Wirtschaftsfaktor Weihnachtsmarkt Viele Händler auf Umsatz der Weihnachtsmärkte angewiesen

Die Corona-Pandemie macht vieles unsicher in diesem Jahr - auch die Weihnachtsmärkte. Dabei sind die für viele Händler überlebensnotwendig. Der Weihnachtsmarkt ist längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Händler und die Innenstädte geworden. Wie steht es also darum?

Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt am Alten Rathaus 3 min
So sah der Chemnitzer Weihnachtsmarkt im letzten Jahr aus. Ob er dieses Jahr stattfinden wird, ist unklar. Sicher ist nur: Ohne Weihnachtsmarkt müssen Stadt und Händler mit großen Einbußen rechnen. Bildrechte: dpa

Für viele Händler überlebenswichtig - Beispiele aus Mitteldeutschland

MDR AKTUELL Mo 14.09.2020 06:18Uhr 03:05 min

https://www.mdr.de/nachrichten/audio/audio-1525976.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Jedes Jahr werden die Weihnachtsmärkte rund 160 Millionen Mal besucht. Das hat eine Studie des Bundesverbands Deutscher Schausteller und Marktkaufleute ergeben.

Dessen Vize-Präsident Patrick Arens sagt, dass im Schnitt jeder Gast bei seinem Besuch rund zwölf Euro auf dem Weihnachtsmarkt ausgebe. Davon profitierten aber nicht alle Stände auf einem Weihnachtsmarkt gleichermaßen, weiß Arens.

Richtiges Flair für Weihnachtsmärkte wichtig

Es gebe die sehr beliebten Buden und die Geschäfte, die es ein bisschen schwerer hätten: "Die Renner sind die Glühweinstände." Auch Süßwaren wie Weihnachtsgebäck seien stark nachgefragt.

Schwerer habe es das Kunsthandwerk. Das schaue sich der Gast zwar gerne an und mache vielleicht auch Fotos, aber etwas kaufen würde er nicht immer, erklärt Arens. Auf einigen Weihnachtsmärkten würde diesen Händlern deshalb das Standgeld erlassen, sagt Patrick Arens. Denn sie seien wichtig für das Flair eines Weihnachtsmarktes. "Unser Anliegen ist es, dass die Weihnachtsmärkte nicht zu irgendwelchen Feierveranstaltungen werden, sondern den Familienanspruch behalten." Und das sei in diesem Jahr ganz besonders wichtig.

Dresdner Striezelmarkt findet statt

Das gilt wohl auch auf dem Dresdner Striezelmarkt. Der soll laut Stadtratsbeschluss nun ab dem 23. November öffnen. Wie der Weihnachtsmarkt unter Corona-Bedingungen aussehen wird und wie viele Besucher und Besucherinnen tatsächlich kommen werden, ist derzeit schwer zu sagen.

Doch eine Öffnung wäre ein finanzieller Segen für den gebeutelten Handel. In einem normalen Jahr werden mit dem Striezelmarkt 48 Millionen Euro Umsatz erzielt, so eine Studie der IHK Dresden.

Unternehmen auf Märkte angewiesen

Und für Katrin Weiß-Hantsche sichert der Striezelmarkt sogar das wirtschaftliche Überleben ihres Unternehmens. Sie verkauft seit 30 Jahren Pulsnitzer Lebkuchen und Glühwein auf dem Dresdner Weihnachtsmarkt. Dort verdiene sie 90 Prozent ihres Jahresumsatzes. "Ich habe das Unternehmen in den letzten zehn Jahren in die Richtung entwickelt, sodass wir die Einnahmen hauptsächlich aus den Weihnachtsmärkten generieren."

Denn Katrin Weiß-Hantsche verkauft nicht nur auf dem Striezelmarkt, sondern auch auf dem Chemnitzer und dem Leipziger Weihnachtsmarkt. Dort sei jeweils noch nicht entschieden, ob und wie die Märkte stattfinden können. Derzeit werde in den Städten an einer Lösung gearbeitet.

Nicht nur Händler betroffen

Doch diese Unsicherheit mache Weiß-Hantsche mürbe. Insgesamt beschäftigt die Unternehmerin rund 50 Saisonkräfte auf den Weihnachtsmärkten. Weiß-Hantsche könne noch nicht sagen, ob sie alle in diesem Jahr brauchen werde.

Und die Zeit für Entscheidungen werde langsam knapp. Auch für ihre Zulieferer, zum Beispiel sächsische Glühwein-Hersteller: "Denen geht es im Moment genau wie uns, weil sie nicht wissen, was sie an Ware anfertigen sollen. Ich meine, man muss jetzt Weine ansetzen für die Weihnachtszeit." Die Händler und Händlerinnen seien zwar immer nur das Aushängeschild, aber an den Weihnachtsmärkten würden so viel mehr Menschen hängen, kritisiert Weiß-Hantsche.

Und wie viele diese Weihnachtssaison überleben werden, hängt nun von der Gestaltung der Weihnachtsmärkte ab. Klar sei, sie werden in diesem Corona-Jahr völlig anders aussehen als in den Jahren zuvor.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. September 2020 | 06:18 Uhr

4 Kommentare

ElBuffo vor 4 Tagen

Vielleicht die Chance, sich mal wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Wie ist man nur früher ohne wochen- bis monatelange (Magdeburg) Weihnachtsmärkte zurecht gekommen? Diese und andere "Events" leisten sich die Leute von dem, was übrig bleibt. Dieses Jahr bleibt weniger übrig, findet eben weniger statt. So ist das nunmal in der Wirtschaft.

Critica vor 4 Tagen

Thommi, daran haben die verkopften Politiker den geringsten Anteil. Sie spielen ihn nur hoch. Ich las heute, dass Herr Laschet in NRW der Meinung ist, nur weil er Corona so gut gemanagt hat, hätte seine Partei gestern die Wahl gewonnen.
Vielleicht können Sie nun erkennen, warum wir Corona noch eine Weile behalten müssen. Falls Sie es vergessen haben: 2021 stehen mehrere Wahlen an.

Thommi Tulpe vor 4 Tagen

Bisher - und der Meinung bin nicht nur ich! - haben die "verkopften" Politiker, wie Sie es nennen, die Krise gut gemanagt und ihren Teil dazu beigetragen, dass es uns Deutschen während der Pandemie im Vergleich zu vielen anderen Ländern erträglich gut geht. Im Übrigen ist es Ihre freie Entscheidung, welchen Risiken Sie Sich wann und wo aussetzen. Sie sollten Sich in der Pandemie aber auch darüber im Klaren sein, mit Ihrem Verhalten eventuell auch zu einer Gefahr für die Gesamtheit werden zu können!?