Corona in der Fleischindustrie Bisher keine Corona-Fälle bei Tönnies in Mitteldeutschland

In den vergangenen Tagen ist der Tönnies-Konzern in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Mehr als 1.300 Menschen am Hauptstandort in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen haben sich mit dem Coronavirus infiziert. An den beiden Standorten des Unternehmens in Sachsen-Anhalt ist bisher kein Fall bekannt.

Auߟenansicht des Firmengeländes vom Fleischwerk Tönnies
Der Haupt-Schlachthof von Tönnies in Rheda-Wiederbrück (NRW). Bildrechte: dpa

Mehr als tausend Mitarbeiter des Tönnies-Konzerns am Hauptstandort im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück haben sich mit dem Coronavirus infiziert. In Sachsen-Anhalt hat das Unternehmen zwei Standorte, an den bisher aber noch kein Fall bekannt wurde. Die Standorte befinden sich in Weißenfels im Burgenlandkreis und in Zerbst im Landkreis Anhalt-Bitterfeld.

In Sachsen gibt es einen Standort der Lutz Fleischwaren GmbH in Chemnitz, die indirekt auch zu Tönnies gehört.

Weißenfels

Schlachthof Tönnies und Wemhoff Transport in Weißenfels.
Tönnies in Weißenfels Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Das Werk in Weißenfels ist nach Unternehmensangaben der zweitgrößte Schlachtstandort nach Rheda-Wiedenbrück. Außerdem werden dort die geschlachteten Tiere zerlegt. Laut Tönnies arbeiten dort 2.200 Beschäftigte.

Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für die Region Leipzig-Halle-Dessau, Jörg Most, geht von rund 2.500 Mitarbeitern aus. Most sagte dem MDR, rund 1.500 bis 1.600 davon seinen vermutlich über Werkverträge angestellt, viele kämen aus dem Ausland.

Das Landratsamt sagte dem MDR, derzeit gebe es Gespräche mit der Landesregierung, ob es weitere Tests bei Tönnies in Weißenfels geben wird. Zudem bereite sich der Landkreis auf ein mögliches Ausbruchsszenario mit dem Coronavirus vor.

LKW stehen auf dem Gelände des Fleischkonzerns Tönnies in Weißenfels. In einem provisorischen Testzentrum wird jetzt die Belegschaft des Fleischkonzerns Tönnies getestet
Der Fleischkonzern Tönnies in Weißenfels Bildrechte: dpa

Most forderte, möglichst bald alle Mitarbeiter verpflichtend testen zu lassen. Es gebe in Weißenfels schließlich fast die gleiche Situation wie in Rheda-Wiedenbrück mit Massenunterkünften von Mitarbeitern. Zuletzt waren im Mai rund 1.200 Mitarbeiter in Weißenfels auf das Coronavirus getestet worden, laut Most allerdings auf freiwilliger Basis. Dabei hatte es keinen positiven Test gegeben.

Die Regionalgruppe Burgenlandkreis des BUND und die Regionalgruppe der Naturfreunde Deutschland hatten den Landrat des Burgenlandkreises am Montag in einem Offenen Brief zu Massentests im Tönnies-Werk aufgefordert. Der Brief liegt dem MDR vor.

Zerbst

Rindfleisch wird in einem Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies verpackt
Rindfleisch wird in einem Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies verpackt Bildrechte: dpa

Der Standort in Zerbst gehört zur Anhalter Fleischwaren GmbH, die wiederum zur "Mühlen Gruppe" und damit zum Tönnies-Konzern gehört. Dort wird nicht geschlachtet, sondern das angelieferte Fleisch weiterverarbeitet. Laut Thomas Gawron von der Gewerkschaft NGG in Magdeburg arbeiten in Zerbst rund 240 festangestellte Mitarbeiter und rund 200 Angestellte mit Werkverträgen. Auch Gawron sieht wegen der kleinen Unterkünfte der Werkangestellten die Gefahr eines Coronausbruches.

Das Landratsamt konnte sich auf Anfrage am Montag noch nicht zu möglichen Tests der Belegschaft äußern, Informationen dazu soll es vermutlich am Dienstag geben.

Tönnies Der Konzern Tönnies ist der mit Abstand größte Schlachtereikonzern in Deutschland. Laut dem öffentlich nicht zugänglichen Schlachthofranking 2019 der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), aus dem mehrere Medien zitieren, wurden alleine bei Tönnies im Jahr 2019 fast 17 Millionen Schweine geschlachtet. 2018 machte Tönnies einen Umsatz von mehr als sechs Milliarden Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juni 2020 | 16:30 Uhr