Traditionsbetrieb Fahrradproduktion: MIFA – Ein Jahr nach der Pleite

Das Aufatmen war groß, als vergangenes Jahr verkündet wurde, dass der Traditionsbetrieb MIFA doch nicht abgewickelt wird. In letzter Minute hatte sich Investor Stefan Zubcic gefunden, der nach der Insolvenz des Fahrradbauers einen Neustart wagen will. MIFA heißt jetzt "Sachsenring Bike Manufaktur", und mit ihr möchte Zubcic künftig Geld verdienen: mit Fahrrädern für Discounter und mit E-Bikes.

Die Fahrradproduktion aus den Mitteldeutschen Fahrradwerken (MIFA) ist Geschichte. Seit einem Jahr heißt das bereits 1907 gegründete Unternehmen aus Sangerhausen "Sachsenring Bike Manufaktur".

Harald Gebser ist einer der letzten von rund 400 Mitarbeitern des Traditionsbetriebes, der wegen der Insolvenz des Unternehmens entlassen wurde. Er arbeitete bis zuletzt im Werksverkauf. 1982 hatte Harald Gebser beim VEB MIFA-Werk angefangen und die großen Umstrukturierungen des volkseigenen Betriebes nach der Wende im Unternehmen miterlebt. Im Frühjahr 2017 war Harald Gebser noch voller Hoffnung, trotz der Insolvenz. In den folgenden Monaten steigen die Umsätze im Werksverkauf sogar deutlich an. Vier Monate sind die Mitarbeiter noch in einer Transfergesellschaft. Seine Kollegen im Verkauf  bewerben sich alle bei der "Sachsenring Bike"-  leider erfolglos. Diese ehemaligen MIFA-Mitarbeiter wurden im neuen Unternehmen nicht gebraucht.

Sachsenring Bike Manufaktur
In der alten MIFA-Werkshalle werden wieder Fahrräder montiert Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nur 135 von ehemals über 500 Mitarbeitern bleiben beim Fahrradhersteller in Sangerhausen, als der neue Investor Stefan Zubcic das Pleite-Unternehmen übernimmt. Den massiven Arbeitsplatzabbau aber habe er nicht zu verantworten, sagt der Unternehmer. Für ihn sei wichtig gewesen, am Anfang die Kosten zu drücken, um das unternehmerische Risiko gering zu halten.

Mittlerweile ist der Personalbestand wieder angestiegen: von 135 auf 165 Mitarbeitern. Erste Erfolge, die vor einem Jahr noch nicht abzusehen waren. Mit der "Sachsenring Bike Manufaktur" möchte Stefan Zubcic künftig Geld verdienen: mit Fahrrädern für Discounter, aber auch mit hochwertigen Marken. Und mit E-Bikes.

Wir haben den E-Bike-Boom, auf den wir sehr stark setzen. Wir haben hier Produktionskapazitäten, die auch jetzt gerade wieder brachliegen. Wir könnten weiteres Personal einstellen, was auch momentan die Planung ist. Und wir könnten unsere Produktionskapazitäten auch Dritten anbieten, die momentan sehr rege danach fragen.

Stefan Zubcic, Sachsenring Bike Manufaktur GmbH

Vor allem asiatische Fahrradhersteller seien interessiert, erklärt Zubcic. Aktuell wird nur in einer Schicht produziert. Für eine zweite Schicht sollen 50 bis 60 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Ob Harald Gebser wieder eine Chance im Fahrradwerk hat? Er muss sich jetzt erst einmal einer Hüftoperation unterziehen. Dann will er endlich wieder arbeiten.

Die Hoffnung habe ich noch nicht aufgegeben. Also ich hoffe ja doch, dass ich noch was finde. Schwer wird es aber schon mit 62.

Harald Gebser, ehem. MIFA-Mitarbeiter

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 15. August 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 09:01 Uhr

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