Energieträger Nationale Wasserstoffstrategie - Wo steht Mitteldeutschland?

Die Bundesregierung will, dass Deutschland bei der Nutzung des "grünen" Wasserstoffes international eine Spitzenposition einnimmt. Auch in Mitteldeutschland hört man immer wieder von Wasserstoff-Projekten. So entsteht gerade in Görlitz ein Forschungcampus zum Thema Wasserstoff. Doch wie zukunftsfähig ist Mitteldeutschland als Wasserstoff-Standort?

Leuna Chemiepark
Die Firmen im Chemiepark in Leuna verbrauchen Wasserstoff in Größenordnungen. Bildrechte: IMAGO

Wasserstoff ist derzeit Energie- und Hoffnungsträger zugleich. Denn die Idee ist verlockend: Überschüssige Solar- oder Windkraft-Energie wird per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt. Somit ist der Wasserstoff "grün" und kann als Wärmequelle für die Chemie-Branche, als Basis für synthetisches Kerosin oder in Brennstoffzell-Fahrzeugen verwendet werden.

Mitteldeutschland habe hier sehr gute Voraussetzungen, sich als Standort zu etablieren, findet Stefan Bergander, Projektmanager bei der hiesigen Wasserstoff-Initiative HYPOS:

Wir sind seit Jahrzehnten ein Wasserstoff-Großverbraucher. Wir haben mit dem mitteldeutschen Chemiedreieck vom Süden Leipzigs über Leuna bis Bitterfeld-Wolfen sehr, sehr viele große Unternehmen, die gewaltige Mengen an Wasserstoff verbrauchen.

Stefan Bergander Projektleiter der Wasserstoff-Initiative HYPOS e.V.

Chemiefirmen haben Interesse an "grünem" Wasserstoff

Bisher griffen die Unternehmen auf Wasserstoff aus fossilem Erdgas zurück, so Stefan Bergander. Aber es bestehe durchaus Interesse an "grünem" Wasserstoff: "Wir haben eine entsprechende Bereitschaft in unserer Region, von den entsprechenden Chemie-Unternehmen bis hin zu den kleineren und mittleren Unternehmen, die dafür sehr viel Technologie entwickelt haben, die dafür sehr viel Know-How aufgebaut haben."

Anders gesagt: Mitteldeutschland sollte den Wasserstoff aus Ökostrom nicht nur selbst nutzen, sondern das Wissen darum auch perspektivisch an andere Regionen verkaufen, die noch nicht so weit sind.

Salzkaverne als Wasserstoffspeicher gedacht

Kavernenspeicher Bad Lauchstädt: Die aus einer 500 Meterdicken Salzschicht ausgesolten Kavernen benden sich in einer Teufe zwischen 765 und 925 Metern.
Kavernenspeicher Bad Lauchstädt: Die aus einer 500 Meter dicken Salzschicht ausgesolten Kavernen befinden sich in einer Tiefe zwischen 765 und 925 Metern. Bildrechte: VNG Gasspeicher GmbH

Denn eines muss man bedenken, wenn man über den Wasserstoff-Standort spricht: Es wird vor allem viel geforscht.
Bei der Produktion von Wasserstoff aus regenerativen Energien im industriellen Maße stecke man noch in den Kinderschuhen, erklärt Stefan Bergander.

Doch gebe es bereits ein Vorzeigeprojekt in Sachsen-Anhalt: Die Die Salzkaverne in Bad Lauchstädt, die in Zukunft als großer Wasserstoffspeicher genutzt werden könnte, sagt der Experte.

Das ist vor allen Dingen auch international ein Meilenstein, weil es weltweit nur wenige vergleichbare Projekte gibt und wir perspektivisch, wenn wir die Anlage voll entwickeln, sehr wahrscheinlich sogar den größten grünen Wasserstoffspeicher weltweit haben werden.

Stefan Bergander Projektleiter der Wasserstoff-Initiative HYPOS e.V.

Wo steht Mitteldeutschland im bundesweit Vergleich?

Auch in Sachen Mobilität gibt es bereits praktische Anwendungen von "grünem" Wasserstoff, wenngleich es noch nicht viele sind. So wurde der Einsatz eines durch Wasserstoff angetriebenen Zuges in Thüringen Anfang des Jahres erfolgreich getestet.

Doch wie steht Mitteldeutschland im bundesweiten Vergleich da? Sind die angesetzten Projekte nachhaltig? Hier sei es für eine Bewertung noch ein wenig zu früh, findet Dominik Möst, Professor für Energiewirtschaft an der TU Dresden. Noch sammle man Erfahrung. Um sich dauerhaft zu positionieren, sei aber ein langer Atem nötig.

Fossiles Erdgas noch viel zu günstig

Denn noch ist das fossile Erdgas, aus dem der Wasserstoff derzeit am häufigsten gewonnen wird, einfach viel zu günstig. Der Energiewirtschaftsexperte Möst rechnet deshalb damit, dass Wasserstoff aus Solar- oder Windenergie erst dann wichtig wird, wenn die Politik im Sinne der Klimaziele 2050 noch stärker eingreift. So werde Wasserstoff erst bei einer hohen C02-Bepreisung eine Rolle spielen: "Da reden wir nicht von 50 Euro je Tonne, sondern eher von 200 bis 400 Euro je Tonne CO2.“

Projektmanager Stefan Bergander erhofft sich dagegen von der nationalen Wasserstoff-Strategie vor allem Verbrauchsquoten für die Industrie. Somit würde die Relevanz und Nachfrage gestärkt werden.

Nationale Wasserstoffstrategie Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Aktionsplan, wie deutschlandweit künftig Wasserstoff genutzt werden soll. Eine wichtige Rolle soll dabei auch die Nutzung von C02-freiem Wasserstoff spielen. Die Strategie sollte schon bis Ende des Jahres stehen, jetzt wurde sie auf 2020 verschoben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Dezember 2019 | 06:11 Uhr

4 Kommentare

part vor 28 Wochen

Eine gute Sache, doch Umweltschutz interessiert im System nur dort, wo man mit ihm auch Geld verdienen kann. Lobbyismus, Kleinstaaterei und weitere Belastungen der Bevölkerung durchziehen Gesellschaft als national und multinational Lösungsansätze zu erarbeiten und diese auch durchzusetzen. Nimmt man den Atomausstieg in der BRD wird deutlich, das die nachträglichen Hauptbelastungen wieder auf den Steuerzahler entfallen, während Konzerne sich freikaufen durften.

Ekkehard Kohfeld vor 28 Wochen

Aber natürlich geht es ums Geld und Steuern.
Wenn die Wirtschaft nicht mehr brummt muss man
was neues (Kat,uweltfreundlicher Diesel,E-Auto,neu Heizung und ähnliches) erfinden oder etwas zerstören (Krieg) damit man wieder was neues bauen kann,der 2.WK hat Deutschland ein lange Zeit danach auch sehr weit gebracht.
Krieg ist aber in Europa nicht mehr in,jetzt kommt die Umweltschutz für den man alles neu machen muß,auch der wie der Krieg wird auf dem Rücken der kleinen Bürger ausgetragen.
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kleinerfrontkaempfer vor 28 Wochen

Wasserstoff sollte die Alternative sein. Tankstellen, Rohrleitungen, Lager, alles vorhanden. Auf- und Umrüsten billiger als neue Verkabelungen und Steckdosen.
Braucht es wirklich den Transport von Akkus und Batterien endlos durch die Landschaft?
Wer will E-Traktoren, E-Bagger, E-Fähren, E-Laster,........, alltagstauglich und praktikabel ist so was nicht. Aber erstmal ein großes Geschäft.