Sachsen-Anhalt Unternehmer warten auf A 14-Nordverlängerung

Es ist eins dieser Projekte wie Elbphilharmonie und der Flughafen BER: Eigentlich sollte die Nordverlängerung der A 14 schon längst fertig sein, aber der Bau verzögert sich um Jahre. Besonders in der Altmark hängen viele Erwartungen an der neuen Route zwischen Magdeburg und Schwerin. Im August wird mit dem Bau des zweiten Teilstücks in Sachsen-Anhalt begonnen.

von Astrid Wulf, MDR AKTUELL

Wenn Gerhard Bertram mal wieder Frust wegen der A 14 hat, dann greift er auch mal zum Telefon und versucht, den Verkehrsminister des Landes anzurufen. Bertram ist Präsident des Landesverbands des Verkehrsgewerbes in Sachsen-Anhalt und Chef eines Transportunternehmens in Magdeburg. Bis zur A 14 sind es von dort nur ein paar Kilometer. Seit Jahren hofft er mit der Nordverlängerung der Autobahn über Schwerin ein bis zwei Stunden schneller in Hamburg zu sein.

Ursprünglich sollte es 2015 soweit sein, mittlerweile spricht Verkehrsminister Webel von 2022. Bertram will nicht ständig neue Zahlen hören. Er sagt: "Die verscheißern uns ja. Was bringt das? Versprechungen und anschließend wird nichts gehalten."

Aufschub durch Klagen von Umweltschützern

Klagen von Umweltschützern hatten den Bau der A 14-Nordverlängerung mehrfach verzögert – vor allem in Sachsen-Anhalt. Knapp sechs von 97 Kilometern sind bisher befahrbar. In gut zwei Wochen soll nun der Bau eines zweiten Teilstücks rund 40 Kilometer nördlich von Magdeburg beginnen, es soll Colbitz und Tangerhütte verbinden.

In Colbitz wartet Vertriebsleiter Norbert Garlipp sehnsüchtig auf die Autobahn. Seine Firma liefert unter anderem Rohre und Schächte für den Tiefbau. Garlipp sagt dazu: "Unser Hauptvertriebsgebiet liegt im Norden, das heißt, im nördlichen Raum Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, nördliches Brandenburg. Wir könnten mehrere Touren am Tag fahren, was jetzt nicht möglich ist."

Ferigstellung bis 2022?

500 Meter entfernt, auf der anderen Straßenseite, beschäftigt auch Marco Mitschke das Thema. Er hat hier am Standort des Porr-Konzerns den Hut auf, wenn es um den Transport von Baugeräten geht. Dass 2022 der Weg nach Schwerin frei sein soll, hält er für unrealistisch.

Wenn das tatsächlich bis 2022 fertig sein sollte, dann müsste jetzt ein reibungsloser Ablauf daher. Und diesen sehe ich nicht. Gerade die Vergangenheit hat ja gezeigt, dass das nicht alles so reibungslos geht.

Marco Mitschke | Porr Colbitz

Und in der Tat fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz weiterhin, die Autobahn nicht komplett zu bauen. Die Prognosen, wie viele Autos die Straße zum Beispiel in der Altmark tatsächlich nutzen werden, seien nach unten korrigiert worden, sagt BUND-Verkehrsexperte Werner Reh: "Wir haben um die 10.000 Fahrzeuge weniger als noch bei der letzten Prognose im Bundesverkehrswegeplan. Man muss was tun, um die Erreichbarkeit zu verbessern in der Region, das erreicht man sehr gut durch den Ausbau plus eine oder zwei Spuren und Umgehungsstraßen."

Unternehmer in der Altmark bauen auf Nordverlängerung

Ein Vorschlag, der die Straßen nicht genug entlasten würde, davon ist Versicherungskaufmann Stefan Wolf überzeugt. Er lebt und arbeitet in der strukturschwachen Altmark, ist viel mit dem Auto unterwegs und weiß, wie viel Hoffnung Wirtschaftsförderer hier in die A 14 stecken. Denn er ist auch Chef der Wirtschaftsjunioren in der Altmark. Ein Zusammenschluss von Unternehmern unter 40. Die Unternehmen hier vor Ort würden natürlich mit der Fertigstellung der A 14 planen, so Wolf, und wenn die immer wieder nach hinten verschoben werde, könne es auch dazu führen, dass Unternehmen hier abwanderten, wenn es noch weiter nach hinten gehe.

2022 hält er für ein ambitioniertes Ziel, aber der Jungunternehmer will die Hoffnung nicht aufgeben, dass es dabei bleiben könnte.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 03.08.2017 | 07:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2017, 20:27 Uhr

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6 Kommentare

04.08.2017 06:43 Enrico Pelocke 6

Großen herzlichen Dank an den BUND, der mit seinen Aktivitäten den Autobahnbau EInhalt gebietet und den Naturschutz durchsetzt, der sonst zu kurz kommen würde. Was wir brauchen, sind keine neuen Autobahnen, sondern mehr Schienenverkehr. In der Relation Leipzig - Halle - Magdeburg - Schwerin/Hamburg gibt es eine durchgehend zweigleisige elektrifizierte Eisenbahnstrecke mit genügend freien Kapazitäten. Die Höchstgeschwindigkeiten dieser Strecke sind Leipzig - 230 bis 300 - Gröbers - 160 - Magdeburg - 120 - Wittenberge - 230 km/h - Hamburg. Warum werden diese freien Kapazitäten nicht genutzt? Das liegt an Fehlern der Bahn und der Politik, die der Autolobby hörig ist und die Rahmenbedingungen nicht richtig setzt. Solange sich auf dieser Strecke keine Fernreisezüge rentieren ist auch kein Bedarf für eine Autobahn. Hoffentlich gelingt es dem BUND, möglichst viele Straßen zu verzögern, bis alle die Bahn richtig zu nutzen verstehen. Lieber BUND, bleibe standhaft und kämpfe weiterhin so tapfer.

03.08.2017 16:32 Frank 5

Wenn ich BUND höre, bin ich auf 180. Diesen lebensfremden Typen sind die Menschen doch völlig egal. Das ist ein Verein von Querulanten und Allesverhinderern aus Prinzip.

03.08.2017 16:26 Bernd 4

Ich persönlich finde die Haltung des BUND nicht richtig,es wäre im Interesse der Menschen, das der Verkehr von ihnen wegkommt und hauptsächlich über Autobahnen läuft.Es geht nicht an das ein Feldhamster einen höheren Stellenwert hat als ein Mensch.Leider hat das Verkehrsministerium in Magdeburg zu lange nichts Vernünftiges gemacht,um die Planung unanfechtbar zu machen.

03.08.2017 14:21 Elfriede 3

Ich würde gerne mal sehen, um wie viel sich die Kosten durch Klagen vom BUND schon erhöht haben.

Wenn der BUND diese Mehrkosten übernimmt, bin ich gerne bereit auch weiterhin die Umwelt zu verpesten um große Umwege zu fahren.

Zumal sich der Bau der Autobahn ja sowieso nicht mehr aufhalten lässt. Durch Klagen wird der Bau nur verzögert.

Können sich diese Problemmenschen sich nicht ein anderes Hobby suchen wie stricken oder Karten spielen.

03.08.2017 14:19 Onkel 2

BUND "schützt" ohne Sinn und Verstand die Natur. Der Mensch bleibt da völlig auf der Strecke, ich schätze von denen lebt keiner an einer überlasteten Bundesstraße. Es werden irgendwelche Lurche geschützt auch wenn sie erst angesiedelt werden, z.B.A44 Kassel Eisenach. An die Gesundheit der Anlieger denkt keiner, Lärm Dreck tagein tagaus.

03.08.2017 09:09 jtb 1

Wenn ich BUND schon höre..
Sogar die A14 Süd war für den Verein nicht nötig.
Schaut man sich den Verkehr heute an wäre gänzlich sogar eine Erweiterung auf 6 Spuren nötig.