Mitteldeutschland Immer mehr Schlachthöfe schließen

Sachsens Bauernverband sieht das Schlachthofsterben in Mitteldeutschland mit Sorge. Eine Verbandssprecherin sagte MDR AKTUELL, in den vergangenen Jahren hätten Schlachthöfe in Dresden, Chemnitz und Naunhof geschlossen.

Schweine stehen in einem konventionellen Kastenstall.
Viele Schlachthöfe in Mitteldeutschland machen zu. Die Tiere müssen deswegen über weitere Strecken transportiert werden. Bildrechte: dpa

Durch ein Fenster sieht man schon die Schweine, die acht Tage zuvor bei Kristin Heinichen auf dem Mastbetrieb in Zwenkau angekommen sind. Insgesamt verbringen die Schweine rund dreieinhalb Monate hier im Stall. Angereist sind sie aus der Nähe von Grimma. Wenn sie ausgewachsen sind, geht es zum Schlachthof nach Altenburg in Thüringen.

Mehr Stress für die Tiere, höhere Kosten für die Bauern

Damit legen diese Tiere relativ kurze Strecken zurück. Der An- und Abtransport dauert jeweils eine halbe bis Dreiviertelstunde. Aber der Schlachthof in Altenburg wird bald keine Schweine mehr schlachten. Im ersten Quartal 2020 wird der Betrieb dort komplett auf Rinderschlachtung umgestellt.

Dann muss Kristin Heinichen ihre Schweine nach Weißenfels nach Sachsen-Anhalt fahren. Sie hat damit noch Glück, wie sie später im Hof erklärt: "Wir haben das Glück, dass wir geschickt liegen, zentral, also in die eine Richtung 30 Minuten und in die andere auch, für Ostsachsen ist das deutlich schwieriger, die haben dann nochmal einen weiteren Weg, sei es nach Norden, Perleberg, oder dann doch Weißenfels."

Längere Wege bedeuten nicht nur mehr Stress für die Tiere, sondern auch höhere Kosten für Landwirte. Spezielle Transportunternehmen sind immer schwerer zu finden, dazu kommen Änderungen in der Transportverordnung, die unter anderem strengere Regeln für die Transportzeiten beinhalten.

Immer mehr Schlachthöfe in Mitteldeutschland schließen

Aber die Anlaufstellen für Landwirte werden immer weniger. In den letzten Jahren haben sechs Schlachthöfe in Mitteldeutschland geschlossen. Juliane Bergmann vom Landesbauernverband vermutet, dass diese Zentralisierung aus Kostengründen passiert.

In den vergangenen Jahren hätten in Sachsen natürlich in Dresden, Chemnitz, Naunhof, beispielsweise Schlachthöfe geschlossen, teilweise hänge das auch mit den zunehmend strengeren Anforderungen zusammen, die von den Schlachthöfen nicht geleistet werden könnten.

Bauernverband: "Aus für Regionalität"

Wenn in Altenburg der Betrieb erst mal eingestellt ist, gibt es in ganz Sachsen und Thüringen keine nennenswerten Schlachthöfe mehr. In Weißenfels in Sachsen-Anhalt werden dann auch Schweine aus Ostsachsen, aus dem Grenzgebiet zu Polen ankommen. Das sind mehr als 230 Kilometer. Der Schlachthof in Weißenfels gehört zu Tönnies, dem größten Schweineschlachter in Deutschland. Ohne ihn ginge es hier nicht mehr weiter.

Dann würde die Schweinehaltung in Sachsen nicht mehr möglich sein, meint Bergmann. Die Transportwege wären deutlich zu weit. Es ginge dann nach Bayern, Hessen, Niedersachsen, wo die nächsten Schlachthöfe liegen.

Doch der  Landesbauernverband spricht schon Jetzt vom "Aus für die Regionalität". Denn wenn das Schwein bei Tönnies erst zerlegt ist, hat der Züchter keinen Einfluss mehr darauf, ob es in der Region bleibt und hier vermarktet wird.

Landwirtin: "Nicht das, was die Gesellschaft einfordert"

Für Landwirtin Kristin Heinichen aus Zwenkau ein echter Rückschritt: "Das ist schade. Das ist eigentlich antizyklisch wie man sich das gerne wünscht, und wie es im Moment auch von der Gesellschaft eingefordert wird."

Sie hat sogar schon mit dem Gedanken gespielt, selbst einen Schlachtbetrieb zu starten. Aber das, sagt sie, bleibt erstmal eine Spinnerei. Zu wenig Personal, zu viele Verordnungen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Dezember 2019 | 06:00 Uhr

5 Kommentare

vtw vor 31 Wochen

das sind die Vorboten des Klimawandels - Fleisch essen ist "Böse" - hat das noch keiner gemerkt ?
Und in Sachsen kann die 8,6 % Partei erste Erfolge nach Berlin melden !

Anhaltiner vor 31 Wochen

Immer mehr Schlachthöfe in Mitteldeutschland schließen. Bauernverband: "Aus für Regionalität".Doch der Landesbauernverband spricht schon Jetzt vom "Aus für die Regionalität". Denn wenn das Schwein bei Tönnies erst zerlegt ist, hat der Züchter keinen Einfluss mehr darauf, ob es in der Region bleibt und hier vermarktet wird. Ganz merkwürdige Vorstellungen des Bauernverbandes von Regionalität. Eigentlich ein Brüller !

ralf meier vor 31 Wochen

Hallo, es muß nicht immer um die Welt gehen. Das Fleisch von Schweinen, die ihr kurzes Leben lang auf einer Fläche von 0,75 Quadratmeter vegetieren müssen und sich damit nicht bewegen können, esse ich auch dann nicht, wenn ihre Anfahrt zum Schlachthof nur eine Stunde dauert.
90% aller Schweine vegetieren übrigens so laut 'Gütesiegel Stufe 1 Stallhaltung'.

Siehe dazu WDR 'Was bedeutet die neue Fleisch-Kennzeichnung?'