Ein fertiges und ein entstehendes Wohnhaus an einer Wohnungsbaustelle in Erfurt
Ein Neubau und eine Baustelle in Erfurt. Auch in der thüringischen Großstadt gilt der Wohnungsmarkt als angespannt. Bildrechte: MDR/Jonathan Rupp

Mietmarkt in Mitteldeutschland Wenig Preiswertes, viel Luxus

Mieter können in Mitteldeutschland noch günstige Wohnungen finden. Den preiswerten Wohnraum gibt es allerdings nur noch in kleineren Städten sowie außerhalb der Metropolen. Wer nicht aufs Geld achten muss, hat hingegen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Auswahl. Luxus-Wohnungen stehen überall ausreichend zur Verfügung. Dies belegt eine Stichprobe von MDR AKTUELL in 21 Städten in allen drei Ländern.

von Eberhard Schneider, MDR AKTUELL

Ein fertiges und ein entstehendes Wohnhaus an einer Wohnungsbaustelle in Erfurt
Ein Neubau und eine Baustelle in Erfurt. Auch in der thüringischen Großstadt gilt der Wohnungsmarkt als angespannt. Bildrechte: MDR/Jonathan Rupp

Sachsen-Anhalt: Preiswerter Plattenbau

Sie sind schwer zu finden: Wohnungen, bei denen der Preis pro Quadratmeter unter vier Euro Kaltmiete liegt. Und dennoch gibt es sie, wenn auch nur sehr vereinzelt. In Weißenfels beispielsweise fanden wir eine sehr gut sanierte Altbauwohnung. Geräumige vier Zimmer mit 111 Quadratmetern, für die 435 Euro Kaltmiete verlangt werden.

Eine andere "Billig"-Wohnung war in Naumburg im Angebot. Hier spielt aber die Größe eine entscheidende Rolle. Für acht Zimmer auf 230 Quadratmetern gibt es trotz der Innenstadtlage nicht viele Interessenten. Deshalb liegt die Kaltmiete pro Quadratmeter bei nur 3,70 Euro. Inklusive Nebenkosten werden pro Monat 990 Euro fällig.

Als wir in Wernigerode nach Angeboten geschaut haben, gab es nur wenige. Das deutet auf einen niedrigen Leerstand in dem staatlich anerkannten Erholungsort mit seinen bunten Fachwerkhäusern hin.

Für den dickeren Geldbeutel gibt es in den größeren Städten Angebote: In Magdeburg wird eine Vier-Raum-Wohnung mit 148 Quadratmetern für eine Warmmiete von fast 2.100 Euro angeboten. Der Mieter kann sich hier natürlich über eine ausgezeichnete Lage und allen erdenklichen Luxus erfreuen.

Insgesamt gilt auch hier wie in Sachsen und Thüringen: Je größer die Stadt desto teurer die Mieten. Die preiswerte Alternative sind die Plattenbauten, die in den Städten Halle und Magdeburg für unter vier Euro Kaltmiete pro Quadratmeter angeboten werden.

Thüringen: Steigende Preise durch Neubauten und Sanierungen

Goethe und Schiller Denkmal in der Kulturstadt Weimar
Die Kulturstadt Weimar lockt jedes Jahr hunderttausende Touristen an. Bildrechte: IMAGO

Ein Angebot in Weimar kann einem kurz den Atem verschlagen: eine 40 Quadratmeter große Zwei-Raum-Wohnung für 700 Euro Kaltmiete. Selbst ein pensionierter Geschichtslehrer aus dem Westen, der sich in der Goethe-Stadt zur Ruhe setzen möchte, müsste sich seinen Rentenbescheid daraufhin wohl noch einmal genauer ansehen.

Weimar gehört allerdings zu den Städten im Freistaat, die auch künftig wachsen werden, deswegen ist hier mit fallenden Mieten auf absehbare Zeit nicht zu rechnen. Ähnlich sieht es in Erfurt und Jena aus: Neubauten oder frisch sanierter Altbau lassen die Preise in die Höhe schnellen.

In Suhl könnte man davon ausgehen, preiswerten Wohnraum zu finden. Experten prognostizieren der einstigen Waffen-Stadt eine negative Bevölkerungsentwicklung: 1990 hatte die Stadt noch 57.000 Einwohner, heute 38.000 und im Jahr 2030 sollen es nur noch 22.000 Einwohner sein. Also müsste es hier besonders günstigen Wohnraum geben. So ist es aber nicht. Auch in Suhl hat eine schicke Neubauwohnung ihren Preis: Für 105 Quadratmeter muss der Mieter über 1.000 Euro inklusive Nebenkosten ausgeben.

Eine preiswertere Alternative haben wir in Altenburg gefunden. Für eine Drei-Raum-Wohnung mit Schlossblick muss der Mieter für rund 80 Quadratmeter in einer sanierten Altbauwohnung inklusive Nebenkosten nur 475 Euro bezahlen.

Sachsen: Luxus pur in Dresden und Leipzig

In den beiden Metropolen des Landes, Dresden und Leipzig, gibt es nur einen Trend zu vermelden: Die Preise steigen rasant. Vor allem in beliebten Wohnlagen gibt es nur wenige Angebote.

Menschen mit Flaggen, vorne ein Mann auf einem Trike, dahinter Häuser und eine Ampelkreuzung.
Im April demonstrierten in Leipzig mehrere hundert Menschen unter dem Motto "Stadt für alle statt für Profite!". Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Wie sich ein Stadtteil vergleichsweise schnell verändert, wird in der Leipziger Südvorstadt deutlich. Wer vor zehn Jahren durch die Straßen schlenderte, fand an vielen Häusern Plakate mit der Aufschrift: "Wohnung zu vermieten". Damit ist es endgültig vorbei. Wer damals noch einen Mietvertrag für unter vier Euro Kaltmiete in einem sanierten Altbau abschloss, kann sich heute noch immer freuen. Selbst wenn die gesetzlich zugelassenen Mieterhöhungen in den zehn Jahren voll ausgeschöpft worden wären, würde eine 135 Quadratmeter große Wohnung heute 864 Euro warm kosten. Zu einem solchen Preis ist aktuell keine Wohnung zu finden.

Das liegt selbstverständlich an der rasant steigenden Einwohnerzahl in Leipzig. Am nahegelegenen Connewitzer Kreuz, wo bei Demonstrationen schon oft Pflastersteine auf eine Bank abgefeuert wurden, wird gerade ein Neubaukomplex mit über 200 Wohnungen fertiggestellt. Eine Wohnung mit 107 Quadratmetern wird für gut 1.450 Euro Warmmiete angeboten. Wen es ganz nach oben zieht, der findet in Leipzig auch so manches schicke Penthaus. Ein Beispiel: 184 Quadratmeter für rund 2.980 Euro Warmmiete.

Ähnlich ist die Lage in Dresden. Für Luxus pur werden hier 16,64 Euro Kaltmiete monatlich verlangt. Allerdings in bester Lage und mit bester Ausstattung. Ein bisschen klingt das schon fast wie München oder Hamburg. Selbst in Stadtteilen der beiden Großstädte, die früher nicht besonders beliebt waren, steigen die Preise.

Wem die Preise in Leipzig zu teuer sind und wer in keiner Platte leben möchte, für den gibt es eine Alternative: Im 30 Kilometer entfernten Borna werden für 88 Quadratmeter in einer jüngst errichteten Neubauwohnung gerade einmal 531 Euro Warmmiete verlangt.

Blick auf das Stadtzentrum von Chemnitz in Westsachsen mit dem Hotel Mercure (M. l.) und der benachbarten Stadthalle (daneben r.), sowie dem völlig neu gestalteten Stadtkern rund um das historische Rathaus (M. r.)
Blick auf das Stadtzentrum von Chemnitz. Bildrechte: dpa

Auch Chemnitz ist verhältnismäßig preiswert. In der Kommune, die einmal Karl-Marx-Stadt hieß, werden in einer sanierten Altbauwohnung für eine 90 Quadratmeter große Vier-Raum-Wohnung 600 Euro Warmmiete fällig.

Es gibt ihn also doch noch, den bezahlbaren Wohnraum. Es gilt jedoch für die Zukunft: Je stärker die Städte wachsen, desto teurer werden die Mietpreise. Ein Ende dieser Entwicklung ist bislang nicht absehbar.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 05. Mai 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Mai 2018, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

06.05.2018 12:00 part 2

@wwdd, schon mal darüber nachgedacht, das damit der Wohnungsmarkt bereinigt wurde auf Kosten der Steuerzahler und massenhaft Wertschöpfung vernichtet wurde, die in einem anderen Staat entstand. Man könnte auch sagen Privatiserung zu Gunsten von Spekulanten und zum Nachteil breiter Bevölkerungsschichten.

05.05.2018 06:34 wwdd 1

Heute bin ich froh, dass im Osten der Leerstand wegen dem Bevölkerungsschwund nach der Wende rückgebaut wurde. Duisburg-Marxloh ist für mich ein abschreckendes Beispiel ohne diese Förderprogramme im Westen.

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