Öffnungszeiten IHK plädiert für verkaufsoffene Sonntage

Jan Bräuer
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Die Corona-Pandemie hat den Einzelhandel hart getroffen. In Thüringen beklagen die Händler um bis zu 75 Prozent eingebrochene Umsätze in den Monaten März und April. Um das abzufedern, will die Industrie- und Handelskammer Erfurt Läden sonntags öffnen lassen. Das stößt auf Kritik.

Die Erfurter Einkaufsmeile Anger, mit Menschen gefüllt.
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Erfurt, Lange Brücke 1, mitten in der Altstadt. Hier betreibt Carolin Pfleger seit mehr als 20 Jahren ihr Seifenlädchen. Hinter der dunkelgrünen Tür öffnet sich ein Reich aus Badezusätzen, Handtüchern und selbsthergestellten, naturbelassene Seifen.

Passend zu jeder Jahreszeit. Flieder oder Maiglöckchen im Frühjahr, Winterwald im Winter und jetzt im Sommer Toscana. Ein Reich der Düfte, geöffnet von Montag bis Samstag, am Sonntag aber verschlossen - wie viele Geschäfte im Freistaat.

Das möchte die Industrie- und Handelskammer in Thüringen bis zum Jahresende gern ändern. Steffen Schulze, Abteilungsleiter des Bereichs Unternehmensförderung, plädiert dafür, das Ladenschlussgesetz auszusetzen: "Wir wollen damit dem Handel die Möglichkeit einräumen, einen Teil seiner Umsatzverluste coronabedingt in den ersten Monaten des Jahres zu kompensieren."

Pleitewelle wegen des Ladenschlussgesetzes?

Jeder Unternehmer solle entscheiden können, ob er seinen Laden öffnet oder nicht. Gleichzeit würde das die Position des stationären Handels gegenüber den Online-Anbietern stärken.

Steffen Schulze jedenfalls ist sich sicher, dass die Kunden kämen, wenn die Läden geöffnet seien. Nicht jeder habe die Möglichkeit, unter der Woche Einkaufen zu gehen. Das sei so. Viele wollten auch die Zeit am Sonntag nutzen, um Shoppen zu gehen, um Einkaufen zu gehen.

Unterstützung erfährt der Vorschlag der IHK vom Thüringer Handelsverband. Dessen Geschäftsführer Knut Bernsen würde sogar noch weitergehen und das Ladenschlussgesetz ganz abschaffen.

Und auch die FDP im Thüringer Landtag unterstützt die Idee. FDP-Fraktionschef Thomas Kemmerich erklärt: "Ansonsten fürchten wir eine Pleitewelle im Land und einen Verlust der Attraktivität der Innnenstädte in Thüringen."

Verdi: Online-Angebote statt verkaufsoffener Sonntage

Knapp 500 Meter Luftlinie entfernt vom Landtag befindet sich das Thüringer Sozialministerium. Dort im zweiten Stock hat Heike Werner ihr Büro.

Die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie schüttelt den Kopf: "Aus meiner Perspektive ist der Sonntag dafür da, dass man Zeit für die Familie hat, dass man Zeit für sich hat, dass man sein Leben ein bisschen entschleunigt." Für Werner als Arbeits- aber auch als Gesundheitsministerin spreche nichts für verkaufsoffene Sonntage.

Von einem verkaufsoffenen Sonntag hält auch Jörg Lauenroth-Mago nichts. Er ist bei der Dienstleistungsgewerkschaft verdi zuständig für den Bereich Handel. "Ich finde das eine völlig idiotische Idee", so Lauenroth-Mago. Er lässt auch das Argument nicht gelten, der stationäre Handel stärke damit seine Position gegenüber der Online-Konkurrenz.

"Nicht jeden Sonntag öffnen"

Lauenroth-Mago sieht vielmehr den Händler in der Pflicht, sein Geschäftsfeld auszudehnen: "Und ansonsten ist heute jeder Händler gut beraten, zusätzlich zu seinem Laden ein Online-Angebot zu entwickeln."

Und was sagt nun zu all dem Carolin Pfleger, die Inhaberin des Seifenlädchens in der Erfurter Altstadt? Würde sie sonntags öffnen, wenn sie dürfte?

Die Ladeninhaberin erklärt: "Ich würde nicht öffnen, also nicht jeden Sonntag. Ich würde mir vielleicht einen rauspicken, an dem mit vielen Kunden zu rechnen ist. Aber ich würde jetzt nicht jeden Sonntag aufmachen wollen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Juli 2020 | 05:00 Uhr

14 Kommentare

afdp vor 7 Tagen

Und Sie meinen es lohnt sich, Sonntagszuschlag zu zahlen und sonntags aufzumachen, obwohl die Kaufkraft nicht größer ist? Am Ende verteilt sich nur der Umsatz von bisher 6 auf dann 7 Tage mit trotzdem höheren Kosten.

afdp vor 7 Tagen

Stimmt schon. Die Leute die nicht mit Geld umgehen können laufen dann noch schneller ins leere. Und die, die eh genug Geld haben, gehen halt wie bisher an den 6 Tagen einkaufen und am Sonntag evtl ins Kino, Zoo, Restaurant oder oder oder.

afdp vor 7 Tagen

Also ich halte von einer Abschaffung des Ladenschutzgesetzes gar nichts. Wenn ich einkaufen will, dann kann ich das problemlos an den 6 Tagen an denen die Geschäfte offen sind. Und der onlinehandel boomt nicht, weil ich dort Sonntag eine Bestellung aufgeben kann, die dann trotzdem erst Dienstag ankommt. Und mehr Geld zum ausgeben habe ich auch nicht, also läuft der Sonntag als Shoppingtag für mich ins leere.