Ein Meisterbrief hängt in einem Friseursalon.
Um den Meisterbrief zu erhalten, nehmen die Meisterschüler hohe Kosten und viel Stress auf sich. Bildrechte: dpa

Handwerk Prämien für bestandene Meister-Prüfung

Der Meisterbrief gilt immer noch als größtes Qualitätssiegel für Handwerker in Deutschland. Trotzdem fehlen vielerorts Meister. Sachsen-Anhalt will für einen erfolgreichen Meister-Abschluss künftig 1.500 Euro zahlen. Ähnliche Prämien gibt es bereits in Thüringen und Sachsen. Motiviert das Handwerker, ihren Meister zu machen?

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Ein Meisterbrief hängt in einem Friseursalon.
Um den Meisterbrief zu erhalten, nehmen die Meisterschüler hohe Kosten und viel Stress auf sich. Bildrechte: dpa

Wer seinen Meister machen will, muss je nach Gewerk und Bundesland zwischen 4.000 und 15.000 Euro in die Hand nehmen. So viel kostet die Fortbildung. Bei Malermeister Oliver Jahn aus Leipzig seien es um die 10.000 Euro gewesen. Die 1.000 Euro "Meisterbonus", die er vom Land Sachsen bekommen habe, würden da nicht groß ins Gewicht fallen: "Die sind schon wieder weg. Die gingen für mein BAföG drauf und für Material, das ich für das Meisterstück gekauft habe." Jahn hat sich mit dem Meisterbrief in der Tasche selbstständig gemacht. Er hat einen Einmannbetrieb für Raum- und Objektgestaltung gegründet.

Meisterbrief für Selbstständigkeit

Weder er noch seine Kollegen hätten sich wegen der Prämie für den Meister entschieden, sagt Jahn.

Die meisten machen es, weil sie in die Selbstständigkeit gehen wollen oder einen Betrieb von den Eltern oder dem alten Meister übernehmen.

Oliver Jahn, Malermeister aus Leipzig

Ihm sei niemand bekannt, der wegen der Prämie den Meister gemacht hätte. Mit 1.000 bis 1.500 Euro sind die Prämien in Mitteldeutschland ohnehin eher niedrig. Zum Vergleich: Niedersachsen zahlt für den Meisterbrief 4.000 Euro.

Wenn die Prämie schon kein Anreiz ist, dann wenigstens eine kleine Entschädigung? Schließlich kommt neben den Kosten auch eine Menge Stress auf die Meisterschüler zu. Viele machen die Ausbildung in Teilzeit und drücken mehrmals die Woche nach Feierabend noch die Schulbank. Bis zu drei Jahre kann das so gehen, sagt der Geschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, Volker Lux.

Meisterausbildung kostenfrei

Für Lux ist der Meisterbonus auch nicht das richtige Werkzeug, um die Meister zu entschädigen: "Es wäre wichtig, dass Meister und Master (...) finanziell bundesweit gleichgestellt werden." Außerdem sollten Länder die Kosten für die Ausbildung komplett übernehmen, meint Lux. Auch die Erfurter Handwerkskammer fordert, dass die Meisterfortbildung künftig kostenfrei ist. Sie nennt die Prämie ein wichtiges Symbol der Wertschätzung des Meisterbriefs.

Eine Wertschätzung, genau das soll die Prämie auch sein, heißt es auf Anfrage von MDR AKTUELL sowohl aus dem sächsischen als auch aus dem Thüringer Wirtschaftsministerium. Sie sei nicht als zusätzlicher Anreiz für die Meisterausbildung gedacht. Thüringen zahlt Meisterabsolventen seit 2017 eine Prämie in Höhe von 1.000 Euro, allerdings nur den Jahrgangsbesten.

Gründer-Unterstützung

Die Handwerkskammern wünschen sich aber noch mehr Förderungen für die Meister. Zum Beispiel eine extra Prämie vom Land für Meister, die einen Betrieb gründen, sagt Volker Lux von der Handwerkskammer zu Leipzig. Eine solche Unterstützung sei wichtig bei der Gründung. Das sagt auch Malermeister Oliver Jahn: "Das ganze Material, das ganze Werkzeug, das frisch angeschafft werden muss. Dann braucht man ein Lager, ein Auto vielleicht noch dazu – das kostet auch alles Geld."

Volker Lux meint, in Zeiten von vollen Auftragsbüchern und langen Wartezeiten beim Kunden sei es umso wichtiger, dass mehr Handwerker ihren Meister machen. Denn die Ausbildung von Lehrlingen finde zu 90 Prozent in Meisterbetrieben statt. Je weniger Meister es gebe, desto weniger Nachwuchs gebe es also auch im Handwerk.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. November 2018 | 09:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2018, 17:59 Uhr

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