Nach Demonstrationen Übernachtungszahlen in Chemnitz gesunken

Nach den Ereignissen um den gewaltsamen Tod von Daniel H. im Spätsommer sind deutlich weniger Touristen nach Chemnitz gekommen. Laut der Stadt sagten viele internationale Gäste vereinbarte Besuche ab.

Nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. im Spätsommer und den darauf folgenden Demonstrationen ist die Zahl der Touristen in Chemnitz deutlich gesunken. Das geht aus den Zahlen der Stadt hervor, die dem MDR vorliegen. Demnach ist die Zahl der Übernachtungen in Chemnitz im September 2018 im Vergleich zum Vorjahresmonat um vier Prozent auf knapp 48.000 gesunken.

Harter Einbruch nach Aufwärtstrend

Der Einbruch hängt nach Einschätzung der Stadt unmittelbar mit den Demonstrationen und der internationalen Berichterstattung dazu zusammen. Er kam mitten hinein in einen Aufwärtstrend: In den Monaten Januar bis August 2018 hatte es in Chemnitz insgesamt fast 400.000 Übernachtungen gegeben – ein Plus von mehr als vier Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Susan Endler, Marketingleiterin der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft, hatte Nachteile für den Standort befürchtet. "Das war nicht unberechtigt", sagt sie heute. Die Stadt selbst war von dem negativen Trend unmittelbar betroffen: Zu den "Tagen der Industriekultur" in Chemnitz Ende September hatte es nach den Worten von Endler "zahlreiche Absagen" internationaler Gäste gegeben.

Die Tagung wird in Chemnitz jedes Jahr im Herbst veranstaltet und bringt eigentlich zuverlässig Gäste in die Stadt. Dass nun trotz des Events die Zahlen eingebrochen sind, ist ein weiteres Indiz für den Zusammenhang zwischen der Statistik und den Ereignissen um den Tod von Daniel. H.
Endler hält es allerdings für verfrüht, von einem Trend zu sprechen. "Hier müssen wir dann doch die Folgemonate abwarten." Übernachtungszahlen liegen bislang aber nur für September vor, da sie von der Stadt erst mit rund dreimonatiger Verzögerung erfasst werden.

Innenstadt stärker betroffen

Die Hoteliers in der Stadt sind unterschiedlich stark von den sinkenden Zahlen betroffen. So gebe es von den Betreibern in der Innenstadt durchaus negative Meldungen zu den Gästezahlen, sagt Endler. "Allerdings ist die Situation schon auf dem Schlossberg eine ganz andere. Hier melden uns die Hoteliers zum Teil, dass sie gar nichts bemerkt haben."

Oliver Walzer ist Direktor des Dorint-Hotels in Chemnitz, und das Haus steht sozusagen im Auge des Sturms: Mitten in der Innenstadt, direkt gegenüber des Karl-Marx-Monuments, das in den vergangenen Monaten Schauplatz vieler rechter Demonstrationen war. Für das Hotel hatten die Ereignisse zunächst sogar einen positiven Effekt. "Im Rahmen der ganzen Veranstaltungen hatten wir einen Gästezuwach durch Presse, Neugierige und Veranstaltungsteilnehmer", sagt Direktor Walzer. Inzwischen bewegten sich die Buchungen wieder im normalen Bereich. Das könnte Walzer zufolge daran liegen, dass seine Gäste selten Touristen sind – sondern meist Geschäftsreisende, deren Ziel Firmen in und um Chemnitz sind.

Das Image der Stadt hat gelitten

Restaurants und Gaststätten in der Chemnitzer Innenstadt hatten dagegen zuletzt mit einem Gästerückgang zu kämpfen. "Wenn vor der Haustür demonstriert wird, kommen natürlich weniger Besucher", sagt Franziska Luthardt, Geschäftsführerin des regionalen Ablegers vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Von ihren Mitgliedern weiß Luthardt, dass viele Gäste etwa Freitagabend allein deswegen ausbleiben, weil wegen Demonstrationen in der Innenstadt wieder Straßen gesperrt sind und die Parkplätze knapp werden.

Aber auch dem generellen Image der Stadt haben die Ereignisse natürlich geschadet.

Franziska Luthardt Geschäftsführerin des regionalen Ablegers vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband

Luthardt glaubt jedoch, dass sich die Lage bald wieder normalisieren werde – vielleicht sogar schon aktuell durch das Weihnachtsgeschäft.

Stadt blickt optimistisch in die Zukunft

Auch bei der Stadt Chemnitz ist man optimistisch und geht davon aus, dass die Gästezahlen demnächst wieder zunehmen werden. So stünden in der ersten Jahreshälfte 2019 einige Großveranstaltungen an, etwa die bundesweite Mathematikolympiade, der Bundeswettbewerb "Jugend forscht" und die Europäische Tagung für Kulturschaffende. "Wir gehen davon aus, dass im Zuge einer sich normalisierenden Berichterstattung wieder Anlässe wahrgenommen werden, die zu Gästeinteresse führen", sagt Susan Endler von der Chemnitzer Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 18. Januar 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 12:36 Uhr

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115 Kommentare

20.01.2019 11:09 Janine 115

@Ekkehard 113:

Mir ist schon klar, dass du dich gerne auf einfache Zahlen stürzt, die deine ebenso einfach Wahrheiten angeblich stützen, das Leben ist aber ein bisschen komplizierter.

Schaut man sich die Daten der sächsischen Statistikbehörde an, dann waren 2003 4.310 Menschen in Sachsen in Haft. 2017 waren es nur 3.821. Im Jahr 2003 waren da sicher keine Flüchtlinge in Haft!

Ansonsten muss ich dir deine schöne Zahl leider zerlegen! Laut AZR sind fast 15% der Bevölkerung in Deutschland Ausländer. Dazu darfst du dann gerne alle zählen die hier nicht gemeldet sind. Ich sage nur Transit, Pendler, Illegale, Touristen, zur Straftatbegehung eingereiste. Wie viele Millionen das sind kann niemand genau sagen! Die polnischen Banden, über die man sich im Grenzgebiet gerne aufregt werden zwar auch bei uns eingesperrt, sind aber auch nicht in der ausländischen Bevölkerung enthalten.

Also vergleiche nicht immer Äpfel mit Birnen.

20.01.2019 10:42 Fakt 114

>>Ekkehard Kohfeld, #112:
"Der Kracher der Woche 100 - 14 = 80 :-)))))))))))))))))"<<

Bevor Sie dummes Zeug schreiben, sollten Sie an Ihrem Textverständnis arbeiten. Ich schrieb "über 80 Prozent" und nicht "80 Prozent". Zumal man bedenken sollte, dass ein verschwindend geringer Teil für NPD und andere rechte Truppen hinzukommen könnte.

20.01.2019 10:01 Ekkehard Kohfeld 113

@ Janine 110
Unter einer Million Sachsen sind wohl keine Straftäter zu finden? Warum wohl sind die sächsischen Gefängnisse seit Jahrzehnten gut gefüllt.##

Ach und das gibt ihnen nicht zu denken?

"Gemkow: Aktuell haben wir circa 29 Prozent ausländische Gefangene in unseren sächsischen JVA."

Und das natürlich auch nicht?

Veröffentlicht am 12.12.2018
Statistisches Bundesamt: Fast jeder dritte Häftling ist inzwischen Ausländer.

20.01.2019 09:23 Ekkehard Kohfeld 112

@NoFakt 111 Ganz einfach: Zählen Sie die zurzeit 14 Prozent afd-Wähler von der Gesamtzahl der Wähler ab, dann kommen Sie auf die über 80 Prozent realitätsbezogene Bürger.##

Der Kracher der Woche 100 - 14 = 80 :-)))))))))))))))))
Auauauauauauauauaua mein Zwerchfell.
Und in einem andern Kommentar schrieben sie sogar etwas von 20 % zu denen sie gehören:-)))))))

20.01.2019 02:08 Fakt 111

>>007, #94:
"Dazu müssen sie uns mal näher erklären, wer diese 80% Realität"s bezogene Bevölkerung sein soll."<<

Ganz einfach: Zählen Sie die zurzeit 14 Prozent afd-Wähler von der Gesamtzahl der Wähler ab, dann kommen Sie auf die über 80 Prozent realitätsbezogene Bürger. Und rechte Verschwörungstheoretiker finden Sie hier in den Kommentarspalten reichlich - einfach lesen und versuchen zu verstehen.

19.01.2019 22:52 Janine 110

Einige hier scheinen wirklich zu glauben, dass rechtsextremistische Ausschreitungen, über die international berichtet wird einen positiven Werbeeffekt für eine Stadt haben.

@jochen 105: Selten habe ich so einen primitiven Mist wie den ihren gelesen! Unter einer Million Sachsen sind wohl keine Straftäter zu finden? Warum wohl sind die sächsischen Gefängnisse seit Jahrzehnten gut gefüllt. Salz dich gerne zu Hause ein wenn du Angst hast eine Stadt zu betreten. Auf Leute wie dich wartet dort vermutlich eh niemand.

@Jakob 102: Wenn sie sich da mal nicht täuschen. Die Namen sächsischer Kleinstädte oder von Ortsteilen, in denen es zu Ausschreitungen kam sind in Deutschland bekannt und man wird darauf angesprochen wenn man sich als Sachse outet. Nur weil immer noch Touristen kommen bedeutet dies nicht, dass manche Sachsen bewusst meiden.

19.01.2019 21:36 Bronko 109

Ja klar, die "Rechten" sind wieder schuld. Ist das so wie in Dresden, als es wegen Peggi keinerlei Tourismuseinbußen gab und wieder dieses dumme Geschwätz aufgefahren wird? Wenn ich in Dresden sehe, wie jetzt die Prager Straße aussieht, weiß ich, wieso da keiner flanieren will. Im Übrigen hat ganz Sachsen nicht unter Gästedesinteresse gelitten, trotz Berichterstattung - GANZ IM GEGENTEIL! Aber ich sehe schon, hier lese ich wieder die "Fachleute", die Dresden ebenfalls abgeschrieben hatten. Und! Was passiert? Nix.

19.01.2019 21:12 Manni 108

"...man ist ja ständig darauf bedacht, Gründe für den "Kampf gegen Rechts" in Dauerschleife zu bringen."

Das ist totaler Quatsch. "man ist" NICHT "ständig darauf bedacht, Gründe für den "Kampf gegen Rechts" in Dauerschleife zu bringen."
Man ist NUR darauf bedacht, Steuermittel aus dem Haushalt unter irgendeinem Vorwand an die EIGENE KLIENTEL zu verteilen. So einfach ist das.

Die angeblich freie Presse spielt hier die Rolle des medialen Koordinators dieser Steuerumverteilungsaktion. Würden andere regieren, wäre es nicht anders. Dann gebe es einen "Kampf gegen Links", "Kampf gegen Ökologiefeinde", "Kampf gegen Homophobe" oder sonstwas

19.01.2019 20:50 Peter 107

Schon interessant, wie einige Herrschaften bemühen, die messbaren Auswirkungen der Demos in Chemnitz versuchen zu "erklären".

19.01.2019 20:18 Udo K 106

@ MuellerF 97
Wenn man diese Ausfälle einiger Weniger nicht ganz bewußt in den Vordergrund stellt, sähe das schon anders aus.
Diese Leute erfassen und entsprechend bestrafen, das ergäbe Sinn.
Aber man ist ja ständig darauf bedacht, Gründe für den "Kampf gegen Rechts" in Dauerschleife zu bringen.
Dafür stellt man doch gern eine gesamte Menge der Demonstranten als Nazis dar, es muss ja entsprechend wirken. Die Außenwirkung wird wahrscheinlich als notwendiges Übel geschluckt.