COVID-19 Corona: Thüringen verspricht Soforthilfe für Unternehmen

Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufedern, hat Thüringen schnelle Hilfen für angeschlagene Unternehmen angekündigt. Wirtschaftsminister Tiefensee sagte MDR AKTUELL, die Verfahren dafür seien sehr schlank. Das Kabinett müsse die Maßnahme allerdings noch endgültig beschließen. Im Gespräch sind Soforthilfen von bis zu 30.000 Euro pro Unternehmen.

Haflinger im Gestüt Meura
Auch das Haflinger Gestüt im Thüringer Wald steht vor einer wirtschaftlichen Katastrophe. Bildrechte: MDR/Julia Langguth

Für Pferdezüchter aus aller Welt ist das kleine Dorf Meura eine der ersten Adressen. Hier mitten im Thüringer Wald liegt das größte Haflinger Gestüt Europas. Anke Sendig ist die Inhaberin:

"Sie sehen hier den Hengststall. Dann hier drüben sind die großen Stallanlagen für die Stutenherden und die Nachzucht. Die Reithalle, da vorne sind unsere Koppeln und der Reitplatz. Hier haben wir die neuen Mobilheime, die haben wir erst neu angeschafft. Und da haben wir also auch sehr viele Buchungen gehabt."

Wegen Corona: Gestüt vor dem Aus

Alles storniert, so wie die Fahrkurse für Pferdegespanne oder die Reiterferien für Kinder. Wie der Verkauf der im Winter ausgebildeten Pferde ist auch das touristische Geschäft völlig weggebrochen.

Anke Sendig
Anke Sendig ist die Inhaberin des Gestüts. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anke Sendig spricht von einer wirtschaftlichen Katastrophe, die sogar das Aus für ihren Betrieb bedeuten könnte: "Also ich hoffe es nicht, aber die Angst habe ich natürlich schon, denn die Liquiditätssituation ist sehr, sehr angespannt."

Einnahmen fallen weg, Ausgaben bleiben

350 Pferde gilt es weiter zu versorgen. Tierarzt und Schmied müssen bezahlt werden, genauso wie die 15 Angestellten und sechs Auszubildenden, zu denen auch die 17-jährige Emily gehört:

"Unsere Zwischenprüfung wurde jetzt erstmal abgesagt. Das ist halt schon so was, was einem so ein bisschen Angst bereitet, weil es ja auch eine Vorbereitung auf die Abschlussprüfung ist. Also es ist schon schwierig."

Sorge bei den Mitarbeitern

Alle hier machen sich Sorgen. Die Unsicherheit ist sehr groß, sagt auch Helena: "Wie lange wird das dauern, werde ich meine Arbeit behalten, das sind Gedanken, die die Mitarbeiter beschäftigen. Und wann ist dieser wirtschaftliche Crash. Wann ist der Tiefpunkt erreicht und wann geht es wieder bergauf und kann man den Unternehmen helfen. Das sind alles Gedanken, die einem da so rumschwirren."

Soforthilfe versprochen

Bund und Länder haben Hilfe versprochen. Auch Thüringen bereitet die Auflage eines zusätzlichen Liquiditätssicherungsprogramms als Soforthilfe vor. Und die werde unbürokratisch funktionieren,  verspricht Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee:

"Das Verfahren wird sehr schlank sein, wir werden zwei bis drei Blätter auszufüllen haben. Und dabei wird es ganz wesentlich um eidesstattliche oder rechtsverbindliche Erklärungen gehen, die das Unternehmen abgeben muss. Das Kabinett muss endgültig darüber beschließen und vor allem arbeitet die Finanzministerin mit Hochdruck daran, eine Möglichkeit zu finden, ohne einen Nachtragshaushalt auszukommen."

Sendig: "Es muss schnell gehen"

Am besten wäre, wenn sich die Überbrückungshilfen an den Umsatzeinbrüchen orientierten, meint Anke Sendig. Vor allem aber müsse es schnell gehen. Das sei für viele Betriebe eine Existenzfrage:  

"Die Hausbanken haben wir schon angerufen, die haben also auch noch nicht die ganzen Antragsunterlagen, die man für die Antragsstellung dieser ganzen Kredite oder Zuschüsse benötigt. Und ich hab also wirklich große Angst, dass das zu lange dauert, dass es zu spät kommt."

Angeblich wird es ab Montag möglich sein, erste Anträge auf Soforthilfe bis zu 30.000 Euro zu stellen. Ein sogenanntes Express-Verfahren soll garantieren, dass zwischen dem Gesuch und der Auszahlung des Geldes in der Regel nur fünf Tage liegen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. März 2020 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Erichs Rache vor 31 Wochen

Hubschraubergeld wäre jetzt das einzig ökonomisch Vernünftige. Was nützen den Unternehmen Kredite, die sie später mit Zins und Zinseszins zurückzahlen müssen.
"Verteilt" staatliche liquide Mittel an die Thüringer Bürger*innen und Bürger , damit sie ihre Nachfrage und Kaufkraft "aufrechterhalten" und somit die Unternehmen stützen.