Sonovum GmbH
Ein eigens entwickelter Kopfhörer für die "Akustocerebrografie" des Startups "Sonovum". Bildrechte: Sonovum GmbH

Medizintechnik Sächsische Gründer tüfteln an neuen Produkten

Bei Gründern in der Medizintechnik-Branche sind zwei Tugenden gefragt: Erfahrung und Geduld. Vor allem in Sachsen ist die Branche stark vertreten - und mehrere Firmen versuchen hier, erfolgreich neue Produkte auf den Markt zu bringen. Doch der Weg von der Idee zum zugelassenen Heil- und Hilfsmittel ist weit.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Sonovum GmbH
Ein eigens entwickelter Kopfhörer für die "Akustocerebrografie" des Startups "Sonovum". Bildrechte: Sonovum GmbH

Simon Champ hofft, dass das Brustimplantat aus Spezialkunststoff, das seine Firma entwickelt hat, das Leben vieler Frauen verbessern wird: Der Geschäftsführer von Bellaseno in Leipzig will das federleichte Implantat aus dem 3D-Drucker Brustkrebspatientinnen implantieren lassen. Es soll ihnen helfen, nach einer Operation wieder eine weitgehend natürliche Brust aufzubauen.

Simon Champ, Bellaseno
Bellaseno- Chef Simon Champ. Bildrechte: Ralf Geißler

Champ erklärt, das Implantat werde unter die Haut der Patientin eingesetzt. Nach ein bis zwei Monaten sei das Gewebe dann eingewachsen. "Danach nehmen wir Fett von der Hüfte der Damen und spritzen das direkt in das Gerüst." Nach zwei Jahren habe man eine natürliche Brust. Denn das Gerüst selbst löst sich in dieser Zeit im Körper auf.

Hohe Hürden bei der Produktzulassung

Schon zehn Jahre arbeiten Forscher an der Idee. In diesem Jahr sollen klinische Studien beginnen. Erst danach lässt sich sagen, ob die Erfindung wirklich ein Erfolg wird. Von 100 Gründern in der Medizintechnik schaffen es keine zehn zur Marktreife.

Brust aus dem 3D-Drucker
An diesem Brustaimplantat aus dem 3D-Drucker, das im Körper binnen zehn Jahren aufgelöst wird, tüftelt die Leipziger Firma Bellaseno. Bildrechte: Ralf Geißler

Die höchste Hürde sei die Produktzulassung, sagt Thomas Horn von der Wirtschaftsförderung Sachsen. "In Deutschland sind die Anforderungen sehr hoch, weil wir einen sehr hohen Stellenwert bei der Sicherheit der medizinischen Behandlung haben." Insofern sei das für junge Unternehmen, die neu auf den Markt kommen wollen, ein langer Weg, dieses Zulassungsverfahren zu überstehen.

Trotzdem unterstützt Sachsen solche Gründer mit günstigen Krediten und Fördermitteln. Wirtschaftsförderer Horn sagt, im Umfeld der Universitätskliniken Leipzig und Dresden seien bedeutende Gründernetzwerke entstanden. Darüber hinaus gäbe es zahlreiche etablierte Firmen. Er führt die Firma Catgut an. Diese stelle chirurgisches Nahtmaterial her. "Sie sind weltweit einer der Marktführer und sind da ganz international unterwegs." Insgesamt gebe es in Sachsen ungefähr 230 Medizintechnik-Unternehmen mit etwa 14.000 Mitarbeitern. Der Jahresumsatz der Branche liege bei ungefähr 1,6 Milliarden Euro, führt Thomas Horn aus.

Ultraschall-Kopfhörer für Hirn-Scans

Bertram König
Bertram König von Sonovum hat einen Hirn-Scanner auf Basis von Ultraschallwellen entwickelt. Bildrechte: Ralf Geißler

Ins internationale Geschäft will auch Bertram König. Früher war der 52-jährige Manager beim Medizintechnik-Konzern B. Braun in Radeberg. Jetzt will er es mit einer eigenen Gründung nochmal wissen. Seine Firma Sonovum in Leipzig hat ein Gerät entwickelt, das Veränderungen im Gehirn erkennt.

König setzt auf die Fledermaus-Methode: Messungen per Ultraschall. Der Einsatz des Gerätes sei sehr einfach. "Man setzt quasi einen Kopfhörer auf, der Ultraschall-Signale über mehrere Frequenzen aussendet." Je nachdem wie das Signal zurückkomme, könne festgestellt werden, ob eine Abweichung im Gehirn vom normalen Zustand vorliegt.

So will König zum Beispiel Demenz erkennen. Die ersten klinischen Studien sind abgeschlossen, Sonovum hat bereits Gründerpreise erhalten. In zwei Jahren, hofft König, werde das Gerät in diversen Kliniken eingesetzt. Dann könnte er einer der wenigen seiner Gründerszene sein, die es geschafft haben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Februar 2019 | 05:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

20.02.2019 01:25 Sabrina 2

Zitat:
"König setzt auf die Fledermaus-Methode: Messungen per Ultraschall. (...) "Man setzt quasi einen Kopfhörer auf, der Ultraschall-Signale über mehrere Frequenzen aussendet." Je nachdem wie das Signal zurückkomme, könne festgestellt werden, ob eine Abweichung im Gehirn vom normalen Zustand vorliegt."
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Welchen Schallpegeln will er verwenden?
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Das Gehirn selbst verarbeitet den Ultraschall nicht, er wird vom Ohr und dem Gehirn nicht erkannt.
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Und wenn der Gehörnerv geschädigt ist?
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Man kann das Gerät also auf funktionaler Ebene gar nicht einsetzen. Was bleibt ist im günstigsten Fall ein herkömmlicher Ultraschall mit einer neuen Verpackung.
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Es gibt längst fMRT und MRT. Da sieht man, wenn und wo Gehirnregionen geschädigt sind.
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Meiner Ansicht nach ist dieser "Ultraschall-Kopfhörer für Hirn-Scans" ebenfalls nur Bastelei und nicht Wissenschaft.
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Es geht nur um das Abgreifen von Fördermitteln.
Versteckte Arbeitslosigkeit.

20.02.2019 01:09 Sabrina 1

Zitat:
"Champ erklärt, das Implantat werde unter die Haut der Patientin eingesetzt. Nach ein bis zwei Monaten sei das Gewebe dann eingewachsen. "Danach nehmen wir Fett von der Hüfte der Damen und spritzen das direkt in das Gerüst." Nach zwei Jahren habe man eine natürliche Brust. Denn das Gerüst selbst löst sich in dieser Zeit im Körper auf."
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Es ist Aufgabe des Immunsystems, Fremdstoffe und fremdes Gewebe zu erkennen und zu beseitigen.
Das geschieht unter Bildung einer lokalen Entzündung. Dass das Zeug abgebaut wird, räumt der Herr ja selbst ein.
Das Immunsystem versucht zunächst, den Fremkörper vom übrigen Gewebe zu Isolieren, indem Flüssigkeit um den Fremkörper gebildet wird - sogenannte Kapselbildung. Das Implantat kann also nicht einwachsen.
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Und das Fettgewebe, dass dann da hineingepritzt werden soll - das wird ebenfalls vom Immunsystem wieder entfernt - Jahrzehnte Erfahrung.
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Bastelei statt Wissenschaft.