Teilnehmer einer Demonstration des Bündnisses Patriotischer Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes (Pegida) laufen durch die Dresdner Innenstadt.
Könnten Bilder wie dieses das Image sächsischer Unternehmen nachhaltig schädigen? Bildrechte: imago/Robert Michael

Sachsen Unternehmen werden aktiv gegen Rechts

Seit es Pegida gibt und sich rechte Übergriffe in Sachsen mehren, wird die Frage gestellt: Wie nachhaltig schadet das dem Wirtschaftsstandort? Vor allem exportorientierte Unternehmen, aber auch die sächsische Gastronomie befürchten einen langfristigen Imageschaden und Einbußen. Doch die Wirtschaft appelliert nicht nur an andere, sondern ist auch selbst aktiv geworden. Ein paar Beispiele von sächsischen Unternehmen, die gegen Rechts aktiv geworden sind.

von Sebastian Hesse, MDR AKTUELL

Teilnehmer einer Demonstration des Bündnisses Patriotischer Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes (Pegida) laufen durch die Dresdner Innenstadt.
Könnten Bilder wie dieses das Image sächsischer Unternehmen nachhaltig schädigen? Bildrechte: imago/Robert Michael

"Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen" – so nennt sich ein sächsisches Unternehmens-Netzwerk, das sich sowohl um die Integration zugewanderter Fachkräfte kümmert, als auch offensiv gegen demokratiefeindliche Tendenzen vorgeht.

Zu den Gründungsmitgliedern zählt der Chemnitzer Textilmaschinenhersteller Terrot. Dessen Chef, Andreas von Bismarck, beklagt, die Sachsen würden nicht entschieden genug gegen Fremdenfeindlichkeit und für Weltoffenheit Position beziehen: "Das Problem an sich ist, dass die Mitte der Gesellschaft einfach zu ruhig ist. Das kann man alles nachvollziehen, warum das so ist. Aber man kann eben gewissen Kräften auch nur Raum geben, wenn man ihnen Raum lässt."

"Neutralität nicht immer das Beste"

Der Unternehmensleiter stammt selbst aus den alten Bundesländern. Er sagt: "Aber ich bin schon seit vielen, vielen Jahren in den neuen Bundesländern viel, viel unterwegs und kann sehr gut nachvollziehen, dass es eine Prägung gab, eben in der DDR, dass man sich politisch neutral verhält. Aber wir sind eben in einem neuen System und da ist Neutralität nicht immer irgendwie das Beste."

Sein eigenes, stark exportorientiertes Chemnitzer Unternehmen kann zwar nicht quantifizieren, in welcher Höhe ihm Schaden entstanden ist durch Sachsens angeschlagenen Ruf, aber "was dann richtig reingekracht hat, war Chemnitz. Das war wirklich ein Weckruf irgendwie international. Also da haben wir deutlich mehr auch Fragen bekommen zum Beispiel von Kunden, die irgendwie Leute zur Schulung schicken wollten, ob sie denn überhaupt noch über die Straße gehen können in Chemnitz, so ungefähr."

"Das schadet uns"

Das ging auch dem Uhrenhersteller Nomos aus Glashütte so, wie dessen Geschäftsführerin Judith Borowski im September dem Deutschlandfunk erzählte, unmittelbar nach den Geschehnissen von Chemnitz: "Also wir bekommen jetzt seit einigen Tagen täglich E-Mails von Kunden, die wissen wollen, ob denn irgendein Nazi ihre Uhr zusammengeschraubt hätte. Das schadet uns. Insbesondere natürlich im Ausland."

Uhrenmacher bei der Arbeit
Vielen Kunden von Nomos scheint es wichtig zu sein, wer ihre Uhren baut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nomos nutzt seit 2017 ein Angebot des Vereins "Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen", um in dem Unternehmen nach innen zu wirken – seine rund 300 Mitarbeiter zu sensibilisieren.

Borowski berichtet: "Wir versuchen, sie zu schulen im Umgang mit Rechten: Wie erkenne ich Rechte? Wie dechiffriere ich auch, was sie sagen? Wie lasse ich aus den Polemiken der Rechten die Luft raus und mache da auch einen Faktencheck?"

Interne Schulungen

Auch Andreas von Bismarck, der Chemnitzer Unternehmensleiter, hält den Weg der internen Schulungen und hausgeführten Debatten für den gangbarsten.

Bismarck sagt: "Das war ja immer unser Ansatz: Nicht mit dem Megaphon auf die Straße zu gehen und sich da irgendwie anbrüllen zu lassen oder sonst was, sondern dort zu arbeiten, wo wir den besten Zugriff haben und auch eine gewisse Privatsphäre, nämlich in unseren Belegschaften. Und wir haben natürlich in unseren Belegschaften auch einen Durchschnitt der Gesellschaft, ist ja klar."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Februar 2019 | 07:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2019, 07:17 Uhr

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174 Kommentare

17.02.2019 09:43 Freiheit 174

16.02.2019 19:16 Eulenspiegel---Immer wieder lustig, wenn hier einer den "NSU" als Argument bringt. Warum sind die Akten eigentlich 120 Jahre gesperrt?

17.02.2019 08:20 Ekkehard Kohfeld 173

@ NoFakt 164

(2) Beschränkungen dürfen nur auf Grund eines Gesetzes angeordnet werden."##

Sie schreiben doch selber wann das sich ändert und das steht schon im GG drin und nur Richter haben das zu entscheiden und nicht sie.

17.02.2019 01:49 Querdenker 172

Nicht die Belegschaft der Betriebe braucht eine „Propagandaschulung“, sondern die Unternehmer aus dem Westen benötigen politische Bildung. Ich empfehle die Dokumentation „Operation Zersetzung Terror der Stasi“. Wer damals in der DDR in den Betrieben die „falsche“ Meinung hatte, musste auch Konsequenzen befürchten.

Seine Grundrechte laut Grundgesetz gibt man nicht morgens beim Pförtner im Betrieb ab. Diese Firmen sollten man bzgl. „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“ und „Grundgesetz Artikel 3“ im Auge behalten.

16.02.2019 22:56 der_Silvio 171

@165 Eulenspiegel; "Ich gebe ihnen in so weit Recht das man die linksradikale Seite auch im Auge behalten sollte. Aber wenn ich mir nur alleine ansehe was die NSU alles angerichtet hat. Da kommt die gesamte linksradikale Szene der letzten 30 Jahre nicht ein mal annähern dran. Und das wäre dann nur die NSU."
Im ersten Satz geben sie mir (anscheinend) Recht.
Im Folgenden relativieren sie das vorher Geschriebene. Und genau deshalb nehme ich ihnen das nicht ab!

16.02.2019 22:46 Sabrina 170

@ 16.02.2019 17:06 Janes 158

Sie sollten genauer sein und differenzieren zwischen Deutschen mit Migrationshintergrund islamischer Kulturkreis und dem Rest. Andernfalls ergibt sich ein falsches Bild.
.
Zudem empfehle ich folgende Literatur zu Erweiterung ihres Wissens über Rechtsextremismus:

1.
Stereotaktische Hirnoperationen bei abweichendem Sexualverhalten : Abschlussbericht d. Komm. beim Bundesgesundheitsamt

2. Transsexuellengesetz
"(1) Auf Antrag einer Person, die sich (...) dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet (...) ist vom Gericht festzustellen, daß sie als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, wenn sie
(...)
3. dauernd fortpflanzungsunfähig ist"

Das Transsexuellengesetz wurde 1980 von SPD und FDP beschlossen.

Mitglied dieser FDP war seit 1969 ein Ignatz Bubis, der seit 1978 auch zum Direktorium des Zentralrates der Juden in Deutschland gehörte.
Quelle: Wikipedia/Bubis

16.02.2019 22:31 Sabrina 169

@ 16.02.2019 16:43 Fakt 155
.
Sie verwechseln da etwas.
Die Angelegenheiten zwischen Staat und Bürgern werden im Verwaltungsrecht geregelt.
Teil des Verwaltungsrechts ist das Sozialrecht.
.
Angelegenheiten der Bürger und Unternehmen untereinander werden im Zivilrecht geregelt.
.
Und dann gibt es noch dass Strafrecht.
Das regelt sowohl Straftaten der Bürger und Unternehmen untereinander als auch Straftaten gegen den Staat und theoretisch auch Straftaten der staatlichen Verwaltung und der Regierung, des Parlaments gegen seine Bürger - z.B. Rechtsbeugung.

All diese Regelungen müssen grundgesetzkonform sein, wobei Artikel 1 Abs. 3 Grundgesetz klarstellt, dass die nachfolgenden Grundrechte, also Art. 1-20, Art. 103 (und wohl noch einige einzelne) unmittelbar geltendes Recht sind, also nicht mittelbar über die Zustimmung des Verfassungsgerichts gelten.
Art. 1 Abs. 3 sagt sogar, dass grundgesetzwidrige Entscheidungen des BVerfG nicht angewendet werden dürfen.

16.02.2019 20:51 Meditaor an Querdenker(154) 168

Seit wann sind rechtsextremistische und rechtsradikale Straftaten eine normale politische Ausrichtung? Wenn Vermummte schwangere Afrikanerinnen angreifen, dann ist das menschenverachtend, feige und nicht normal (28.2.18 Wurzen).

Die schlichte Häufung solcher Vorfälle in SN schädigt den Ruf dieses Bundeslandes nachhaltig national und international!

Warum soll es verwerflich sein, wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern zeigen, wie sie die typischen Lügen von Rechtspopulisten erkennen, um Radikalisierung und oben beschriebene Gewalt erst gar nicht entstehen zu lassen? Weil es der AfD schadet, wenn Menschen nachdenken statt sich dem Hass hinzugeben, kann ja wohl kaum ein Argument dagegen sein.

Wie plump manche rechten Lügen sind können sie in Nr. (107) gerne selbst nachprüfen. Wenn Al Jazeera oder CNN international über Neonaziaufmärsche in Sachsen berichten, dann hat das eine enorme Reichweite und negative Außenwirkung und schadet SN.

16.02.2019 20:15 Hanne 167

@Rentnerin 156:

In Sachsen gibt es also keine NAZIS?
Da sagen aber seit Jahrzehnten die Berichte des Landesverfassungsschutzes etwas anderes. Warst du längere Zeit im Ausland und hast vielleicht nicht mitbekommen, dass in der jüngeren Vergangenheit mehrere rechtsterroristische Vereinigungen in Sachsen aufgeflogen sind und deren Mitglieder bereits abgeurteilt wurden?

Wer bereits bei so einem unstrittigen Thema völlig realitätsfremd ist, dem muss man eigentlich nicht weiter zuhören. Du bist eine die hier ständig gegen Ausländer und den Staat hetzt und einen auf Mitleid macht mit ihrem Namen.

16.02.2019 19:36 Hossa 166

@165
Sie vergessen vielleicht das die meisten Personen die Sie als Nazi bezeichnen,mit einer NSU nichts am Hut haben.
Es geht smarter.

16.02.2019 19:16 Eulenspiegel 165

Also Neonazi erkennt man eigentlich sehr schnell. Die schreiben immer von irgendwelchen geheimnisvollen unangenehmen Wahrheiten die so geheim sind das sie selber die nicht kennen.
Hallo der_Silvio 161
Ich gebe ihnen in so weit Recht das man die linksradikale Seite auch im Auge behalten sollte. Aber wenn ich mir nur alleine ansehe was die NSU alles angerichtet hat. Da kommt die gesamte linksradikale Szene der letzten 30 Jahre nicht ein mal annähern dran. Und das wäre dann nur die NSU.