Plastik aus Papierfasern Sächsische Firma will globales Plastikproblem lösen

Die Welt hat ein Plastik-Problem. Inseln aus tonnenweise Plastikmüll schwimmen im Meer, in Bodenproben finden sich immer häufiger Plastikschnipsel. Und nun haben Forscher Mikroplastik auch in menschlichen Stuhlproben nachgewiesen. Weltweit tüfteln Firmen an Alternativen zu Plastik. Auch ein Unternehmen in Sachsen hat einen Kunststoff entwickelt, der kein Plastik ist.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Neue Ideen kommen oft unspektakulär daher. So ist es auch hier, in einer kleinen Fabrik in Bischofswerda. Aus einem Kessel rieselt ein blaues Granulat. Es glänzt und fühlt sich wie Plastik an. Doch es handelt sich um ein sogenanntes Paper Compound. Das solle Plastik ersetzen, erklärt Geschäftsführer Frank Jornitz: "Ein Paper Compound ist ein papierbasierter Biokunststoff. So kann man es vermutlich am einfachsten erklären. Das ist ein Material, was sich aus Komponenten zusammensetzt, die so auch in Papier vorhanden sind. Nur die Reihenfolge und die Zusammensetzung ist verändert worden."

Man kann aus dem Material Becher gießen oder Folien ziehen. Wer die Produkte anfasst, könnte schwören, ein Plastikteil in der Hand zu halten. Trotzdem sind es nur Faserbestandteile von Papier. Jornitz und seine Kollegen haben das Material eher zufällig erfunden. Ihr Mutterunternehmen ist das Fasergusswerk Polenz. Das gießt Verpackungen aus Pappmaché. Regelmäßig haben sie hier experimentiert. Ihr plastikähnliches Granulat wird inzwischen gut nachgefragt.

Industrie ist guter Abnehmer

Vor allem Industrieverpackungen würden daraus gemacht, sagt Gesellschafter Friederich Jaeger: "Unter anderem verpacken wir Harz-Kartuschen für die Bauindustrie. Wo der Abfall anschließend in der Baugrube landet aber keinen Schaden in der Baugrube anrichten soll. Darüber hinaus fangen wir gerade an, Produkte für die Spieleindustrie zu machen. Wo es früher Kartenhalter aus Kunststoff gab, werden die jetzt praktisch durch den Paper Compound ersetzt."

Die Idee, Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zu generieren, ist nicht neu. Schon länger gibt es sogenannte Bio-Plastik aus Maisstärke oder Milchsäure. Zufrieden waren Umweltschützer mit den Ersatzprodukten allerdings nie. Denn biobasierte Kunststoffe verrotten langsamer als es ihr Name nahelegt, sagt Nina Maier vom Umweltbundesamt:

"Das Problem ist, dass es hochkomplexe Verfahren sind, unter denen dieser Abbau eventuell passieren kann. Da spielt die Temperatur eine große Rolle, die Feuchtigkeit, die mikrobielle Zusammensetzung und so weiter. Bisher ist in keiner Weise gewährleistet, dass das überall in der Umwelt passiert. Insbesondere nicht im Meer, denn dort herrschen oft sehr kalte Temperaturen."

Wie umweltfreundlich sind die Produkte?

Auch das Paper Compound aus Sachsen verrottet am besten in einer industriellen Kompostieranlage. Dafür hat es auch ein Zertifikat. Trotzdem, sagt Geschäftsführer Jornitz, zerfällt es auch auf einem Komposthaufen. Besonders stolz ist Jornitz darauf, dass sein Granulat günstiger ist als andere biobasierte Plastik:

"Wir haben es geschafft, einen Preis für unsere Kunden zu halten - insbesondere im Bereich der Fertigteile, der mit dem von konventionellen Kunststoffen konkurrieren kann. Er ist also nicht signifikant höher. Und wir verkaufen so in etwa 150 Tonnen im Jahr. Das variiert, ein Teil als Granulat und ein Teil als Fertigprodukte."

Die Firma will mit ihrer Erfindung noch viel herkömmliche Plastik ersetzen. Jornitz zeigt einen grünen Topf. Er kann auch graue oder schwarze Töpfe herstellen. Nur dursichtig geht mit Bioplastik auf Papierbasis nicht. Für Klarsichtfolie muss man weiterhin zu einem etablierten Produkt greifen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. November 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 05:00 Uhr

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7 Kommentare

14.11.2018 09:45 Greenhorn 7

Plaste und Elaste kam aus Schkopau. In Zschopau wurden Motorräder produziert.

13.11.2018 20:28 Klaus Pfister 6

Plaste und Elaste aus Zschopau...!

13.11.2018 16:02 Fragender Rentner 5

Dann gibt es doch schon angeblich das gute Bioplatik, welches weder in diese Tonne soll und auch nicht in die Biotonne !!! :-(((

In die Biotonne dewegen nicht weil die Zersetzungsdauer angeblich zulange dauern würde !!!

Die wollen glaube ich nur ca. 9 Tage für die Zersetzung und das Biozeug benötigt angeblich ca. 12 Tage.

13.11.2018 12:33 Gaihadres 4

@Nr.2: Danke für die zusätzlichen Informationen. Ich gebe Ihnen aber nur teilweise recht. Natürlich kann man seine Produktion nicht gegen die eines Konzerns wie BASF aufrechnen, aber darum geht es auch nicht. Wenn er ein Produkt herstellt, dass eine wirtschaftlich profitable Alternative zum gegenwärtigen Prozess darstellt bzw. einen Wissensvorsprung gegenüber anderen Unternehmen im Ausland generiert, wird sich eine solche Idee auch im großen Stil realisieren lassen. Und anders als fossile Bestandteile heutiger Produkte wachsen Bäume zumindest nach bzw. könnte solches Produkt auch in die Produktionsprozesse des Recyclings einbetten. Recht gebe ich Ihnen uneingeschränkt bei der Steuerung durch die Politik, wobei Deutschland hier natürlich nicht das globale Problem in den Griff bekommen kann - da sind alle Staaten gefragt. Das Alter der Einträge ist unbestritten - aber ich spreche auch eher von einer künftigen Verbesserung der Situation. Es müssen Weichen gestellt werden.

13.11.2018 10:18 Fragender Rentner 3

Kam gestern nicht ein Bericht dass in Deutschland im letzten Jahr wieder um die 4% mehr an Plastik hergestellt wurde?

13.11.2018 09:59 Max W. ...und nicht vergessen! 2

@13.11.2018 08:11 Gaihadres

(Eine schöne Idee - jeder Schritt hilft bei der Bewältigung von Problemen. @MDR: Ich habe kürzlich gehört, dass auch kunststoffähnliche Produkte aus Industriezucker hergestellt werden. Vielleicht wäre das ja auch einen Bericht wert.)

Machen sie sich nichts vor: In diesem Bericht fehlen erstens die Mengenrelationen an verbrauchten und "entsorgten" Kunstststoffarten im weltweiten Vergleich und zweitens verrottet das Zeugs ggf. sehr sehr langsam und eventuell auch garnicht. Das ist keine Lösung des Problems, sondern nur ein winziger Schritt dahin. Und selbst das ist noch nicht belegt.

Ohne politische und d. h. strafbewehrte gesetzliche Vorgaben wird sich in absehbarer Zeit die ohnehin schon katastrophale Situation drastisch weiter verschlechtern - daran führt kein Weg mehr vorbei.
Die Einträge, mit denen wir es jetzt zu tun haben, sind Jahre alt und tauchen JETZT in der Nahrunsgkette auf. Noch Fragen?

13.11.2018 08:11 Gaihadres 1

Eine schöne Idee - jeder Schritt hilft bei der Bewältigung von Problemen. @MDR: Ich habe kürzlich gehört, dass auch kunststoffähnliche Produkte aus Industriezucker hergestellt werden. Vielleicht wäre das ja auch einen Bericht wert.