Tourismus Jüngeres Publikum entdeckt den Spreewald für sich

Der Spreewald ist ein beliebtes Ausflugsziel, um die Seele einmal baumeln zu lassen. Und 2020 auch vermehrt für jüngere Touristen - die statt etwa in den Süden zu düsen nun auf Entdeckungstour hierzulande gehen.

Vater mit seinen beiden Söhnen sitzen im Boot
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Traditionell sind die Spreewaldkähne die wichtigste Attraktion für den Tourismus im Spreewald. Schon vor über 100 Jahren schipperten damit die Besucher durch die Fließe und Kanäle dort. Fast 500 gibt es heute davon. Etwa 250 allein im großen Spreewaldhafen von Lübbenau. Während man noch in der letzten Saison vor allem Busreisegruppen mit Senioren begrüßte, gibt es in diesem Sommer auffällige Veränderungen.

Das Publikum habe sich dieses Jahr merklich geändert , erklärt Steffen Franke, Hafenmeister der Kahnfährgenossenschaft Lübbenau. Dies sei eine Folge der Corona-Krise. So dass "viele jüngere Leute kommen, die sonst eher im Süden unterwegs wären", so Franke. Aus Gesprächen wisse er, dass darunter viele seien, die normalerweise mit dem Wohnmobil durch Spanien oder Italien reisen würden.

Kahn im Spreewald 4 min
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MDR um 4 Mo 08.06.2020 17:00Uhr 03:56 min

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Rückgang der Besucher 60+

Spürbar zurückgegangen seien jedoch die Besuche der "ureigenen Klientel, also die Älteren, 60+", wie Hafenmeister Franke sagt. Wegen der Corona-Pandemie hielten sich diese mit Ausflügen und auch Tagesreisen derzeit zurück. Die Fahrten mit den Spreewaldkähnen können unter Einhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen durchgeführt werden. Dafür wurden die Sitzreihen unter anderem vereinzelt und zudem auch mit Schutzfolien überzogen.

Seit Jahren immer mehr Individualtouristen

Den Spreewald individuell selbst zu erkunden, wurde in den letzten Jahren generell immer beliebter. Die Zahl der Tagesbesucher und Übernachtungen stieg kontinuierlich an. 2006 überschritt die Region zum ersten Mal deutlich die Ein-Millionen-Marke.

2019 zählte man im Spreewald mehr als zwei Millionen Besucher. Welche Folgen die Corona-Krise auf die Gästezahlen haben wird, wird sich noch zeigen.

Historisches Dorf im Spreewald 8 min
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Umschau Di 14.07.2020 20:15Uhr 08:25 min

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Belastung für die Natur nimmt zu

Seit 30 Jahren ist der Spreewald ein Biosphärenreservat. Als Kulturlandschaft ist er UNESCO-Weltkulturerbe. Der zunehmende Indivdualtourismus hat auch seine Schattenseiten für die Region. Davon berichtet Ralf Hegewald, der Gebietsleiter bei der Naturwacht Spreewald ist.

Spreewald-Ranger schaut durchs Fernglas
Ralf Hegewald ist Gebietsleiter bei der Naturwacht Spreewald. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Viele bleiben nun in Deutschland, machen dort Urlaub. Demzufolge ist der Druck, auch in einem Biosphärenreservat, relativ hoch", sagt er. Hier müsse auf Schutz für die Tier- und Pflanzenwelt geachtet werden. Man könne jedoch auch vermehrt Wohnmobile etwa auf einer Wiesenzufahrt antreffen. Hier würde dann bestimmt darauf hingewiesen, dass der Platz dann zu räumen sei. "Das ist zunehmend unser Problem", so Hegewald.

Gut zu wissen Die ursprünglichen Bewohner des Spreewaldes sind die slawischen Wenden. So bezeichnen sich die Sorben der Niederlausitz.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 14. Juli 2020 | 20:15 Uhr