Wirtschaft Unternehmer hoffen auf stabile Regierung in Thüringen

Linke, SPD und Grüne haben sich auf eine Minderheitsregierung für Thüringen verständigt. Im Landtag fehlen ihr vier Stimmen für eine Mehrheit. Die CDU ist hin und hergerissen zwischen der Oppositionsrolle und der Möglichkeit, einzelne Projekte zu unterstützen. Zu Letzterem wird sie zunehmend von Thüringer Unternehmern gedrängt.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Auto-Produktion bei Opel in Eisenach
Drei Monate nach Landtagswahl: Thüringer Wirtschaft wird langsam ungeduldig. Bildrechte: imago/Bild13

Dass er einmal ein Herz für einen Linken haben würde, hätte Helmut Peter vor fünf Jahren selbst nicht geglaubt. Der Unternehmer sitzt in seinem Mercedes-Autohaus in Nordhausen. Von hier aus lenkt er eine ganze Firmengruppe mit 800 Mitarbeitern. Peter gilt als konservativ. Spitzname "schwarzer Peter". Die Linke sah er lange mit Argwohn, bis Bodo Ramelow ihn mal besuchte.

Dazu sagt Helmut Peter: "Vor fünf Jahren, da war ich mit einer der Hauptgegner. Wir waren auf dem Domplatz und haben demonstriert. Heute muss ich sagen, der Bodo Ramelow hat einen ordentlichen Job gemacht. Unsere Linke würde ich ja zur SPD zählen. Und da sind doch viele vernünftige Menschen drin, die auch die Wirtschaft sehen."

Unternehmer fordern Bewegung von CDU

Auto-Unternehmer Peter wirbt in Thüringen für ein schwarz-linkes Bündnis. Eine Art ostdeutsche Große Koalition. Doch so ein Bündnis ist nach heutigem Stand ausgeschlossen. Zu stark sind die Widerstände, vor allem in der CDU.

Das weiß auch Niels Neu. Und doch sagt auch der Vorsitzende des Nordthüringer Unternehmerverbands, die CDU sollte sich bewegen: "Ich würde der CDU persönlich raten, wenn es um Projekte geht, die für das Land wichtig sind, zusammenzuarbeiten. Also eine Koalition kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich kann mir vorstellen, dass man bei Projekten einfach zusammenarbeitet. Und dass man da die Mehrheit, die der Wähler nun einfach als Wählerauftrag gegeben hat, nutzt, um schnell zu Entscheidungen zu kommen."

Wirtschaft wird ungeduldig

Über die Möglichkeit, bei einzelnen Projekten mit Linken, SPD und Grünen zusammenzuarbeiten, berät die CDU seit Wochen. Bislang ohne Ergebnis. Mehr als drei Monate ist die Landtagswahl nun her. Viele Unternehmer werden ungeduldig. Cornelia Haase-Lerch ist Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt:

Aus Sicht der Wirtschaft erwarten wir natürlich sehr zügig eine handlungsfähige Regierung.

Cornelia Haase-Lerch IHK Erfurt

Die erwarte die Wirtschaft vor allem, weil sie jemanden brauche, der die wirtschaftspolitischen Themen fest in den Blick nehme und so zum Wohle des Freistaats beitrage. Das sieht auch Ute Zacharias so. Die Sprecherin vom Verband der Thüringer Wirtschaft sagt, vieles bliebe unerledigt: der Lehrermangel, der Ausbau der Infrastruktur.

Und dann schwächle auch noch die Konjunktur, meint Ute Zacharias: "Wir haben schon starke wirtschaftliche Einbrüche in Thüringen, insbesondere in der Automobilindustrie, in der Metall- und Elektroindustrie. Da kann man zum Teil schon von Rezession sprechen. Das heißt, wir brauchen ein investitionsfreundliches Klima. Und dafür brauchen wir stabile Verhältnisse in Thüringen."

Einzelunternehmer drängen CDU zu Kooperation mit Linken

Eine Koalitionsempfehlung geben die beiden Verbandsvertreterinnen aber ausdrücklich nicht. Es sind vor allem Einzelunternehmer, die Thüringens CDU zu mehr Offenheit gegenüber der Linken drängen. Helmut Peter ist mit Bodo Ramelow inzwischen per Du – und nicht nur das.

Er habe bei der Landtagswahl auch Rot gewählt. Allerdings ging nur seine Zweitstimme an die Linken. Die Erststimme gab der Unternehmer, den sie "schwarzer Peter" nennen, doch wieder der CDU.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Januar 2020 | 08:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 08:50 Uhr