Das Firmenschild von Unister hängt am 18.07.2016 neben der Eingangstür zum Firmensitz in Leipzig (Sachsen).
Viele der ehemaligen Mitarbeiter von Unister konnten einen neuen Job finden. Bildrechte: dpa

Neue Investoren für Unister Domains Wo steht das Unternehmen nach der Insolvenz?

Zwar wurden zwei Ex-Manager zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt, aber es ist noch längst nicht alles klar in Sachen Unister. So gibt es weitere juristische Vorwürfe gegen das Unternehmen. Auch die Hintergründe des Todes von Unister-Chef Thomas Wagner sind noch nicht abschließend geklärt. Der Insolvenzprozess schreitet ungeachtet dessen weiter voran. Wo steht das Unternehmen anderthalb Jahre nach der Pleite?

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Das Firmenschild von Unister hängt am 18.07.2016 neben der Eingangstür zum Firmensitz in Leipzig (Sachsen).
Viele der ehemaligen Mitarbeiter von Unister konnten einen neuen Job finden. Bildrechte: dpa

Das Barfußgässchen in der Leipziger Innenstadt: Hohe Häuser mit prachtvollen Fassaden aus der Gründerzeit und dem Jugendstil. Aus einem von ihnen haben bis vor kurzem noch Michael Ballack und Reiner Calmund die Passanten angestrahlt: Sie waren die Werbe-Ikonen für ein Reiseportal der Firma Unister. Das Gebäude – einst Hauptsitz des Internet-Unternehmens - ist inzwischen an eine Immobilienfirma aus Hamburg verkauft.

Der Super-GAU blieb aus

Lucas Franck Flöther
Lucas Flöther ist Insolvenzverwalter im Fall Unister. Bildrechte: dpa

Knapp anderthalb Jahre ist es her, dass die Unister Holding GmbH sich pleite gemeldet hat. Die Abwicklung laufe erstaunlich gut, sagt Insolvenzverwalter Lucas Flöther: "Es sind nahezu alle Portale und Domains veräußert. Damit sind die maßgeblichen Vermögenswerte verwertet. Das war am Anfang des Verfahrens so nicht absehbar, da drohte ja der Super-GAU sozusagen und das wurde ja auch von einigen Gläubigern befürchtet. Denn eine Betriebsschließung, eine Einstellung des Betriebes, hätte sofort die Vernichtung aller Vermögenswerte bedeutet."

Prager Firma kauft Großteil der Reisesparte

Als erstes hat er das Herzstück von Unister unter den Hammer gebracht: Die Reisesparte. Den Anfang macht das Portal "kurz-mal-weg.de", das vier Monate nach der Pleite an einen Reiseveranstalter geht. Kurz vor Weihnachten letztes Jahr dann der größte Erfolg für den Insolvenzverwalter: Die "Rockaway Capital SE", eine Firma mit Sitz in Prag, kauft einen Großteil der Reisesparte, darunter die Aushängeschilder "Ab-In-Den-Urlaub.de" und "Fluege.de".

Viele Domains finden neue Investoren

Und auch für andere Tochtergesellschaften finden sich schnell Investoren: So geht die Domain "kredit.de" an einen Internethändler aus Niedersachsen. Das Portal "Shopping.de" wird vom Konkurrenten "billiger.de" geschluckt, eine andere Seite für Preisvergleiche kauft ein Softwareentwickler aus Berlin. Die Nachrichtenseite "News.de" erwirbt ein mittelständisches Unternehmen aus Nürnberg. Und im November hat Unister nun die letzte größere Tochterfirma verkauft: Der Online-Vermarkter "Ad Up Technology" ging an den Axel Springer Verlag.

Nicht alle Arbeitsplätze konnten gerettet werden

Um das Unternehmen steht es in der Insolvenz also den Umständen entsprechend gut. Aber was ist mit den Mitarbeitern? Insolvenzverwalter Lucas Flöther: "Wir haben in diesem Insolvenzverfahren sozusagen die Braut schön gemacht und das gehört auch zu jeder Insolvenz dazu, dass wir Arbeitsplätze abgebaut haben, abbauen mussten, um überhaupt durch den Tunnel durchzukommen. Aber die Arbeitsplätze, die zum Zeitpunkt der Veräußerung noch da waren, die wurden vollständig von den Käufern übernommen."

Viele ehemalige Mitarbeiter mit neuem Job

Dirk Rogl, 2016
Der ehemalige Unister-Sprecher Dirk Rogl konnte nach der Insolvenz schnell einen neuen Job finden. Bildrechte: dpa

Einige Hundert Menschen waren aber dann allein am Standort Leipzig dennoch plötzlich ihren Job los. Auch der ehemalige Unternehmens-Sprecher Dirk Rogl. Er arbeitet heute wieder in der Tourismusbranche. "Für mich persönlich war es nicht schwer, etwas zu finden, und ich glaube in der Tat, dass Unister immer über einen Pool von wirklich exzellenten Mitarbeitern verfügt hat, so dass ich viele Kollegen kenne, die mit ihrer heutigen beruflichen Situation sehr zufrieden sind", erklärt Rogl. Rogl bezieht sich hier vor allem auf Mitarbeiter aus der Führungsebene des Unternehmens.

Doch Hermann Leistner von der Leipziger Arbeitsagentur bestätigt den Eindruck auch für hunderte Mitarbeiter, aus der Unister-Kundenberatung, die nach der Pleite bei der Arbeitsagentur Schlange standen: "Bei denen ist mir keiner bekannt, der derzeit noch arbeitlos ist. Das hängt sicher auch mit den allgemein guten Arbeitsbedingungen und der guten Entwicklung des Arbeitsmarktes in Leipzig zusammen, so dass wir von Anfang an sehr zuversichtlich waren, dass die relativ schnell wieder eine neue Arbeit finden."

Insolvenzverfahren wird noch Jahre dauern

Die meisten seien wieder in der Kundenberatung gelandet – viele in verschiedenen Callcentern in Leipzig. Also: Weite Teile von Unister sind verkauft, viele ehemalige Mitarbeiter wieder im Job. Bis die Insolvenz endgültig abgeschlossen ist, werden aber noch Jahre vergehen, sagt Involvenzverwalter Flöther. So lange dauere es, bis die Vielzahl der Gläubiger-Forderungen an Unister geprüft sind.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 05.12.2017 | 05:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2017, 08:14 Uhr

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