Drei Windräder auf einem Feld
Eine Herausforderung der Energiewende ist es, den Strom aus Windenergie zu speichern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Energiewende in Thüringen Bürger befürchten Stromausfälle durch Abhängigkeit von Windkraft

Thüringen sieht sich selbst als Vorreiter in Sachen Klimaschutz und hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, bis 2040 seinen Energiebedarf selbst zu decken – und zwar nur aus erneuerbaren Energien. Dazu gehört natürlich auch Windkraft. Die Fläche, auf der Windkraftanlagen stehen, soll langfristig verdreifacht werden und damit ein Prozent der gesamten Fläche Thüringens einnehmen. Damit sind aber nicht alle einverstanden.

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

Drei Windräder auf einem Feld
Eine Herausforderung der Energiewende ist es, den Strom aus Windenergie zu speichern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bevor eine Windkraftanlage gebaut werden kann, muss erst mal geprüft werden, welche Flächen dafür überhaupt in Frage kommen. Das übernehmen in Thüringen vier regionale Planungsstellen.

Zu den Vorschlägen, die die Planungsgemeinschaften machen, können die Bürger Stellung nehmen. In den Planungsregionen Südwestthüringen und Ostthüringen sind die Fristen dafür bereits abgelaufen.

Bürgerinitiativen stellen sich gegen Windkraft

Tausende Stellungnahmen haben die Planungsstellen erreicht. Gut so, meint Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund von den Grünen.

Anja Siegesmund
Anja Siegesmund von den Grünen. Bildrechte: Andreas Pöcking

Die Energiewende steht und fällt mit der Akzeptanz der Menschen vor Ort. Von daher braucht es diese Diskussionsprozesse.

Anja Siegesmund, Thüringer Umweltministerin

Bis zur Akzeptanz ist es vermutlich noch ein weiter Weg. 50 Bürgerinitiativen gibt es in Thüringen, die sich gegen den Ausbau der Windkraft stellen. Die Thüringer sorgen sich um ihre Gesundheit und die der Tiere und natürlich um ihren Wald.

Bürger fürchten den Blackout

Der Thüringer Landesverband "Energiewende mit Vernunft" ist so etwas wie ein Dachverband für die Bürgerinitiativen. Jochen Langzettel ist im Vorstand des Verbandes und hat unter anderem die Befürchtung, je mehr auf Erneuerbare Energien gesetzt werde, desto eher steuere man auf einen Blackout zu.

Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, bleibe schließlich nur Biogas und Wasserkraft. Doch die decken höchstens zwölf Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland, mahnt Langzettel an. Ohne konventionelle Kraftwerke gehe es nicht. Der Verband ist der Auffassung, dass es keinen Zweck habe, weitere Windräder zu bauen und fordert einen Aufschub der Fristen.

Wissenschaftler arbeitet an Methoden zum Energieausgleich

Das Grundproblem der Energiewende ist, dass sie nicht zu Ende gedacht worden sei, meint Dirk Westermann, Direktor des Instituts für Energie-, Antriebs- und Umweltsystemtechnik an der TU Ilmenau.

Humboldtbau
Ein Forschungsprojekt der TU Ilmenau macht Hoffnung auf eine rasche Energiewende. Bildrechte: MDR/TU Ilmenau

Mit einem neuen Forschungsprojekt der Uni soll sich das ändern. Dafür wollen die Wissenschaftler die Strom-, Wärme- und Gasnetze und den Mobilitätssektor gemeinsam betrachten. Sektorenkopplung nennt sich das: Sollte die Windanlage mal stillstehen, könne das Defizit im Netz etwa mit einem Überschuss aus dem Gasnetz ausgeglichen werden, erklärt Westermann. Ein Ausgleich sei auch durch Wärmespeicherung oder die Produktion von Wasserstoff möglich. Die Frage, die sich die Wissenschaftler konkret stellen: Wie genau kann dieser Ausgleich automatisch vorgehen?

Den Ausbau der Windkraftanlagen stoppen, wie es Jochen Langzettel fordert, hält Westermann nicht für nötig. Gefördert wird das Forschungsprojekt vom Bundeswirtschaftsministerium und dem Thüringer Umweltministerium.

Selbstversorgung Thüringens ab 2040 realistisch

Maximal tausend Windkraftanlagen wird es brauchen, damit sich Thüringen 2040 selbst mit Erneuerbarer Energie versorgen kann, hat das Umweltministerium berechnet. Bisher stehen rund 840 Windkraftanlagen auf etwa 0,35 Prozent der Fläche.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Mai 2019 | 05:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 08:00 Uhr

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18 Kommentare

17.05.2019 22:05 Thomas 18

Es gibt Bürgerinitiative gegen Erneuerbare Energien?
Ich kann's nicht fassen.

17.05.2019 12:01 Walter Gundt 17

Lieber Ottokar, Kohlekraftwerke kann man mit einem Knopfdruck, der kürzere Zeit benötigt als ein Wimpernschlag, vom Netz nehmen!

17.05.2019 10:20 Ottokar der Weltverbesserer 16

Lieber Bernd... Wie ich schon sagte kann man ÜBERSCHÜSSIGE Energie (windige, o.sonnenreiche Tage) in die Wasserstoffgewinnung umleiten, das ist besser als Windräder abzustellen, weil ein Überangebot an Stom besteht.
Kohle,- u. Atomkraftwerke kann man nicht mal schnell vom Netz nehmen, die haben lange Vor,- und Nachlaufzeiten. Zu Spitzenzeiten könnte Deutschland jetzt schon vollständig mit erneuerbaren Energien auskommen, was aber im Artikel nicht gesagt wurde. Deutschland ist ein großer Strom-Exporteur, wir erzeugen eigentlich zu viel Energie. Die Frage war ja wie können wir überschüssige Energie speichern und die Antwort ist Wasserstoff. Der kann in Gaskraftwerken ohne lange Vorlaufzeit, oder in kleinen Block-Kraftwerken (Brennstoffzellen) verbrannt werden. Die Zeit der großen Energiekraftwerke ist vorbei, die Zukunft ist dezentral und gut vernetzt. Die Steinzeit stellen eher Kohle und Atomkraftwerke dar, die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. :))

17.05.2019 08:50 JÖRG 15

Wie hat mir ein Elektriker mal gesagt IM Bekanntenkreis er warte auf den Tag x kein Atomkraftwerk und Kohle werk mehr vorhanden NUR noch Wind und Solar es ist Winter 20 grad minus keine Sonne und Wind und Schnee auch IM flachland was passiert dann ach wir haben ja nette Nachbarländer mit Kohle und Atomkraftwerken bekommen wir eben da den Strom her Hauptsache unsere Politiker haben es geschafft Deutschland IN die Steinzeit zurück ZU bringen

17.05.2019 08:02 Bernd 14

@11, ja und, ich war sogar schon mal in einer allerdsings wurde dort Salz getrennt. Wasser geht auch. Elektrolysen benoetigen aber selbst sehr viel Energie. Nur die Frage auf die sie bestimmt die Antwort haben, warum pflastert man Mitteldeutschland mit Windraedern zu wenn es bessere Moeglichkeiten gibt?

16.05.2019 22:36 Überzeugter Europäer 13

Es wäre schön, wenn sich die Kritiker der Erneuerbaren mit den Alternativen vertraut machen und einen konstruktiven Beitrag leisten würden. Unsere Energieträger (2017):
Steinkohle (15,2 %) - Importquote 100 % (Tagebaue in Kolumbien, Russland, etc. - Umweltzerstörung und menschl. Todesfälle sind auf der Tagesordnung - ich empfehle aus der WiWo: Importe aus Kolumbien „An dieser Kohle klebt Blut“)
Braunkohle (24,4 %) - in Deutschland wurde bereits die Fläche des Saarlands (!) für die Braunkohle geopfert - ganze Dörfer 'durften' weichen
Erdgas (8,4 %) - großteils importiert, dafür aber aus lupenreinen Demokratien, immerhin CO2-ärmer als Kohle
Atomkraft (13,2 %) - nehme ich gerne, aber nur in IHREM Vorgarten
Erneuerbare (38,5 %) - CO2-frei und importunabhängig

16.05.2019 21:00 Phrasenhasser 12

Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll. Vielleicht lacht man doch lieber? Vielleicht einen Ast, um sich darauf zu setzen? 2040, echt? Wir wissen nicht, ob dieser, derzeit besonders brüchige soziale Frieden, bald kippen wird und befassen uns mit Utopien hinsichtlich einer ausschließlichen Energieerzeugung durch erneuerbare Energien. Tja, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt...

16.05.2019 19:41 Ottokar der Weltverbesserer 11

Wenn sich die verängstigte Menge informieren würde, bevor sie sich wieder sinnlos aufregt und in blinden Aktionismus verfällt, wüßte sie das der Hauptenergieträger der Zukunft Wasserstoff sein wird.

Selbiger verbrennt in Brennstoffzellen absolut sauber und kann per Elektrolyse (war mal Unterrichtshema in der Schule) sauber erzeugt werden. Gerade in Zeiten in denen zu viel Windenergie vorliegt, kann der überschüssige Strom zur Erzeugung von Wasserstoff erzeugt werden. Gleiches gilt für Solarenergie.
Und wenn es dann Nacht wird und der Wind sich legt, springt die Brennstoffzelle an und erzeugt Strom und Wärme. Erste Versuchskraftwerke existieren in Deutschland, sie werden nur nicht beachtet.
Man macht zu wenig Gewinn und setzt lieber auf die Methoden aus der Vergangenheit. Wasserstoff läßt sich leicht lagern, komprimieren, verflüssigen u. transportieren genau so wie man es mit Erdgas macht. Es braucht keine Kohle,- und Atomkraftwerke und auch keine Stromtrassen. Informiert euch!!!

16.05.2019 16:44 REXt 10

Als Betroffener könnte man ja die Wahlen dazu nutzen um seinen Unwillen über diese Windmühlen auszudrücken, aber wenn man immer wieder die gleichen Parteien u. Politiker wählt, wird man hält verschaukelt u. muß das dann ausbaden!

16.05.2019 15:39 Fragender Rentner 9

Zitat von Oben: Bürger befürchten Stromausfälle durch Abhängigkeit von Windkraft

Genau so wird es kommen, wir versprechen es euch, habt keine Angst.