Corona Tourismus in Mitteldeutschland stellt auf Kurzarbeit um

Die Coronakrise trifft die Tourismusbranche hart. Von Inlandsreisen wird derzeit abgeraten, das sonst so lukrative Ostergeschäft wird zum Minusgeschäft. Auch die Tourismusbetriebe in Mitteldeutschland stehen vor existenzbedrohenden Wochen.

Schloss von Altenhausen
Schloss Altenhausen gehört zu den Betrieben, die bald finanzielle Hilfe benötigen. Bildrechte: Nora Hoffbauer/MDR

Ruft man bei Hotels im Thüringer Wald die Rezeption an, melden sich in vielen Fällen die Eigentümerinnen und Eigentümer selbst. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind schon gar nicht mehr gekommen.

Die angespannte und fast schon resignierte Stimmung ist auch am Telefon kaum zu überhören. Mit Namen zitiert werden wollen sie nicht, doch sie machen klar: Wenn nichts passiert, stehen sie in spätestens vier Wochen vor der Insolvenz.

Thüringer Hotelverband fordert Kredite ohne Rückzahlung

Mark Kühnelt, Präsident vom Hotelverband Thüringen, sagt, so eine Situation habe er noch nie erlebt: "Wir haben in dieser kleinteilig geprägten Hotellerie, gerade in Thüringen das Problem, dass da gar keine große Kapitaldecke ist."

Für viele Betriebe ist das ein Leben von Monat zu Monat.

Mark Kühnelt, Präsident Hotelverband Thüringen

Kühnelt fordert deshalb für die kleinen Betriebe mit wenig Personal sofortige finanzielle Hilfe. Und das sei nicht mit zinslosen Krediten oder tilgungsfreien Krediten getan. Es müsse eine unkomplizierte Kapitalspritze sein. Also Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

Kühnelt selbst ist Hoteldirektor im Golfresort Weimarer Land. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird er nun versuchen, mit Kurzarbeit zu halten. Das Trinkgeld aber, das die schmalen Gehälter in der Gastronomie ein wenig aufstockt, fällt in jedem Fall weg.

Erzgebirge besonders stark von Tourismus abhängig

Auch das Erzgebirge in Sachsen steht nun vor großen Herausforderungen, sagt Ines Hanisch-Lupaschko vom Tourismusverband Erzgebirge. Zwei Drittel der Tourismus-Infrastruktur würden Kleinunternehmer ausmachen, die die Krise kaum stemmen können.

Auch Hanisch-Lupaschko sieht die Kurzarbeit als kurzfristiges Hilfsmittel. Bei Entlassungen wären die Unternehmen kaum noch arbeitsfähig: "Wir hoffen ja alle, dass es ein "nach der Krise" geben wird und dort müssen wir dann auch schnell reagieren können." Über 100 Freizeiteinrichtungen gibt es im Erzgebirge, der Tourismus sei hier eine Haupteinnahmequelle, sagt Hanisch-Lupaschko.

Kurzarbeit hilfreich, aber keine dauerhafte Lösung

Kurzarbeit soll es nun auch bei Schloss Altenhausen bei Haldensleben geben. Geschäftsführer Stephan Holtorf hat sie für 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angemeldet. Das sei aber keine dauerhafte Lösung, denn auch wenn Gehälter eingespart werden, laufende Kosten wie Grundsteuer und Versicherungen gebe es weiterhin.

Und Einnahmen gebe es derzeit keine, für das Wochenende hat ein Hochzeitspaar abgesagt, Schulklassen kommen auch nicht mehr. Bis Ostern könne das Schloss Altenhausen noch ohne Gäste durchhalten, sagt Holtorf, dann brauche es definitiv finanzielle Hilfen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2020 | 07:38 Uhr

2 Kommentare

Chris86 vor 27 Wochen

Kurzarbeit hilft den Hotels, trifft aber viele derer Mitarbeiter existenziell.
Diese gehören nicht zu den Top-Verdienern, müssen aktuell Kita-Gebühren für geschlossene Kitas zahlen und nun noch auf Einkommen verzichten. Weil Hotels in Sachsen-Anhalt geöffnet bleiben sollen, obwohl es ihnen verboten ist Übernachtungen anzubieten. Die Gäste stornieren reihenweise und die Hotels bleiben leer, müssen aber geöffnet bleiben.
Dieser Alleingang Sachsen-Anhalts ist logisch nicht nachvollziehbar. In dieser Situation wird konsequentes und einheitliches Handeln in der gesamten BRD gepredigt. Am Ende macht jedes Bundesland, was es will. Unsere Nachbarländer ziehen die notwendigen Maßnahmen konsequent durch. In Deutschland kleckern die Maßnahmen von Tag zu Tag, Woche zu Woche und Bundesland zu Bundesland vor sich hin.

wer auch immer vor 27 Wochen

Einfacher wäre es doch zu sagen, wer keine Kurzarbeit macht bzw. wo dieses nicht zu erwarten ist.

Krankenhäuser, Arztpraxen, Apotheken, Polizei, Feuerwehr ...
und nun hört es ja schon fast auf mit dieser Aufzählung.

Ach ja, Politiker machen auch keine Kurzarbeit. Die Leitung des "Ganzen" muss gewährleistet werden.