Regionale Unternehmen Gartenbaubetriebe: Das harte Geschäft hinter den zarten Blumen

Die Billig-Konkurrenz aus den Niederlanden drückt die Preise und regionale Betriebe müssen um ihr Überleben fürchten: Eine exakt-Reporterin hat sich angeschaut, wie schwierig es ist, Schnittblumen zu produzieren.

"Das was wir machen, hat keine Zukunft", sagt Manfred Sachse. Er betreibt eine Gärtnerei mit sieben Mitarbeitern und einen kleinen Blumenladen. Doch selbst wenn er ein gutes Jahr hat, bleibt am Ende kaum etwas übrig.

Tulpen und ein Preisschild
Tulpen für 3,50 Euro - noch günstiger kann der regionale Erzeuger nicht verkaufen. Bildrechte: MDR/Jana Merkel

Es seien die Discounter, die preiswerte Massenware aus den Niederlanden anbieten, die der sächsischen Gärtnerei die Preise und damit das Geschäft kaputt machen. "Da kosten zehn Stück 2 Euro und wir wollen für sieben Stück 3,50 Euro haben", sagt Manfred Sachse. "Dieser Preis hämmert sich in den Köpfen der Kunden fest."

Seine Tulpen verkauft der sächsische Betrieb im Schnitt für 50 Cent. Als Gewinn bleibt pro Blume maximal ein halber bis ein Cent. Vom Geschäft mit den Tulpen bleibt so pro Jahr höchstens ein Gewinn von 2000 Euro.

Manfred Sachse zieht in seinen Gewächshäusern jährlich rund 200.000 Tulpen. Das Problem: Die empfindsamen Blumen brauchen viel Wärme – und die ist teuer. "Die Energiekosten lagen in den letzten Jahren zwischen zehn und 12.000 Euro, also nur die Heizung", sagt er. Um diese Kosten für das Gewächshaus zu decken, reichen Tulpen allein nicht aus. "Man braucht die anderen Kulturen noch mit dazu."

Ein Mann im grauen Pullover
Auch im Betrieb von Manfred Sachse fehlt ein Nachfolger. Bildrechte: MDR/Jana Merkel

Nach der Ernte ruhen die Tulpen zwei Tage im Kühlhaus, erst dann werden in einer Maschine die Zwiebeln abgetrennt. "Das verlängert die Haltbarkeit", sagt der Chef. So will er sich von der Billigkonkurrenz aus Holland abheben, die ihm das Leben so schwer macht.

Ein weiteres Problem für den kleinen Betrieb: Früher konnte er auf dem Großmarkt deutlich mehr Tulpen verkaufen und Anfang der Neunziger Jahre habe er in Dresden zweimal pro Woche Gärtner mit bis zu 3000 Tulpen beliefert. "Das ist heute undenkbar", sagt Manfred Sachse. Ein gutes Blumengeschäft verkaufe aktuell gerade einmal 300 bis 400 Tulpen pro Woche.

Viele Gärtnereien haben das Schnittblumengeschäft inzwischen aufgegeben, weil es sich einfach nicht rechnet: Von 2012 bis 2017 ist die Zahl der Schnittblumen-Produzenten in Mitteldeutschland um fast ein Viertel gesunken. In Sachsen-Anhalt um rund 38 Prozent, in Sachsen um ein knappes Viertel und in Thüringen um 18 Prozent.

Wie lange es unter diesen Umständen die sächsischen Tulpen aus Süptiz noch geben wird, ist offen. Manfred Sachse fehlt - wie in vielen Gärtnereien – ein Nachfolger. Auch deshalb ist sein Blick in die Zukunft pessimistisch.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 27. März 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 13:47 Uhr

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