jahren."

Verlage suchen Alternativen

Jörg Tischler, Betriebsrat der Leipziger Verlags- und Druckereigesellschft, vor der Leipzig-Stahmeln Druckerei.
Jörg Tischler ist Betriebsrat der Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft Bildrechte: Ralf Geißler

Viele Verlage suchen nach neuen Geschäftsmodellen. Sie betätigen sich als Postdienstleister, Reisevermarkter oder hoffen auf zahlende Kunden im Internet. Trotz aller Schwierigkeiten machte das Medienhaus Madsack vergangenes Jahr 91 Millionen Euro Gewinn. Betriebsrat Tischler findet deshalb, dass die Beschäftigten wenigstens eine gute Abfindung erhalten sollten, falls die Druckerei schließt. Es gebe ein gewisses Niveau im Madsack-Konzern. Dieser habe schon die Druckereien in Hannover, Peine und Göttingen geschlossen und sei jetzt in Leipzig angelangt. Auch hier gebe es ein sogenanntes Sozialplanniveau, so Tischler.

Und wir möchten nicht, dass eine Druckerei, nur weil sie in Ostdeutschland steht, nur mit der Hälfte des Sozialplanvolumens abgespeist werden soll.

Jörg Tischler, Betriebsrat der Leipziger Verlags- und Druckgesellschaft

An diesem Mittwoch soll es wieder Verhandlungen geben. Noch am Wochenende waren die Fronten verhärtet. Zum Warnstreik fuhr ein Geschäftsführer vor – mit Streikbrechern aus Halle. Sie sollten dafür sorgen, dass ein Anzeigenblatt noch rechtzeitig gedruckt wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Dezember 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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23 Kommentare

06.12.2018 17:57 Karl Sommer 23

Das Provinzblatt LVZ hatte nie tolle Themen zum Lesen.Ratschläge wurden von denen ignoriert, die man machte.
Sie haben den Zeitgeist verschlafen schon vor Jahren. Arrogant und boniert wie viele von der Sorte.

06.12.2018 09:24 Pfingstrose 22

Immer weniger Zeitungsleser. Die Preis sind zu hoch. Ein Exemplar vom Freien Wort kostet auch pro Stück 1,20 Euro. Was manchmal in diesen Zeitungen steht ist diesen Betrag nicht wert.

05.12.2018 22:10 Fakt 21

>>REXt, #20:
"Dazu noch Werbung , die man mit bezahlen muß, nein Danke!"<<

Was schreiben Sie denn da für einen Blödsinn? Andersherum wird ein Schuh draus: Ohne Werbung müssten Sie für eine Zeitung ein Vielfaches mehr bezahlen.
Aber Medienkompetenz habe ich auch nicht ernsthaft erwartet.

05.12.2018 21:51 REXt 20

An@15 gerd, ein klassisches Eigentor der Medienwelt, Erziehungsjournalismus hat in der DDR nicht funktioniert, eher abgeschreckt, da war die Preis für,s „ Wurschtblatt“ noch günstiger, dazu erhellt man sein Wissen übers Internet, von ganz vielen Anbietern. Dazu noch Werbung , die man mit bezahlen muß, nein Danke!

05.12.2018 20:51 Markus 19

Die Zeitungen sind sehr schlecht für die Natur. Um sie zu drucken, holzt man die Wälder ab!

05.12.2018 16:04 Es war einmal 18

Der Mensch, der gar nichts liest, ist besser informiert als derjenige, der nur Zeitung liest.
Lee Iacocca

05.12.2018 15:19 Blumenfreund 17

Man kann nur hoffen, das dann auch die LVZ von der Bildfläche verschwindet.

05.12.2018 14:30 na gugge 16

Tja, das ist wohl auch eine Ergebnis eurer Arbeitgeber, den Journalisten, Stichwort links-grüner Qualitätsjournalismus. Nun fehlt nur noch die Abschaffung der GEZ...

05.12.2018 14:16 gerd 15

Nach über 35 Jahren habe ich letztes Jahr meine Tageszeitung abbestellt .Warum? Erstens eine Geldfrage aber der eigentliche Grund ausser der Sportseite (FCM,SCM internas ) waren viele Artikel DPA Texte vorformulierter Erziehungsjournalismus
,keinen Bock mehr drauf dafür auch noch zahlen zu müssen . Staatsmeinung vertreten war Hauptbestandteil der Bericht zur Flüchtlings und Migrationproblematik kaum Kritik alles Super alles Angie nee Danke.

05.12.2018 14:00 Spottdrossel 14

So eine Zeitung ist eben auch nicht mehr das, was sie mal (vor der Wende) war. Für ein paar Groschen fast ein Pfund saugfähiges Papier, damit konnte man nasse Schuhe ausstopfen, den störrischen Kachelofen anfeuern - und nicht zuletzt auf die Toilette legen, wo während der Sitzung noch der Leidartikel gelesen werden konnte, bevor das Papier unterm Hintern in die Versenkung geworfen wurde.