Zwei Männer stehen am Fuße eines Windrads. Einer von beiden klingt sich in ein Kletterseil ein.
Mit Schleifgeräten, Chemikalien und Glasfaser steigen die Windrad-Kletterer in luftige Höhen. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Industrie-Kletterer Wie Windräder gewartet werden

In Deutschland gibt es mehr als 30.000 Windräder, die alle paar Jahre gewartet werden. An den Rotorblättern können sich kleine Risse bilden, Hagel oder Blitzeinschläge verursachen mitunter Schäden. Die Reparatur übernimmt häufig eine Firma aus Sachsen, die zu den wenigen gehört, die sich darauf spezialisiert haben. Ihre Kletterer erklimmen Windräder auf der ganzen Welt.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Zwei Männer stehen am Fuße eines Windrads. Einer von beiden klingt sich in ein Kletterseil ein.
Mit Schleifgeräten, Chemikalien und Glasfaser steigen die Windrad-Kletterer in luftige Höhen. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Samuel Steinvorth besteigt im Inneren eines Windrads eine Leiter. Sie führt 70 Meter nach oben. Seine Schritte hallen wie in einer Kirche. "Es ist ein Metallturm und es gibt nichts, was den Schall bremst." Ganz oben, wo die Nabe sitzt, wirft Steinvorth Seile durch eine Öffnung hinaus. Er steigt wieder hinunter, streift am Boden eine Bergsteigerausrüstung über und hängt sich in ein Seil. Und dann lässt er sich von einem lärmenden Motor zum untersten Rotorblatt hochziehen. Rund 50 Meter über der Erde schwebend will er es reparieren. Im Laufe der Zeit habe sich durch Korrosion und andere Umwelteinflüsse Risse und Löcher gebildet.

Wir schleifen die Schäden raus und füllen es auf. So wie beim Zahnarzt, nur im etwas größeren Rahmen.

Samuel Steinvorth von der Firma "cp.max Rotortechnik"

Seine Arbeitswerkzeuge: Schleifgeräte, Chemikalien, Glasfaser. "Das nehmen wir alles mit hoch. Was wir vergessen haben, müssen wir dann hochziehen." Steinvorth trägt eine Sonnenbrille, hat Kopfhörer zum Musikhören dabei. Kilometerweit kann der 39-Jährige über die Felder schauen. Gelernt hat er einen bodenständigen Beruf: Automechaniker. "Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen. Ich bin Kletterer und wollte auch mal am Seil arbeiten. Und jetzt hänge ich hier rum."

Die Anforderungen sind gewachsen

Ein Mann hängt an einem Kletterseil von einem Windrad herab.
Windräder reparieren ist kein Job für Leute mit Höhenangst. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Steinvorth ist nur einer von fast 70 Angestellten von "cp.max". Die Dresdner Firma hat sich aufs Warten, Reparieren, Vermessen und Auswuchten von Rotorblättern spezialisiert. Auch in Amerika und China hangeln ihre Kletterer Windräder entlang. Dabei hat alles klein angefangen, erinnert sich Gründer Thomas Rische: "1995 bin ich mit einem Freund auf die Idee gekommen. Damals war ja noch ein bisschen die Nachwende-Aufbruchzeit. Ich war in Dresden an einem Institut als Wissenschaftler beschäftigt und wir wollten was Neues machen. Windkraft fanden wir total spannend."

Zunächst warteten die Männer Windräder im Erzgebirge. Ein Rotorblatt maß damals 13 Meter. Inzwischen bringen es manche auf 80 Meter. Die Anforderungen an die Wartung seien mitgewachsen, sagt Rische. "Der Aufbau des Rotorblatts ist unheimlich komplex. Das dreht, biegt und schwingt in alle Richtungen. Dadurch kann es sein, dass die Stabilität des Materials überschritten wird und ein Riss entsteht." Seine Firma verschließt solche Risse, damit sie nicht größer werden.

Deutschland steht still

Regelmäßige Inspektionen sind in Deutschland vorgeschrieben. Trotzdem wächst das Geschäft mit der Wartung vor allem im Ausland. Denn hierzulande werden kaum noch neue Windräder aufgestellt.

Nach zwei Stunden in der Luft lässt sich Samuel Steinvorth wieder abseilen. Schweißperlen stehen ihm auf der Stirn. Die Mittagshitze. "Es ist wahnsinnig anstrengend da oben. Die Sonne knallt drauf, man ist in diesem Staubanzug und schwitzt wie ein Wasserfall." Die Reparatur setzt sein Kollege fort. Die Windrad-Kletterer sind immer zu zweit. Bei Sturm bleiben sie am Boden. Wir sind Schönwetter-Arbeiter, sagt Steinvorth und nimmt einen kräftigen Zug aus der Wasserflasche.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

17.06.2019 13:40 Gerd Müller 3

2022 läuft die Subventionen der Windkraftanlagen aus, dann beginnt das sterben der Spargelstangen. Liebe Grüne gibt es schon ein Plan für die Entsorgung?
Wer Grün wählt, der wählt eine Ideologie. Es ist die Lifestyl FDP mit grünen Anstrich für Bes­ser­ver­die­nen­de.
Was haben die Windräder gebracht außer das der Strom bald unbezahlbar ist, Millionen Tote Vögel und Milliarden Tote Insekten.
Danke ihr Grünen

17.06.2019 12:17 steeven24 2

Niemand hat die Absicht zu erwähnen, dass all die Kleinstpartikel die aus den GFK Blättern zu Boden fallen hochgiftige, messerscharfe Probleme mir z.B. weidende Rinder sind. Auch wird nicht erwähnt, dass die Kathedralen der E-Wende (P.Altmaier) zu tausenden Vögel, Fledermäuse und Insekten schreddern. Naturzerstörung im Sinne des Klimawandels, was für eine Heuchelei.

17.06.2019 08:54 Mane 1

Hochachtung an diese Leute!