IWH-Bericht Osten bleibt bei Produktivität und Löhnen zurück

Gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost- wie Westdeutschland. Das Ziel der Bundesregierung liegt in weiter Ferne. Das geht aus dem neuen Ostdeutschlandbericht des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor. Der Bericht wird jetzt offiziell in Berlin vorgestellt. MDR AKTUELL durfte einige Ergebnisse schon einsehen. Demnach liegen Produktivität und Löhne im Osten nach wie vor weit unter West-Niveau. Lässt sich das überhaupt ändern?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Wie wird man produktiver? Eine kleine Firma aus Ilmenau hat neue Ideen. Sie heißt MetraLabs und entwickelt Roboter. Sie sausen durch die hauseigenen Labore, erfassen und transportieren, was in den Regalen liegt. Weltweit hat MetraLabs 250 Roboter installiert und so für mehr Effizienz gesorgt, sagt Mitgründer Johannes Trabert: "Es geht darum, eine geschickte Arbeitsteilung zu realisieren. Dass Menschen die Dinge machen können, die sie sehr gut können, die sie befriedigen in ihrer Arbeit. Und andere Dinge, die eintönig und schwer sind, an Roboter zu übergeben. Dadurch entsteht eine Zusammenarbeit, die vorteilhaft ist für die Effizienz und Qualität."

Ost-Unternehmen ein Fünftel weniger produktiv

Mehr Effizienz können gerade ostdeutsche Firmen gut gebrauchen. Denn auch 30 Jahre nach dem Mauerfall erreicht kein einziges Bundesland im Osten die Produktivität des schwächsten westdeutschen Bundeslandes, nämlich die des Saarlands. So steht es im neuen Ostdeutschlandbericht des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle. Vor der offiziellen Präsentation hat Präsident Reint Gropp mit MDR AKTUELL über den zum Erliegen gekommenen Aufholprozess gesprochen: "Wenn Sie sich ein Unternehmen im Osten anschauen und ein vergleichbares Unternehmen im Westen, dann stellen Sie fest, dass das Unternehmen im Osten rund 20 Prozent weniger produktiv ist. Das heißt, mit der gleichen Mitarbeiteranzahl 20 Prozent weniger Produkte produziert."

Doch woran liegt das?

Reint Gropp
Reint Gropp vom IWH Bildrechte: dpa

Lange begründeten Wissenschaftler den Rückstand damit, dass die ostdeutschen Unternehmen so klein seien, sich keine teuren Maschinen leisten könnten. "Eine der großen neuen Erkenntnisse dieser Studie ist, dass dies nicht die einzige Erklärung ist. Die einzige Erklärung, die wir im Moment haben, ist tatsächlich, dass die Subventionspolitik dazu geführt hat, dass am Ende zwar mehr Arbeitsplätze erhalten wurden, diese Arbeitsplätze aber eben weniger produktiv sind als im Westen."

Gropp verlangt eine andere Förderung. Statt Geld an ostdeutsche Firmen zu verteilen, solle der Staat lieber in eine exzellente Infrastruktur investieren. Und da, sagt Gropp, müssten vor allem die ostdeutschen Städte mehr bekommen. Im ländlichen Raum bewirkten solche Investitionen zu wenig:

Natürlich ist es hart, zu sagen, wir müssen ein Stück weit zumindest ländliche Räume aufgeben. Auf der anderen Seite haben wir nur so eine Chance, diese Pro-Kopf-Einkommensunterschiede zwischen Ost und West irgendwann auszugleichen. Wir brauchen einen Fokus in der Politik auf Infrastrukturen in den urbanen Räumen, insbesondere im Osten.

IWH-Präsident Reint Gropp

Digitalwirtschaft und Hotspots ausbauen

Denn dort könnten die Arbeitsplätze von morgen entstehen, in der Digitalwirtschaft, in innovativen Unternehmen, die eng mit den Hochschulen zusammenarbeiten. Die Roboter-Bauer von MetraLabs kooperieren zum Beispiel mit der TU Ilmenau. Mitgründer Trabert: "In vielen Nischen sind ostdeutsche Unternehmen Weltspitze. Aber es sind eben schmale Nischen. Es ist selten der Fall, dass ein bestimmtes Unternehmen für eine ganze Branche als marktführend zählt."

Das könne durchaus noch werden, sagt IWH-Präsident Gropp. Aber eben nur, wenn sich der Staat mit seiner Förderung auf die Hotspots im Osten konzentriere.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. März 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2019, 13:58 Uhr