Coronakrise Neustart für die Gastronomie: Wie läuft's?

Acht Wochen keine Gäste wegen Corona: So erging es fast allen Wirten in diesem Frühjahr. Manch einer versuchte, einen Lieferdienst aufzubauen. Doch das rettete die Umsätze in der Regel auch nicht. Nun dürfen Kneipen, Restaurants und Cafés seit einem Monat wieder Gäste empfangen. Unter Auflagen. Können die Verluste des Frühjahres aufgeholt werden?

Eine junge Frau serviert im Restaurant Kaffee
Seit einem Monat dürfen die Restaurants wieder öffnen. Bildrechte: dpa

Das Schnitzel ist noch nicht verloren. Lutz Albrecht ist da  zuversichtlich. Der Gastwirt sitzt in seinem "Schnitzel Culture" in der Leipziger Innenstadt. Die Küche paniert hier Schwein, Kalb, Feta oder Blumenkohl.

Weniger Gäste als vor der Krise

Es kommen wieder Gäste, sagt Albrecht. Auch, wenn die Umsätze unter Vorkrisen-Niveau liegen. "Bei 50 bis 60 Prozent liegen wir. Es gibt sicher auch einige, die bei 80 Prozent liegen. Aber es gibt auch einige, die bei 20 bis 30 Prozent liegen vom Vergleichsumsatz. Schnitzel, sagt man so, da kann man nicht viel verkehrt machen. Das geht immer. Aber ganz so einfach ist es auch nicht. Beim Schnitzel kann man auch schon allerhand verkehrt machen."

Die Gastronomie ist Albrechts Leben. Der Endvierziger hat mit Imbissbuden angefangen und dann in Leipzig ein Restaurant nach dem anderen entwickelt, Barthels Hof und Alfredo Bar zum Beispiel. Heute bewirtschaftet er noch den Panorama Tower im City-Hochhaus. Dort fehlen die großen Familienfeiern und Hochzeiten.

Inlandstourismus hilft der Branche

Tatsächlich sei die Situation in der Branche sehr durchwachsen, sagt Axel Klein, Geschäftsführer beim Dehoga Sachsen. "Und es ist natürlich ein wesentlicher Unterschied zwischen Stadt und Land, auch zwischen einzelnen Regionen. Wir haben natürlich in Leipzig oder Dresden Situationen, wo es noch sehr hängt durch das fehlende Kongressgeschäft, das Tagungsgeschäft. Das trifft die Städte besonders hart. Aber es gibt auch Regionen, die sehr hoffnungsvoll sind, wo der Tourismus wieder angelaufen ist. Zum Beispiel die Sächsische Schweiz."

Dort sind viele Hotels und vor allem Ferienwohnungen bis in den Spätsommer gut gebucht. Der Trend zum Urlaub in Deutschland hilft auch den Restaurants. Regina Riedel leitet das Romantik-Hotel "Deutsches Haus" in Pirna. "Also die Gäste kommen gern wieder", sagt sie. "Die essen, trinken und sind fröhlich. Insbesondere aus den Regionen, wo sie noch nicht so viele Freiheiten haben wie in Sachsen. Also das hat uns tüchtig in die Hände gespielt, dass wir praktisch die Ersten waren, die wieder öffnen durften."

Dehoga-Verband: Einige werden pleite gehen

Auch Sachsen-Anhalt zeigt sich vergleichsweise offen. Michael Schmidt ist Dehoga-Präsident des Landes. Er sagt, vielen Wirten helfe die reduzierte Mehrwertsteuer. Trotzdem müsse man damit rechnen, dass einige pleite gehen. Für mittelgroße Betriebe gäbe es an Soforthilfe nämlich nur Kredite. "Gerade in einer Situation, wo Betriebe wirtschaftlich noch nicht rentabel arbeiten, sich wieder einen Kredit zuzulegen, um dort finanzielle Engpässe zu überstehen. Ich glaube, hier muss auf alle Fälle nachjustiert werden, hier müssen wir nochmal schauen, inwieweit eine weitere Soforthilfe auch für die mittleren und größeren Betriebe möglich ist."

Das sieht auch Gastronom Lutz Albrecht so. Für seinen Panorama-Tower hat er noch einmal 150.000 Euro Kredit aufgenommen. Er glaubt an das Konzept eines Restaurants über den Dächern Leipzigs. Und doch, sagt er, sei es nicht leicht, mit Ende vierzig noch einmal durchzustarten. "Die Betriebe waren gesund. Und da überlegt man sich: Was macht man? Wird das jetzt besser? September, Oktober? Die Signale sind schon positiv. Aber es ist eine lange Durststrecke mit richtig viel Zuschuss." Für den Herbst, sagt Albrecht, sähen die Buchungen wieder gut aus. Eine zweite Corona-Welle möge der Gastronomie aber bitte erspart bleiben.

Sport

Stefan Göbel und seine Mutter Sieglinde Göbel aus Magdeburg stehen zum Check-In im Parkhotel Bad Schandau an der Rezeption vor Kerstin Meve-Garreis, Hoteldirektorin. 9 min
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Seit Freitag dürfen Restaurants und Gaststätten wieder öffnen. Natürlich nur unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen. Wie funktioniert das?

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 15.05.2020 16:40Uhr 08:32 min

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juni 2020 | 05:00 Uhr

11 Kommentare

Critica vor 14 Wochen

@Peter u.a.
".... CoviD 19 zu verharmlosen..." Es gibt nicht wenige, die CoviD 19 eine höhere Bedeutung beimessen, als nötig. Das Virus ist da, zweifelsohne, und wir müssen lernen, damit umzugehen. Punkt. Wir müssen aufhören, Angst zu verbreiten. Das geschieht z.B. auch dadurch, dass bei jeder Neuinfektion ein Aufschrei durch das Land geht. Wieviele von den heute getesteten Tönnies-Mitarbeitern sind denn erkrankt? Das weiß niemand und wird auch nicht veröffentlicht! Nur die Zahl "... bis jetzt sind 780 infiziert..." Infiziert sein heißt nicht gleich "schwerkrank oder zum Tod verurteilt".
Um aufs Thema " Gastronomie" zu kommen: Wenn es in NRW zu Neuinfektionen kommt, müssen nicht andere Bundesländer abgestraft werden, indem in Geschhäften und Restaurants noch immer Maskenpflicht besteht und insbesondere in Restaurants "Verfolgungslisten" ausgelegt werden.
Ich wünsche mir, dass sich der oberste Gastronom, Herr Ellinger, dafür einsetzt, dass dieser Unsinn aufhört.

sorglos vor 14 Wochen

Ich hatte gehofft, dass die Bundesregierung und alle hochdotierten MP, Abgeordneten, Söder, Lauterbach etc. endlich begreifen, dass mit der Maskenpflicht kaum mehr Menschen in Restaurants gehen, in Freizeitparks, in Theater und kulturelle Einrichtungen. Aber -es wird verlängert. Maskenpflicht bei 0,0067% Infizierten - dafür nimmt man Kollateralschäden von Tausenden Insolvenzen in Kauf, die ja Steuern zahlen/zahlten...

wo geht es hin vor 14 Wochen

"Zum einen hat der Staat die Umsatzsteuer für Wirte um 12 Prozentpunkte gesenkt. Entsprechend mehr bleibt in den kommenden Monaten bei den Wirten hängen." Ist das so? Bei Einhaltung der Abstandsregeln und damit erheblich spürbar geringerer Auslastung, bei fehlenden größeren Veranstaltungen (Hochzeiten usw.), bei der 2 - fachen Umstellung der Kassensysteme, bei zusätzlichen Hygienemaßnahmen (die gibt es auch nicht zum Nulltarif) und das alles trotzdem mit voller Personalstärke - ja darf man Ihre Aussage wohl zumindest bezweifeln. Ich kenne persönlich 2 Wirte, die nach 14 - tägiger Probephase freiwillig wieder zugemacht haben, weil sie JEDEN TAG Geld mitbringen mussten, um den Laden unter den jetzigen Bedingungen am laufen zu halten.