Frank-Peter Ludwig kontrolliert 2006 die Qualität von Quarzglas-Rohren
Dir Firma QSIL aus Ilmenau in Thüringen ist weltweit führend bei der Herstellung von Quarzglas. Das Unternehmen wächst. Bildrechte: dpa

Ostdeutschland Kleine Firmen werden langsam größer

Die ostdeutsche Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Doch ein Problem bleibt: Die Firmen im Osten sind vergleichsweise klein. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte, will, dass Ost-Firmen wachsen. Aber tun sie das auch?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Frank-Peter Ludwig kontrolliert 2006 die Qualität von Quarzglas-Rohren
Dir Firma QSIL aus Ilmenau in Thüringen ist weltweit führend bei der Herstellung von Quarzglas. Das Unternehmen wächst. Bildrechte: dpa

Die meisten Unternehmen kommen in kleinen Schritten voran. QSIL machte einen großen. Die Firma bei Ilmenau stellt Quarzglas her. Und weil das Geschäft gut läuft, kauften die Chefs eine Firma dazu. Sie übernahmen ein Glaswerk von Philips in Holland, verdoppelten Umsatz und Mitarbeiterzahl.

Mutig für ein Ost-Unternehmen. Das weiß auch Geschäftsführer Udo Werner. Er sagt: "Man muss eine gewisse Emotionalität dabei haben, eine gewisse Vision. Man muss das Thema mögen und wollen." Außerdem müsse man betriebswirtschaftlich darauf gucken, dürfe sich von seinen Emotionen nicht hinreißen lassen und die Zahlenwelt nicht aus dem Auge verlieren. "Wenn beides zusammenkommt, dann geht man voran und hat einen inneren Antrieb, das zu stemmen."

Mehrzahl der Firmen hat bis zu zehn Beschäftigte

Der Zukauf von QSIL ist ein besonderes Beispiel für Unternehmenswachstum. 90 Prozent aller ostdeutschen Firmen beschäftigen nach Angaben der Kammern nicht mehr als zehn Leute.

Doch das ändere sich langsam, sagt der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte.

Wir haben in den neuen Bundesländern in den letzten Jahren einen prozentualen Zuwachs größerer Unternehmen, während sich im Westen an der Verteilung nichts ändert.

Christian Hirte, Ostbeauftragter der Bundesregierung

Dies sei eine gute Entwicklung, weil die großen Unternehmen diejenigen seien, die mit mehr personellem und finanziellem Aufwand Forschung und Entwicklung betreiben könnten, die hochqualifizierte Mitarbeiter beschäftigten und natürlich auch bessere Löhne bezahlen könnten.

Wachstum durch gute Wirtschaftslage

Christian Hirte
Christian Hirte: Der Ostbeauftragte der Bundesregierung fordert ein stärkeres Wachstum ostdeutscher Firmen. Bildrechte: imago/epd

Dass viele Ostfirmen endlich wachsen, hat mehrere Gründe: Die Wirtschaft läuft. Es wird mehr geforscht – auch mit Hochschulen. Und viele Unternehmer suchen einen Nachfolger, womit sich Chancen bieten, Wettbewerber zu übernehmen.

Dafür aber, sagt Leipzigs IHK-Präsident Kristian Kirpal, fehle es mitunter an Kapital. "Aber wir begrüßen als sächsische Kammern, dass hier gerade in Sachsen die Gespräche intensiv laufen, um einen Digitalisierungs- und Wachstumsfonds aufzulegen. Und hier gerade diese Lücke zwischen zwei und zehn Millionen Euro Eigenkapital finanziert werden können." Der Fonds solle zur einen Hälfte durch den Freistaat und zur anderen Hälfte durch die Unternehmerinnen und Unternehmer getragen werden. "Das wäre die Chance, die größeren Einheiten zu schaffen."

Wenig Euphorie im Wirtschaftsministerium

Das sächsische Wirtschaftsministerium ist nicht ganz so euphorisch. Die Gespräche über einen Wachstumsfonds stünden ganz am Anfang, heißt es auf Nachfrage von MDR AKTUELL.

Lassen sich mit Fördermillionen überhaupt Konzerne schmieden? Das sicher nicht, sagt Ostbeauftragter Hirte: "Wir haben eine völlig andere Wirtschaftsstruktur, die aus der Kleinteiligkeit jetzt erst langsam hochwächst. Die großen DAX-Konzerne wachsen ja weiter." Es sei unrealistisch zu glauben, dass bald ein zweites Daimler, VW oder Siemens mit einer Konzernzentrale in den neuen Bundesländern entstehe.

Zunächst einmal müssen aus kleinen Firmen mittlere werden. Wie QSIL in Thüringen. Fragt man Geschäftsführer Werner, ob die Firma weiter wachsen soll, ist die Antwort klar: "Ein ganz einfaches Ja", sagt er. "Wir wollen weiter wachsen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juni 2018 | 06:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2018, 07:16 Uhr

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2 Kommentare

29.06.2018 15:01 Querdenker 2

Zitat: „Christian Hirte: Der Ostbeauftragte der Bundesregierung fordert ein stärkeres Wachstum ostdeutscher Firmen.“

Das die kleinen Firmen darauf noch nicht selbst gekommen sind? Unglaublich! Aber zum Glück gibt es ja nun CDU Politiker, die mit weisen Ratschlägen auf die Sprünge helfen.

29.06.2018 09:06 Baldur von Ascanien 1

" Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte, will, dass Ost-Firmen wachsen."

Na dann mal ran! Giesskanne raus, Unkraut jäten und schön düngen. Gott lass Hirn wachsen.................