Blick auf das Baufeld für die fünfte Werkserweiterung des Porsche Werks Leipzig. Der Autobauer Porsche investiert mehr als 600 Millionen Euro in die Erweiterung seines Leipziger Werkes. In den nächsten Jahren soll dort ein neuer Karosseriebau für die nächste Generation des Macan entstehen.
Blick auf das Baufeld für die fünfte Werkserweiterung des Porsche Werks Leipzig. Bildrechte: dpa

Leipzig/Halle Neues Presswerk von Porsche und Schuler AG

Porsche erweitert sein Werk in Leipzig für den Bau von Elektroautos. Doch der Auto-Hersteller plant noch eine weitere Groß-Investition. Ein Presswerk soll gemeinsam mit der Schuler AG entstehen. Es soll nicht auf dem Porsche-Gelände gebaut werden, sondern an einem neuen Standort in der Nähe. Halle und Leipzig kämpfen jeweils um die Ansiedlung in ihrer Stadt.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

 Blick auf das Baufeld für die fünfte Werkserweiterung des Porsche Werks Leipzig. Der Autobauer Porsche investiert mehr als 600 Millionen Euro in die Erweiterung seines Leipziger Werkes. In den nächsten Jahren soll dort ein neuer Karosseriebau für die nächste Generation des Macan entstehen.
Blick auf das Baufeld für die fünfte Werkserweiterung des Porsche Werks Leipzig. Bildrechte: dpa

Porsche will jeder haben. Aber niemand will darüber reden. Der Autobauer hat bestätigt, dass er mit der Schuler AG ein Presswerk bauen will. Es war zu lesen, dass Leipzig und Halle im Gespräch sind.

Doch bittet man Vertreter der Städte um Interviews, erhält man Absagen. Da heißt es: "An Spekulationen beteiligt sich die Stadt nicht" oder "Wir befinden uns derzeit noch im Bewerbungsverfahren für die Ansiedlung. Aus diesem Grund kann ich Ihnen keine ausführliche Stellungnahme übermitteln".

Jede Stadt kämpft für sich

In bunten Broschüren vermarkten sich Halle und Leipzig gern als gemeinsamer Wirtschaftsraum, sie treten als Mitglieder der Metropolregion Mitteldeutschland auf. Doch wird es bei Gewerbeansiedlungen konkret, beginnt die Geheimniskrämerei – und jeder kämpft für sich allein.

Kein Wunder, sagt Andreas Fiedler vom Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung Halle: "Das Unternehmen zahlt Gewerbesteuern, die an die Stadtkasse gehen. Die Mitarbeiter, die in der Stadt wohnen, zahlen Einkommensteuern, die auch an die Stadt gehen. Und wenn Mitarbeiter aus Hartz IV dort Arbeit finden, dann wird auch die Stadtkasse entlastet."

Und wenn dann noch die gut verdienenden Porsche-Mitarbeiter in der Innenstadt von Halle einkaufen gingen, dann freue sich auch der Einzelhandel, sagt Fiedler. Es geht beim Presswerk um bis zu 600 Arbeitsplätze. Und für Halle geht es auch um Genugtuung.

Wettstreit um Agentur für Cybersicherheit

Vor 18 Jahren hat die Stadt den "Star Park" gebaut, ein Industriegebiet an der A14. Die Hoffnung damals: Hier kommt BMW hin. Doch das Unternehmen wählte dann doch Leipzig. Nun will Halle Porsche und Schuler in den "Star Park" locken.

Und der Wettstreit um die nächste Ansiedlung ist schon in Sicht, sagt Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland: "Also es gibt ein ganz heißes Thema, das ist das Thema Agentur für Cybersicherheit."

Er erklärt: "Das Bundesinnenministerium und das Bundesverteidigungsministerium haben entschieden, dass diese neue Agentur des Bundes in die Region Leipzig-Halle kommt. Das ist für den Wirtschaftsraum Leipzig-Halle ein großer Erfolg und hinter den Kulissen geht das Gezerre los, beide Städte und die Mittelzentren dazwischen bemühen sich um diese Agentur."

Gemeinsamer Auftritt der Städte sinnvoll

Ist der gemeinsame Wirtschaftsraum also nur Gerede? Braucht es die Metropolregion, wenn jeder für sich kämpft? Der gemeinsame Auftritt sei schon wichtig, sagt Tobaben. Selbst für jene Stadt, die zuletzt besonders erfolgreich schien: "Wenn Sie sich außerhalb der Region bewegen, dann ist es sinnvoll, gemeinsam aufzutreten, weil man sich gegenseitig verstärkt. Die Stadt Leipzig hat eine gewisse Wahrnehmung, auch in der Welt. Das darf man sagen. Aber sie stößt dann auch an ihre Grenzen."

Gerade im Ausland könne man mit gemeinsamen Auftritten auf Messen auch Geld sparen, so Tobaben. Wann die Entscheidung für das Presswerk fällt, ist übrigens unklar. Eine Zeitung schrieb von April. Porsche bestätigt nichts.

Im Standort-Wettbewerb spielen alle mit verdeckten Karten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. April 2019 | 06:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2019, 10:32 Uhr

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5 Kommentare

01.04.2019 14:24 Ralf Geissler 5

@pickering
Eine "gewisse unterschwellige Missbilligung" war nicht mein Anliegen. Jeder kann sich bemühen, um was er will. Zu ihrer Frage, was die Städte falsch machen: Im Grundsatz nichts.

01.04.2019 11:57 J. Hirsch 4

Es dürfte auch nicht unwichtig sein, dass Halle in Sachsen-Anhalt liegt und Leipzig in Sachsen. Es kommt damit noch eine Ebene rein, die sich als Sieger sehen will.

01.04.2019 10:56 pickering 3

Lieber Herr Geißler,
beide Städte, sonst gemeinsam für die Wirtschaftsregion Halle-Leipzig werbend,
versuchen nun Porsche ins Boot zu holen, d.h. in ein jeweils eigenes mehr oder weniger stadtnahes Gewerbegebiet.
In ihrem Bericht lese ich eine gewisse unterschwellige Missbilligung für diese Vorgehensweise heraus.
Könnten sie bitte erklären, was genau die Städte ihrer Meinung nach falsch machen?

01.04.2019 10:10 Max W. 2

(Halle und Leipzig kämpfen jeweils um die Ansiedlung in ihrer Stadt.)

Das Unternehmen wird also beide Kommunen und zwei Bundesländer gegeneinander ausspielen und regelrecht abziehen können. Und das selbstverständlich auch tun und sich die "Investitionen" zumindest teilweise von den Bürgern bezahlen lassen. Echtes Unternehmertum eben...

01.04.2019 09:22 Adam 1

Sehr geehrte Forum-Mitglieder,

das ist ja super.

Viele Grüße Euer Adam