Mitteldeutschland Immer mehr Banken und Sparkassen verlangen Negativzinsen

Die Sparkassen müssen, wie alle Banken, ein halbes Prozent Strafzinsen an die EZB zahlen für Geld, das sie dort "parken". Welche Institute in Mitteldeutschland geben diese Strafzinsen an ihre Kunden weiter und wie gehen die Banken generell damit um?

Das Logo der Sparkasse steht in einer Filiale der Sparkasse.
Die ostdeutschen Sparkassen klagen über Negativzinsen, die sie an die Europäische Zentralbank zahlen müssen. Bildrechte: dpa

Wer Geld zur Bank bringt, will dafür etwas haben. Wenigstens ein kleines bisschen Zins. Doch die Finanzwelt steht Kopf. Immer mehr Banken berechnen plötzlich etwas für die Aufbewahrung großer Beträge. Toralf Richter vom Vergleichsportal Verivox hat sich die Preislisten angesehen.

Wir wissen momentan von über 70 Banken, die Strafzinsen aufs Tagesgeld von ihren Privatkunden verlangen.

Toralf Richter Vergleichsportal Verivox

Richter zufolge haben die Negativzinsen anfangs ausschließlich vermögende Kunden getroffen. Es habe sehr hohe Freibeträge in Millionenhöhe gegeben. Mittlerweile würden diese Freibeträge deutlich sinken und es gebe sogar schon Banken, die Negativzinsen ab dem ersten Euro verlangten.

Kleinsparer sollen verschont werden

Noch ist das die Ausnahme. Doch es gibt auch Institute mit Sitz in Mitteldeutschland, die ab 100.000 Euro Negativ-Zinsen berechnen. Zum Beispiel die Skat-Bank in Altenburg, die Volksbanken in Eisenberg, Magdeburg und Stendal, die VR-Bank Mittelsachsen oder die Sparkasse Altenburger Land.

Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident Ostdeutscher Sparkassenverband, OSV, anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin.
Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident Ostdeutscher Sparkassenverband Bildrechte: imago/Steinach

Michael Ermrich spricht statt von Negativzins von "Verwahrentgelt". Der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes erwartet, dass seine Institute zumindest die Kleinsparer verschonen: "Ich gehe davon aus, dass wir Verwahrentgelte nehmen bei Firmenkunden, die besonders hohe Tagesgeldeinnahmen haben. Bei Privatkunden ist es im Moment nicht üblich, Verwahrentgelte zu nehmen. Hier handelt es sich, wenn dann um Neukunden, die mit sehr viel Geld zu uns kommen und noch nicht unsere Kunden waren. Mit denen besprechen wir ein Verwahrentgelt."

Sparen wird teuer

Je mehr Geld jemand mitbringt, desto größer die Abwehrhaltung der Sparkassen. Das klingt paradox. Doch ihre Geldspeicher sind voll. Und sie müssen selbst Strafzinsen für die Einlagen bei der EZB bezahlen.

Weil mit klassischen Krediten kaum noch etwas verdient werde, müssten sich die Banken etwas einfallen lassen, sagt Alexander Kriwoluzky vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung: "In der Zukunft werden wir entweder ein Ansteigen der Kontoführungsgebühren sehen, ein Ansteigen der anderen Servicegebühren, wenn man zum Beispiel einen Fonds bespart, oder eben höhere negative Zinsen. Eins von den dreien werden wir sehen."

Das sieht Hans-Peter Burghof ähnlich. Der Professor für Bankwirtschaft sagt, die Politik der EZB werde sich vorerst kaum ändern. Der Einlagezins bleibe negativ.

Ich sehe momentan ehrlich gesagt keinen Lichtblick.

Hans-Peter Burghof Professor für Bankwirtschaft

Burghof sagt, er habe das Gefühl, dass die gleiche Politik weiter getrieben werde, dass sie teilweise sogar noch verfestigt werde. "Wir haben jetzt aus Deutschland eine neue Direktorin in der EZB*, die die aktuelle Politik der EZB ohne erkennbaren Vorbehalt unterstützt. Das war früher nicht so. Da war der Vertreter, der von Deutschland aus in das Direktorium kam, etwas kritischer und skeptischer", sagt Burghof.
(*Isabel Schnabel, Anmerkung der Redaktion)

Empörung über Sparkasse Vogtland zeigt Wirkung

Dabei kann Widerspruch manchmal Wunder bewirken. Das zeigt ein Beispiel im Kleinen. Anfang Februar führte die Sparkasse Vogtland einen Negativzins für Neukunden ein. 0,7 Prozent schon ab 5.000 Euro. Es gab eine Empörungswelle. Vorige Woche strich die Sparkasse den Strafzins wieder, ohne Begründung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Februar 2020 | 06:07 Uhr

8 Kommentare

part vor 15 Wochen

Sparkassenkunden zahlen schon lange Strafzinsen, es nennt sich nur etwas anders. Früher gab es Zinsen auch auf Einlagen von Girokonten, dann gar nichts mehr und schlußendlich Kontoführungsgebühren, die nach Belieben erhöht werden können...

Kritiker vor 15 Wochen

@Sharis: GB war aber einer der großen Geldeinzahler in die EU oder habe ich da irgendwo etwas verpasst? Ist mir irgenwie noch in Erinnerung das bei Austritt des Königreiches die restlichen Mitglieder der EU (auch D) mehr in die EZB einzahlen möchten. Fazit: wer mehr einzahlt der möchte auch höhere Negativzinsen bezahlen. So kommt es für mich aus diesem Artikel hervor!

Sharis vor 15 Wochen

@Kritiker: DIe Null-bzw. Negativzinspolitik der EZB hat vorrangig den Sinn, die Währung zu stützen, damit hoch verschuldete Euroländer nicht völlig pleite gehen (GR,IT,..). GB hat damit nichts zu tun, die waren nie Mitglied der Währungsunion.Ob sich deren EU-Austritt als Segen oder Fluch erweisen wird, bleibt abzuwarten. Die Regierung Johnson möchte ja am liebsten weiterhin alle Vorteile der EU genießen, ohne gleichzeitig die Verpflichtungen eines Mitglieds einzugehen-das wird auf jeden Fall so nicht funktionieren!