Stau auf der Bundesstraße 1.
Pkw und Lkw nutzen in Mitteldeutschland vermehrt Bundesstraßen als Ausweichstrecke zu Autobahnen. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Verkehrsprojekt Milau Straßenausbau in strukturschwachen Gebieten

Wer derzeit von der Lausitz mit dem Auto nach Leipzig/Halle fahren will - oder umgekehrt - muss einen großen Bogen nehmen, bis nach Dresden runter und wieder rauf. Es fehlt eine direkte schnelle Verbindung von der Lausitz nach Mitteldeutschland. Landräte aus drei Bundesländern machen sich deshalb für das neue Verkehrsprojekt Milau stark.

von Maren Beddies, MDR AKTUELL

Stau auf der Bundesstraße 1.
Pkw und Lkw nutzen in Mitteldeutschland vermehrt Bundesstraßen als Ausweichstrecke zu Autobahnen. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Kai Emanuel, der Landrat von Nordsachsen, sitzt in seiner Delitzscher Amtsstube und breitet eine zusammengeheftete Karte auf seinem großen Schreibtisch aus: "So kann man es am besten verdeutlichen. So haben wir es auf eine Karte gekriegt." Denn das angestrebte Milau-Straßenprojekt führt durch drei Bundesländer: Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg. Verbunden werden sollen bisher abgehängte Regionen – Städte und Gemeinden, die bislang fernab von Schnellstraßen und Autobahnen liegen.

Emanuel skizziert den Verlauf der geplanten Strecken: "Im Norden beginnen wir in Brehna, in Brehna haben wir eine gute Anbindung an die A38. Von Brehna aus geht es über Delitzsch, Eilenburg, dann in Richtung Torgau, Bad Liebenwerda, Elsterwerda – um in Ruhland mit der A13 zu kreuzen – und dann über Hoyerswerda in Richtung polnische Grenze."

Ausschnitt Landkarte mit Auto
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bundesstraßen zu Schnellstraßen ausbauen

Das ist nur ein Teil der angedachten Strecke. Das gesamte Milau-Projekt sieht auf der Karte wie ein Ypsilon aus. Bad Liebenwerda soll Schnittstelle werden, wo die eben beschriebene Trasse und ein zweiter, südlich gelegener Abschnitt sich treffen. Er soll das mitteldeutsche Kohlerevier um Leipzig anbinden und über die A14, von Wermsdorf und Dahlen nach Mühlberg und Bad Liebenwerda führen.

Emanuel zufolge sei es ein Markieren von vorhandenen Straßen. Deshalb stelle sich nur die Frage, wo man Optimierungen vornimmt, um diese Strecke noch durchlässiger zu machen. Soll heißen, der Planungsaufwand und auch die Kosten für diese Y-Strecke würden nicht ausufern, weil bereits bestehende Bundesstraßen zu Schnellstraßen ausgebaut werden könnten. Die nutzen Lkw und Pkw übrigens schon jetzt als Ausweichstrecke zur A14, A4 und A13.

Kai Emanuel/CDU-Landratskandidat Nordsachsen
Kai Emanuel hat das Milau-Projekt mit auf den Weg gebracht. Bildrechte: CDU-Landesverband Sachsen

Ob uns das gefällt oder nicht, der Verkehr fließt dort lang, wo er fließt. Und das, was wir verkünden können: Wir haben die Länder überzeugt.

Kai Emanuel, Landrat von Nordsachsen

Der Landrat erzählt, dass Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg dabei seien, eine Machbarkeitsstudie durchzuführen. Die ganzen Planungsunterlagen dafür hat Emanuel zusammen mit den Landräten von Anhalt-Bitterfeld, Leipzig, Meißen, Bautzen, Görlitz, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße zusammengestellt.

Standorte durch Milau attraktiver für Unternehmen

Lange Zeit wurde das Milau-Projekt belächelt – mit der Begründung, dass so etwas im Verkehrswegeplan nicht vorgesehen sei. Und jetzt wurde, Emanuels Worten zufolge, zugesagt im ersten Halbjahr 2019 mit dem Ergebnis rauszukommen. Bald also liegt die Machbarkeitsstudie vor, und im Bericht der Kohlekommission stand unlängst folgende Einschätzung:

"Die strukturschwachen Reviere in Mitteldeutschland und der Lausitz sollen enger verzahnt und in die überregionalen Logistikketten eingebaut werden. Der Bau einer neuen Ost-West-Straßenverbindung, als Magistrale zwischen dem mitteldeutschen und dem Lausitzer Revier, würde die infrastrukturellen Voraussetzungen für Unternehmensansiedlungen in diesen Regionen deutlich verbessern."

Laut Emanuel sei die Frage nach der Notwendigkeit der Straße damit noch nicht komplett beantwortet. Es werde aber eine deutliche Richtung vorgegeben. Und dass die Bundesfernstraßenverwaltung künftig in Leipzig ihren Sitz haben wird, kommentiert er mit den Worten: "Das muss doch helfen, oder!?"

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Januar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Januar 2019, 05:00 Uhr

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14 Kommentare

03.01.2019 14:40 Fuchs 14

Das Problem dürfte hausgemacht sein. Zum einen die Lobby der Autoindustrie und zum anderen ein Unternehmen, welches mit dem Ziel der Renditegewinnung 1994 startete. Letzteres hat seitdem offenbar das Problem, dass alles was Kosten verursachend (Gleise,Personal) ist, auf dem Prüfstand stehen dürfte. Jetzt kommen noch die besonders schlauen Politiker daher, welche die DB noch weiter zerschlagen wollen. Zukunftsorientierte Visionen? Fehlanzeige! Und die Ersteren spenden vermutlich in einem nicht unerheblichen Maße vor den Wahlen. Nicht umsonst steigt der Straßenverkehr tagtäglich gefühlt weiter. Diese geheuchtelte Politik ist ekelhaft.

03.01.2019 12:07 GEWY38 13

@ Enrico Pelocke, jedes ihrer Worte könnte man vergolden, so wahr sind sie. Aber da haben Sie die Rechnung ohne den Wirt, die DB gemacht. Sie können ein DB-Netz noch so schön haben. Der DB-Regio- oder DB-Fernverkehr die das DB-Netz befahren könnten ist das völlig egal. Die fahren einfach nicht. Das sind alles eigenständige Betriebe in diesem vom Eigentümer BRD konstruierten Durcheinander der DB. Die DB-Netz vermietet eben das Netz und der Konzern hat auch so sein Geld. Ohne etwas zu tun. Daseinsvorsorge? Ist doch scheixxegal . Die sollen doch alle mit dem Auto fahren, wie wir (die DB). Fragen Sie mal den Beauftragten zur Verhinderung des Bahnverkehrs für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Der erklärt Ihnen schon was alles nicht geht. In Süd-West Sachsen kann man ein Lied davon singen. Übrigens die Elektrifizierung Chemnitz - Leipzig (80km) soll 12 Jahre dauern. "Milau" könnte vielleicht nur was die Planfeststellung betrifft, im nächsten Jahrhundert liegen.

03.01.2019 12:03 andreas1058 12

Im Freistaat Sachsen existiert ein Landesentwicklungsplan mit diversen nachgeordneten Regionalplänen. Alle haben, trotz einiger anderslautenden Textpassagen, einen Grundtenor. Das sogenannte Zentralörtlichkeitsprinzip. Das bedeutet, logisch weitergedacht, dass der sog. ländliche Raum immer weiter ins Abseits geraten wird. Jeder der glaubt, dass sich an den lobenswerten Überlegungen einiger Landräte und Bürgermeister etwas mittelfristig ändert oder bewegt, ist entweder naiv oder gehört zur Kategorie "Träumer". Wenn es dem Freistaat seit 1990 nicht einmal gelingt, zwischen Chemnitz und Leipzig eine zeitgemäße Straßen-und Bahnverbindung herzustellen, weil die Verantwortlichkeiten im Bund dies offenbar verhindern....weshalb sollte es plötzlich zwischen der Lausitz und Leipzig/Halle und den dazwischen liegenden Städten eine verkehrstechnische Lösung zustande kommen? Ist im oben genannten L-Plan nicht vorgesehen. Wir leben halt in Ostdeutschland!

02.01.2019 23:38 Enrico Pelocke 11

Für den Güterverkehr müssen die Gleisanschlüsse wiederbelebt werden bzw. das schon lange mögliche Verfahren eingesetzt werden, wo ein Lkw direkt neben den Eisenbahnwagen fährt und sich den Container ohne Kran selbst vom Eisenbahnwagen auf den Lkw oder umgekehrt umlädt. Diese Technologie bedarf keiner großen Containerbahnhöfe und Logistikzentren, sondern nur eine Ladestraße und ist auch an jedem kleinen Güterbahnhof auch unter elektrischen Fahrleitungen anwendbar. Damit kann die Bahn näher zum Kunden und man holt viel mehr Güter auf die Schiene. Auf jeden Fall muß der Schienenverkehr mehr gefördert werden nicht nur mit Geld, sondern auch mit innovativen Technologien. Ausreden darf es da keine geben. Das Märchen vom Miteinander der Verkehrsträger und gleichmäßiger Förderung von Schiene und Straße ist eine Täuschung, weil dann viele Steuergelder für den Ausbau des Straßennetzes vergeudet werden und die Schiene sich immer mehr aus der Fläche zurück zieht und Verkehrsanteile verliert.

02.01.2019 23:22 Enrico Pelocke 10

Warum denken sich die Politiker wieder solchen Unsinn aus? Kann denen nichts Gutes einfallen? In dieser Region gibt es ein gutes ausbaufähiges Bahnnetz. Die Strecken von Cottbus nach Leipzig, Dresden, Hoyerswerda, Forst – Breslau, Frankfurt/Oder und Görlitz können 2gleisig auf 160 km/h ausgebaut werden. Auch die Strecken Görlitz - Zittau und Hoyerswerda - Bautzen müssen auf mögliche Geschwindigkeitssteigerungen untersucht werden. Wenn dann 2 Zuggattungen mit abgestimmten Anschlüssen stündlich fahren, die RB, die überall hält, und der RE oder IR, der nur in den Knoten und größeren Städten hält, bringt das viel mehr Reisende auf die Schiene. Die RE 10+18 halten in mehreren Stationen, die nicht RE-würdig sind, nur damit diese stündlich bedient werden, weil die RE nur 2stündlich fährt. Sie sollen nur in Leipzig, Eilenburg, Torgau, Falkenberg/Elster, Doberlug-Kirchhain, Finsterwalde, Calau, Cottbus, Senftenberg, Ruhland, Großenhain, Coswig und Dresden halten.
1+5+7+9 stimme ich völlig zu.

02.01.2019 19:30 Zeitgeist 9

Weitere Schnellstraßen ? Hat der Mann einen Vertrag mit einem Bestattungshaus? Die täglichen Raser - Tote auf der Straße reichen wohl nicht !

02.01.2019 19:09 Thomas K. 8

Für die Region super und notwendig. Dennoch sollte parallel das Bahnnetz, die Radwege und die IT Infrastruktur mit einbezogen werden. Die Autobahn ist eine solide Basis. Darauf sollte im Jahr 2019 ein modernes Infrastrukturnetz aufgesetzt werden um mögliche neue Ansiedlungen von Behörden und Gewerbeeinheiten attraktiv zu machen. Hier kann der Staat mal mit Innovation glänzen. Universitäten sollten einbezogen werden. Nur Betongold ist nicht die Lösung.

02.01.2019 18:46 Zeitgeist 7

Wie schon hier angesprochen " Schnellzug" eine Anbindung an den Fernverkehr bringt es besser !
Leipzig - Hoyerswerda - und gleich weiter nach Polen.

02.01.2019 18:24 Bronko 6

Das ist doch alles total sinnlos. Für eine lumpige Ortsumfahrung von ca. 10 km hier in der Nähe, die wirklich Sinn macht und immens Zeit spart, hat man 25 !!! Jahre gebraucht......................das ist doch alles sinnlos. Genau wie der angedachte Bau der B178 nach Norden, wo mans nicht mal schafft, den bisherigen Teil fertig zu bauen. Total sinnlos sowas in Zeiten sinnloser Gräser und Unken und Käfer und Sträucher sonst was, was mal wieder stört.

02.01.2019 17:25 Brennabor 5

Herr Emanuel denkt sehr einseitig ! Hat er vergessen
das auf dieser Strecke eine intakte Bahnlinie besteht
und da sollte man anfangen weiter zu planen.