Hund beim Tierarzt
Viele Tierärzte kritisieren den Aufkauf ihrer Praxen durch Investoren, andere wiederum begrüßen dies. Bildrechte: Colourbox.de

Investments Konflikt zwischen Tierärzten und Investoren

In Deutschland werden Tierarzt-Praxen zunehmend von Großinvestoren aufgekauft. Der Vizepräsident der sächsischen Tierärztekammer, Volker Jähnig, sagte MDR AKTUELL, am Ende gehe es nicht mehr um die kranken Tiere, sondern nur noch um ökonomische Zwänge.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Hund beim Tierarzt
Viele Tierärzte kritisieren den Aufkauf ihrer Praxen durch Investoren, andere wiederum begrüßen dies. Bildrechte: Colourbox.de

Zu Besuch bei Volker Jähnig, Tierarzt in Leipzig: Jähnig hat Mittagspause, doch seine Patienten bellen um Aufmerksamkeit. Seit 28 Jahren betreibt er seine Tierarztpraxis. Er ist stolz auf seine Operationsräume und seine Angestellten.

Sorge um Patienten

Tierarzt Volker Jähnig
Volker Jähnig ist Tierarzt und Vizepräsident der Tierärztekammer Sachsen. Bildrechte: Ralf Geißler

Mit Unbehagen beobachtet Jähnig, dass mehr und mehr Tierärzte ihre Praxen an Investoren verkaufen. Jähnig erklärt: "Wenn hier Kapitalgesellschaften auf den Markt kommen und Tierarztpraxen oder Kliniken kaufen, arbeiten dort nur noch angestellte Tierärzte. Zum Schluss [...] geht es nicht darum, was der Chefarzt möchte, sondern um ökonomische Zwänge."

Das ist für unsere Patienten mit Sicherheit nicht gut.

Volker Jähnig, Tierarzt

Investoren auch von Vorteil

Vor allem zwei Investoren übernehmen Praxen: AniCura und Evidensia. Hinter AniCura steckt der amerikanische Mars-Konzern – bekannt für seine Schokoriegel. Doch Mars ist auch ein großer Tierfutterhersteller. Was will der Konzern mit den Praxen? Droht der Tiermedizin ein Preiskampf? Viele Tierärzte sind besorgt. Jene, die einen Nachfolger suchen, sähen den Investor dagegen oft positiv, sagt Heiko Färber vom Bundesverband praktizierender Tierärzte.

Färber erklärt: "Bisher ist es so, dass viele Praxen oder Kliniken aufgrund ihrer schieren Größe kaum mehr verkaufbar sind. Auch weil viele Tierärzte heute gar nicht mehr selbstständig, sondern angestellt sein wollen. Und gerade der Verkauf einer Klinik oder Praxis ist auch ein ganz zentraler Punkt der Altersversorgung. Das ist jetzt schlichtweg einfacher zu realisieren. Man hat wieder einen Käufer."

Worum es den Investoren geht

Für eine große Praxis zahle AniCura auch mal ein oder zwei Millionen Euro, heißt es in der Branche. Bislang hat das Unternehmen in Deutschland 36 Praxen übernommen. Den angestellten Ärzten nehme man Marketing und Verwaltungsaufgaben ab, sagt Manager Nicolas Haas.

Und er widerspricht, dass es nur um Profit gehe: "Wir investieren wahnsinnig viel in fachliche Qualität, Mitarbeiter, Prozessqualität, Equipment und so weiter. Das heißt, die Themen Weiterentwicklung und Spezialisierung sind für uns wahnsinnig wichtig, weil wir so auch Tierärzte an Bord bekommen, die diese Qualität leisten können. Dadurch sind wir ein attraktiver Arbeitgeber für die Leute."

Investitionen in Mitteldeutschland

Demnächst dürfte AniCura die erste Praxis in Thüringen kaufen. Die Tierärztekammer des Landes hat der Übernahme diese Woche zugestimmt. In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist es für den Investor schwieriger. Vor allem die Kammer in Sachsen legt das Landesgesetz restriktiv aus.

Demnach dürfe nur ein Tierarzt eine Klinik oder Praxis besitzen, sagt Tierarzt und Kammer-Vizepräsident Jähnig. "Die Delegiertenversammlung hat sich [...] gegen eine Änderung des Heilberufe-Kammer-Gesetzes entschieden. Das heißt, wir möchten, dass es so bleibt, wissen aber, dass wir damit auf keinem guten Posten stehen."

Denn zwei Ärzte haben gegen die Regelung geklagt. Sie wollen an einen Investor verkaufen. Tierarzt Jähnig bedauert das. Sich vernetzen, spezialisieren, teure Geräte gemeinsam nutzen – all das könnten Tierärzte doch auch selbst organisieren, ohne einen Großkonzern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 11. April 2019 | 06:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 05:00 Uhr

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12 Kommentare

12.04.2019 10:49 Zwangen Annette 12

Vor ein paar Jahren hatte ich im Wurf 2 Welpen mir Entropie das operiert werden musste! Habe mich Dan in Praxen nach Preis und OP-Erfahrung erkundigt. Mit weitem Abstand war SmartVet die teuerste, hinzu hatte ich das Gefühl der anwesende TA hatte nicht viel Ahnung und hat vor Angebot mehrfach mit Berlin (Sitz des Investors) telefoniert!

12.04.2019 08:17 Christian Biewer 11

Im Kommentar des Vertreters von Anicura kommt das Adjektiv "wahnsinnig" zwei Mal vor. Sicher ein Zeichen!
Für die Verkäufer einer Klinik ist der Investor ein Segen, jedenfalls solange, bis er als "Geschäftsführer" merkt, was ein Sales Forecast ist, und wenn Ziele nicht erreicht werden.
Ich war 20 Jahre in der Branche, und diese Entwicklung wird motivierte Tiermediziner weiter demotivierend. Konzepte wie bspw Smartvet sind deshalb vor Jahren schon gescheitert, und hier wird es genauso laufen
Ich kann jeden nur motivieren im Falle einer Niederlassung seinen eigenen Weg zu gehen. Die Abhängigkeit von Investoren entspricht nicht dem Naturell eines curativem Tierarztes - der Vergleich mit Krankenhäusern ist durchaus korrekt, auch hier diktiert die Betriebswirtschaft und nicht die medizinische Anforderung. Die Situation ist entsprechend!
Grüße

12.04.2019 07:12 Angelika Hellmanowitz 10

Ich hätte kein vertrauen mehr. Wir haben dann das gleiche wie mit unseren kranken häusern. Es zählt nur noch der Profit und da die Tere
hier keine Lobby haben,ist es auch ein leichtes sie als Versuchskaninchen zu benutzen. Ich habe einen Tierarzt dem ich vertraue und so soll es bleiben. Warum muss alles groß werden,denkt endlich um.

11.04.2019 18:26 Christine Clark 9

Ich hätte kein Vertrauen in eine Klinik, die Investoren gehört. Letztendlich läuft es auf eine Entscheidung hinaus, ob man sich den Tierarzt leisten kann. Es gibt immer wieder Leute, deren Tiere von normalen Kliniken kostenlos oder zu reduzierten Preisen oder mit Ratenzahlung behandelt werden, oder es gibt Sonderkonditionen für Tierheime. Das alles fiele bei einer Klinik weg, die Investoren gehört. Unsere Welt wird mmer unmenschlicher. Wenigstens, wenn es um das Wohl der Tere geht, soll es noch nach ethischen und nicht nur nach kommerziellen Gesichtspunkten zugehen. Ich tue alles für meine Tiere, zahle auch die beste Behandlung für meine Tiere, wenn es für sie Sinn macht und habe schon oft 'fremde' Tierarztkosten übernommen.

11.04.2019 17:34 Catriona 8

Mein Tierarzt (FTÄe für Pferde) ist eine Partnerschaftsgesellschaft. Die Tiere sind dort eigentlich Privatpatienten und die Behandlung ist demensprechend. Das ist bei anderen privaten TA bisher sicherlich ähnlich. Es wäre schade wenn sich das ändern würde. Die Medizin, auch die Humanmedizin, sollte eigentlich überhaupt nicht profitorientiert sein. In einer idealen Welt...

11.04.2019 13:08 UweZi 7

Mit den Investoren ist es wie mit den Politikern. Was sie sagen ist das eine, was sie machen das andere. Gerade Großinvestoren geht es mit Sicherheit vorrangig um den Profit, weil deren Manager im Prinzip Angestellte der Anleger sind. Und die Anleger erwarten gute Renditen. Der Rest ist denen gewöhnlich egal. Soviel zur Aussage des Investors zum Thema.

11.04.2019 12:08 Sr.Raul 6

Netter Text, @04 (Gute...), bloß Was hat der Inhalt nun mit dem neuerliche Auswuchs des Kapitalismus zu tun?

11.04.2019 10:46 Sr.Raul 5

Na, da sind ja dann die Human- und Veterinärmedizin sozusagen auf Augenhöhe.

11.04.2019 10:35 Gute Entscheidung treffen! 4

Am Ende muss doch der Tierhalter eine wichtige Entscheidung treffen, die er sich bestimmt nicht leicht macht. Aber wenn man merkt, dass dem Tier nicht zu helfen ist, das Leiden durch noch mehr vermeintliche tierärztliche "Kunst" verlängert und dessen Konto gefüllt wird, dann muss man sich verabschieden.
Das ist zwar traurig, aber als kleinen Trost kann man die schöne Zeit, die man mit dem Tier hatte, in guter Erinnerung behalten.
Und - wenn man die Trauer überwunden hat - wartet vielleicht im Tierheim ein anderes Tier auf eine kurze schöne Lebenszeit zu Hause.

11.04.2019 10:30 Realismus 3

Die medizinische Versorgung wird doch immer als "Dienstleistung" deklariert. Daher ist das System doch klar, Dienstleistungen sind immer am Profit orientiert. Versorgung = Geld, egal ob im Rettungsdienst, der Pflege oder der Tiermedizin.