Forstwirtschaft Katastrophales Jahr für den Wald

Heftige Wintersturmschäden, die immer noch beseitigt werden müssen, Borkenkäferbefall, die extreme Trockenheit - die Mitarbeiter des landeseigenen Forstbetriebs in Sachsen-Anhalt haben mehr als genug zu tun. Sie wünschen sich dringend mehr Personal. Eine exakt-Reporterin hat beim Landesforst mitangepackt.

Gigantische Mengen Holz lagern bei Roßla im südlichen Sachsen-Anhalt. Auf einer Fläche so groß wie zwei Fußballfelder türmen sich die Baumstämme bis zu sechs Meter hoch. Um auf den Riesen-Holzberg gefahrlos zu klettern, sind Steigeisen ein Muss. Die Baumstämme sind rutschig, sie müssen dauerberegnet werden. Denn nur, wenn das Holz komplett durchnässt ist, wird es nicht von Schädlingen oder Pilzen befallen. Ein wahnsinnig hoher Aufwand.

Riesen-Holzberg bei Roßla in Sachsen-Anhalt.
Das Nasslager bei Roßla ist voll bis auf den letzten Stamm. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig

Das Lager bei Rößla ist nur eines von fünf solcher Nasslager in Sachsen-Anhalt. Die Holzmenge sprengt in diesem Jahr jedes Maß. Der Forstbetriebsleiter Süd, Holger Koth, rechnet im Schnitt mit viermal so viel Holz wie üblich - rund 300.000 Kubikmeter. Schuld an der Holzschwemme ist vor allem der Wintersturm "Friederike". Von ihm war der Südharz besonders stark betroffen.

Holzpreise im Keller

Wegen des Überangebots haben sich die Holzpreise halbiert. "Wir haben vor Jahresfrist für dieses Holz 90-95 Euro bekommen pro Festmeter, Kubikmeter. Jetzt liegen wir bei der Hälfte - 40-45 Euro", erklärt Holger Koth, Forstbetriebsleiter Süd. Mindestens drei Jahre soll das Holz in den Nasslagern liegen bleiben. Die Hoffnung: Dann hat sich der Holzmarkt eventuell erholt und die Preise steigen wieder.

Koth ist verantwortlich für mehr als 21.000 Hektar Wald - vom Südharz bis nach Zeitz. Der Sturm war das eine Wetterextrem, die lang anhaltende Trockenheit und der darauf folgende Borkenkäfer das andere. Der Wald hat stark gelitten. "Das ist schon dramatisch dieses Jahr. Ich bin seit 41 Jahren dabei. So ein Jahr wie dieses haben wir noch nicht miterlebt", sagt Koth. Er spricht von den "drei Katastrophen", die dazu führten, dass im November noch immer Schadholz im Wald liegt. Das sei auch bis Jahresende nicht zu schaffen.

exakt | 21.11.2018 Eindrücke vom Praktikum im Forstbetrieb

Reporterin Julia Cruschwitz mit Förster Thomas Fritz
Gigantische Mengen Holz lagen im Südharz bei Roßla. In diesem Jahr gibt es viermal so viel Holz wie normal, rund 300.000 Kubikmeter. Verkaufen lohnt sich nicht, die Holzpreise sind im Keller. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Reporterin Julia Cruschwitz mit Förster Thomas Fritz
Gigantische Mengen Holz lagen im Südharz bei Roßla. In diesem Jahr gibt es viermal so viel Holz wie normal, rund 300.000 Kubikmeter. Verkaufen lohnt sich nicht, die Holzpreise sind im Keller. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Reporterin Julia Cruschwitz mit Förster Thomas Fritz
Reporterin Julia Cruschwitz klettert mit Steigeisen auf den bis zu sechs Meter hohen Holzberg. Der Lagerplatz ist nur einer von fünf "Nasslagern" in Sachsen-Anhalt. Mit Förster Thomas Fritz reinigt sie eine von 250 Düsen der Beregnungsanlage. Sie lernt: Das Holz muss dauer-beregnet werden, damit es frei von Schädlingen und Pilzen bleibt. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Reporterin Julia Cruschwitz mit Förster Thomas Fritz
Sachsen-Anhalt erlebt in diesem Jahr eine Holzschwemme. Hauptschuldiger ist der Sturm "Friederike" im Januar. Auch die lange Trockenheit und der Borkenkäfer setzten dem Wald zu. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Maschine lädt im Wald Bäume auf
Die toten Bäume müssen raus, sonst kann sich der Borkenkäfer unkontrolliert vermehren. Hier ist der sogenannte Forwarder im Einsatz, der das Schadholz auflädt und aus dem Wald transportiert. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Teppo, finnischem Harvester-Fahrer
Um die enormen Schäden zu bewältigen, hat der Landesbetrieb Fachleute aus der ganzen Welt eingekauft - wie Teppo aus Finnland. Er und seine Kollegen arbeiten sechs Tage in der Woche, täglich elf Stunden am Stück und in der Dunkelheit mit Scheinwerfern. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Harvester im Einsatz
Waldarbeit ist nach wie vor ein gefährlicher Beruf. Zu den Hochzeiten der Sturmholzbeseitigung waren allein im Forstbtrieb Süd 50 Harvester gleichzeitig im Einsatz. Ein einziger Harvester ersetzt bis zu zwölf Waldarbeiter. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Reporterin Julia Cruschwitz mit Holger Koth, Leiter Forstbetrieb Süd
Holger Koth leitet den landeseigenen Forstbetrieb Süd und ist verantwortlich für mehr als 21.000 Hektar Wald. "Wir sind jetzt im November immer noch nicht fertig, wir haben noch jede Menge Schadholz liegen bzw. stehen und werden es auch bis Jahresende nicht schaffen." Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Reporterin Julia Cruschwitz säht Eicheln mit Azubis
Während die einen noch damit beschäftigt sind, das Holz aus dem Wald zu holen, kümmern sich die anderen darum, dass hier bald wieder Bäume wachsen. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Vier angehende Forstwirte in Arbeitskleidung
Zusammen mit den Azubis bearbeitet Reporterin Julia Cruschwitz den Waldboden und sät Eicheln. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Eimer mit Eicheln
Die haben sie vorher hier im Wald eingesammelt. So sollen die Bäume möglichst natürlich nachwachsen. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig
Von Schadholz befreites Waldstück im Südharz
Der Sturm "Friederike" hat vor allem Fichten abgebrochen und entwurzelt. Allein für die Aufforstung der Schadflächen rechnet der Forstbetrieb Süd mit mindestens zehn Jahren. (Dieses Thema im Programm: MDR Fernsehen | exakt | 21. November 2018 | 20:15 Uhr) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Doch die toten Bäume müssen raus, sonst kann sich der Borkenkäfer darin unkontrolliert vermehren. Sechs Tage die Woche arbeiten sie hier, täglich 11 Stunden am Stück, in der Dunkelheit mit Scheinwerfern. Um die Arbeit zu bewältigen, hat der Landesbetrieb Fachleute aus der ganzen Welt eingekauft. Wie Teppo aus Finnland: "Wir sind in Frankreich gewesen. Überall. Immer wenn Sturm ist, geht es meistens los."

Reporterin Julia Cruschwitz säht Eicheln mit Azubis
Die großen Monokulturen sind Geschichte. Künftig soll hier ein Mischwald entstehen. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig

Das ist nur aber nur ein Teil der Forstarbeit. Dass hier bald wieder Bäume wachsen, darum kümmern sich die Azubis und Ausbildungsleiter Andreas Walter. Mit einer Hacke ziehen sie eine kleine Furche in den Waldboden und säen Eicheln, damit die Bäume möglichst natürlich nachwachsen.

Ich habe mich dafür entschieden, weil ich gerne draußen bin. Mir gefällt die harte Arbeit. Und es macht Spaß.

Nick Künzel, Auszubildender

An Auszubildenden herrscht hier kein Mangel. Es gibt jedes Jahr mehr Bewerbungen als der Landesforst annehmen kann. "Wir können sie leider nicht behalten. Das ist eigentlich unser Manko", sagt Ausbilder Walter. Jahrelang seien die fertig ausgebildeten Forstwirte in andere Bundesländer abgewandert. Bei der Landesregierung hat inzwischen ein Umdenken eingesetzt. 48 neue Stellen im Forstbereich hat sie in Aussicht gestellt. Die sind auch dringend notwendig, denn das Durchschnittsalter der Waldarbeiter hier liegt bei 58 Jahren.

Von Schadholz befreites Waldstück im Südharz
Der Südharz gleicht einem Schlachtfeld. Beim Sturm "Friederike" im Januar 2018 kippten die Fichten wie Streichhölzer. Bildrechte: MDR/Jonathan Schörnig

Die Waldarbeiter erzählen: Sie merkten deutlich, dass das Wetter sich verändert. Die Bäume treiben früher, es regnet weniger und die Stürme nehmen zu. Wegen des Klimawandels pflanzen sie Weißtannen in weiten Abständen. Die wurzeln tiefer als Fichten und können so dem Sturm besser standhalten. Bis der Wald umgestaltet ist, wird es allerdings noch Generationen dauern. Allein für die Aufforstung der Schadflächen von "Friederike" rechnen sie hier mit mindestens zehn Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 21. November 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2018, 21:19 Uhr

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