Eine Schülerin aus dem afrikanischen Guinea absolviert in einer Metallwerkstatt einen Kurs im E-Schweiߟen.
Eine Schülerin aus Guinea absolviert in einer Metallwerkstatt einen Kurs im E-Schweißen. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt Online-Portal soll Flüchtlinge in Arbeit bringen

Zemigra – dieses Wort klingt nach einem Medikament oder einem Automodell, ist aber keins von beiden. Die Abkürzung hat sich das Arbeitsministerium in Sachsen-Anhalt ausgedacht: Sie steht für "Zentrum für Migration und Arbeitsmarkt". Zemigra ist eine Onlineplattform, die Arbeitgeber im Land mit Flüchtlingen und Migranten zusammenbringen soll. Seit Januar ist die Plattform online, die Hotline schon seit November.

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Eine Schülerin aus dem afrikanischen Guinea absolviert in einer Metallwerkstatt einen Kurs im E-Schweiߟen.
Eine Schülerin aus Guinea absolviert in einer Metallwerkstatt einen Kurs im E-Schweißen. Bildrechte: dpa

Die Stadt Thale im Harz liegt mitten im Wald, direkt an der sagenumwobenen Rosstrappe. Unweit davon steht die Bodetal-Therme. Deren Geschäftsführer André Kleinheisterkamp ist immer auf der Suche nach Mitarbeitern, gern auch aus dem Ausland. Erstens wolle er Flüchtlingen helfen, "und das zweite Thema ist natürlich: Im Harz ist die Arbeitsmarktsituation eher angespannt. Wir suchen immer Fachkräfte und gute Leute, die auch motiviert sind. Das ist schwierig."  

Qualifizierter Physiotherapeut aus Syrien

Deshalb hat sich Kleinheisterkamp an das Zemigra-Portal gewandt. Es verbindet Arbeitgeber mit Flüchtlingen und Migranten. Auf diesem Weg hat Kleinheisterkamp schon einen Physiotherapeuten aus Syrien gefunden. "Der ist eben auch in einem sehr, sehr hohen Niveau. Der hat Diplom-Physiotherapie studiert an der Universität sogar. Und hat dann die fachlichen medizinischen Ausbildungen dort gemacht. Also das ist eine sehr hohe Qualifikation, die haben in Deutschland nicht so wahnsinnig viele."

Portal soll bei bürokratischen Hürden helfen

Das Zemigra-Portal ist ans Arbeitsministerium in Sachsen-Anhalt angegliedert. Laut Staatssekretärin Susi Möbbeck sei bei Geflüchteten besonders viel Bürokratie zu bewältigen – Zeugnisse müssten übersetzt, der Aufenthaltsstatus überprüft werden. Kleine Firmen könnten das nicht leisten. So habe eine Apotheke mit fünf bis zehn Mitarbeitern keine Personalabteilung, die sich Gedanken über die ausländerrechtlichen Voraussetzungen könne. "Und die dann noch die Zeit hat, mit Flüchtlingen zur Ausländerbehörde und zum Sozialamt zu gehen et cetera et cetera."

Nur für Arbeitgeber oder Berater gedacht

Geflüchtete selbst sollen sich Möbbeck zufolge nicht an Zemigra wenden. Das Portal sei vielmehr für Beratungsdienste, Arbeitgeber oder das Jobcenter gedacht. Letzteres kann Geflüchteten aber oft nicht weiterhelfen, meint Möbbeck. Die Mitarbeiter dort hätten ohnehin zu viele Klienten. Wenn dann einer von den 50 Klienten ein Geflüchteter sei, seien sie in der Regel nicht so spezialisiert auf viele Fragen.

Ziel: 50 Vermittlungen bis Ende 2018

All die soll Zemigra beantworten. Der Arbeitgeberverband der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt unterstützt das Projekt. Bis Ende des Jahres will das Portal mindestens 50 Migranten einen Job vermitteln. Dass das nicht sehr viel ist, räumt auch Sigrun Trognitz ein, die Geschäftsführerin des Verbands. "Gesamtgesellschaftlich sind 50 Migranten und deren Vermittlung nicht unbedingt die Zahl. Aber ich glaube schon, wenn das geschafft worden ist, dann haben wir eine Hürde genommen."

Rund 20 Unternehmen haben sich laut Staatssekretärin Möbbeck bisher an Zemigra gewandt. Für seine Therme in Thale will auch André Kleinheisterkamp über das Portal weitersuchen, vor allem nach Azubis.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Februar 2018 | 09:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 13:13 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

17.02.2018 13:22 Max. W. 4

("Dass das nicht sehr viel ist, räumt auch Sigrun Trognitz ein, die Geschäftsführerin des Verbands. "Gesamtgesellschaftlich sind 50 Migranten und deren Vermittlung nicht unbedingt die Zahl. Aber ich glaube schon, wenn das geschafft worden ist, dann haben wir eine Hürde genommen.")

Welche "Hürde" könnte das wohl sein? Das nebulöse Geschwätz aus dem steuerfinanziert ungefähr Gutgemeinten in's allgemeine Manweissesnicht demonstriert nur anschaulich die hilflosen, angesichts der Problemgrösse vollständig absurden Ersatzhandlungen, die lediglich vortäuschen sollen, "man" handele zielorientiert und mit Aussicht auf Bewältigung des selbstgeschaffenen Desasters.

Davon kann - und eben das verrät dieser Bericht tatsächlich in aller plakativen Deutlichkeit - nicht die allergeringste Rede sein. Und das bedeutet, dass etwas anderes der Fall ist, als hier vorgetäuscht wird. Und dieses "Andere" ist das, was solche Berichte schlicht durch Überlagerung verdecken sollen. Das wird scheitern.

16.02.2018 19:48 Bernd Escher 3

"Nur für Arbeitgeber oder Berater
gedacht". Migranten die bleiben dürfen,
sind doch nur ein gefundenes Fressen
für diese Seelenverkäufer,selbst wer
unsere Landessprache(D) sprechen
und lesen kann,muß diese auch nicht
immer verstehen.
mfg Bernd Escher

16.02.2018 16:07 Fragender Rentner 2

Zitat von Oben: Wenn dann einer von den 50 Klienten ein Geflüchteter sei, seien sie in der Regel nicht so spezialisiert auf viele Fragen.

Die wollen ja Azubis.

16.02.2018 13:24 Begeisterung 1

Passend zum Thema: "Ernüchterung bei Papenburg - Von 70 Flüchtlingen nur noch einer da" Daher ein neuer Fall für "ehrlich, exklusiv, exakt"...

Link

Zurück zur Startseite