Absetzer für Abraum am Rande des Braunkohletagebaus Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG)
Für den Ausstieg aus der Braunkohle fordert der Dresdner Wirtschaftswissenschaftler Ragnitz ein schlüssiges Konzept von den betroffenen Länder. Bildrechte: dpa

Poker um Braunkohle-Milliarden Ifo-Experte fordert Konzept von den Braunkohle-Ländern

Der Dresdner Wirtschaftswissenschaftler Ragnitz fordert von den Ländern bessere Vorschläge für den Kohle-Ausstieg. Sie sollten nicht nur auf Arbeitsplätze schauen. Zudem schlug er einen schleichenden Wandel vor.

Absetzer für Abraum am Rande des Braunkohletagebaus Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG)
Für den Ausstieg aus der Braunkohle fordert der Dresdner Wirtschaftswissenschaftler Ragnitz ein schlüssiges Konzept von den betroffenen Länder. Bildrechte: dpa

Der Dresdner Wirtschaftswissenschaftler Joachim Ragnitz hat für den Strukturwandel in den ostdeutschen Braunkohleregionen ein schlüssiges Konzept von der Politik gefordert.

Bund geht nicht auf unschlüssige Forderung ein

Der stellvertretende Leiter des ifo-Instituts Dresden sagte MDR AKTUELL, jetzt zu sagen, die ostdeutschen Braunkohleländer wollten 60 Milliarden, ohne wirklich zu wissen, was sie mit dem Geld wollten, das gehe nicht. Der Bund als Geldgeber werde auf unschlüssige Forderungen nicht eingehen.

Ich fürchte, die Landespolitiker pokern hoch und werden am Ende als Verlierer dastehen.

Joachim Ragnitz

Aus Ende der Steinkohle wenig gelernt

Die Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg hatten am Freitag 60 Milliarden Euro für den wirtschaftlichen Umbruch gefordert. Derzeit arbeiten knapp 11.000 Menschen in der ostdeutschen Braunkohle-Industrie.

Ragnitz sagte, es dränge sich der Eindruck auf, dass die Länderchefs aus dem Strukturwandel mit dem Ende der Steinkohleförderung im Ruhrgebiet wenig gelernt hätten.

Natürlich sind Investitionen in Infrastruktur sinnvoll, aber wenn in der Lausitz bald nur noch wenige Menschen leben, dann bringt doch auch keine ICE-Anbindung mehr etwas.

Joachim Ragnitz

Gleitender Ausklang möglich

Die drei Ministerpräsidenten hatten außerdem dafür plädiert, den Ausstieg aus der Braunkohle-Produktion bis 2040 nicht zu beschleunigen. Ragnitz zufolge sind bereits jetzt zwei Drittel der Angestellten in der Braunkohle-Industrie älter als 45 Jahre. Daher könne er sich sozialpolitisch einen gleitenden Ausklang der Braunkohle-Förderung für knapp 15 Jahre vorstellen.

Nicht nur auf Arbeitsplätze schauen

Parallel müsse der Staat aber verstärkt zukunftsträchtige Branchen finanziell unterstützen. Laut Ragnitz darf sich die aktuelle Diskussion über den Strukturwandel nicht nur auf Arbeitsplätze konzentrieren. Er sagte, man müsse bei der Förderung auf Branchen schauen, die mit Exporten verdienten oder forschungsintensive Produkte verkauften.

Ich denke da an die Wirtschaftszweige, die sich auf regenerative Energie spezialisieren könnten oder an die geplante Batteriefabrik in der Lausitz.

Joachim Ragnitz
Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des ifo Instituts Dresden
Bildrechte: dpa

Joachim Ragnitz Prof. Dr. Joachim Ragnitz ist stellvertretender Leiter des ifo-Instituts Dresden. Er lehrt Wirtschaftswissenschaft an der TU Dresden und der Universität Leipzig. Ragnitz forscht und veröffentlicht regelmäßig zur ostdeutschen Wirtschaft sowie zu Fördermitteln.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 24. Oktober 2018 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2018, 05:00 Uhr

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13 Kommentare

25.10.2018 19:48 kleinerfrontkämpfer 13

Den neuen Bundesländern steht wieder klein kleiner Umbruch bevor. Da kriegen die Verantwortlichen schon mal ein wenig das Zittern. Denn erneut Perspektivlosigkeit und Zukunftsangst für das Wahlvolk wird weitere Wahlen und und daraus folgende Posten nicht vorhersehbar machen. Da kann es noch stärker Rumoren in den neuen Bundesländern.

25.10.2018 19:45 Eulenspiegel 12

Hallo Ekkehard Kohfeld 10
„Die Regierung ist noch dran das zu kompensieren. Jetzt zeitnah raus aus der Braunkohle? Klar ... wir brauchen dann nur noch mehr Kernenergie / Energie aus fossilen Brennstoffen aus Frankreich und anderen Ländern zu importieren.“
Im Handelsblatt habe ich jetzt gelesen:
„Düsseldorf Die Energiewende in Deutschland vollzieht sich unaufhaltsam: Im ersten Halbjahr produzierten die Erneuerbaren Energien erstmals mehr Strom als Braun- und Steinkohlekraftwerke.“ Ich denke das Ganze zeigt:
Zur Zeit benötigen wir die Kohlekraftwerke noch. Aber schon 10 Jahren wird vieles ganz anders aussehen. Ich finde wir sollten mit dem geordneten Ausstieg beginnen in dem wir zunächst erst ein mal die ältesten Braunkohlekraftwerke, die ja auch gleichzeitig die größten Dreckschleudern sind, abschalten. Dann brauchen wir natürlich auch für die frei werdenden Arbeitskräfte neue Arbeit.

25.10.2018 11:58 Eckehard Lüdke 11

Die Ministerpräsidenten und weitere Politiker haben das Thema schlichtweg ausgessen - das muß man ganz deutlich so sagen. Unverantwortlich.
Alleine nach dem Abschalten der Kraftwerke wird noch sehr viel an Arbeit zu tun sein, zudem bietet der Arbeitsmarkt in anderen Regionen nahezu Vollbeschäftigung-da können die Menschen durchaus Anschluß finden. Jedes Jahr, das jetzt noch mit dem Braunkohletagebau ins Land geht, ist ein verlorenes und schlechtes Jahr für die Heimat und für das Weltklima-vielleicht dämmert es ja langsam mal den Politikern und dem Bürger.

25.10.2018 09:34 Ekkehard Kohfeld 10

Auefan 9 @4 "Ich verstehe nicht warum der Braunhohleausstieg so lange dauern soll, ..." Ähmm ... ernsthaft? Nach dem Ausstieg aus der Kernkraft fällt ein Energielieferant weg. Die Regierung ist noch dran das zu kompensieren. Jetzt zeitnah raus aus der Braunkohle? Klar ... wir brauchen dann nur noch mehr Kernenergie / Energie aus fossilen Brennstoffen aus Frankreich und anderen Ländern zu importieren. Hauptsache Deutschland ist grün :-).##Genau wie mit den alten Autos die gehen nach Afrika,Elektronikschrott nach Afrika,Schiffe zum Abwracken nach Indien,große Teile gelbe Säcke in Verbrennungsanlagen.Der Sinn des ganzen,aus dem Blick aus dem Sinn so einfach geht Umweltschutz und man hat ein gutes Gewissen und die Lemminge sind beruhigt.

24.10.2018 19:40 Auefan 9

@4 "Ich verstehe nicht warum der Braunhohleausstieg so lange dauern soll, ..." Ähmm ... ernsthaft? Nach dem Ausstieg aus der Kernkraft fällt ein Energielieferant weg. Die Regierung ist noch dran das zu kompensieren. Jetzt zeitnah raus aus der Braunkohle? Klar ... wir brauchen dann nur noch mehr Kernenergie / Energie aus fossilen Brennstoffen aus Frankreich und anderen Ländern zu importieren. Hauptsache Deutschland ist grün :-).

24.10.2018 18:27 Ekkehard Kohfeld 8

@ Dieter 7 Herr Ragnitz:
"an die Wirtschaftszweige, die sich auf regenerative Energie spezialisieren könnten oder an die geplante Batteriefabrik in der Lausitz."
Die Batteriefabrik wird der Lausitzer Umwelt sicher gut tun- der Mann ist wohl ein GRÜNER Wissenschaftler? Solche Forderungen aufstellen und meckern- solche Wissenschaftler braucht kein Mensch.##Aber klar tut das gut aus dem Kraftstoff wurde das Blei verband jetzt bauen wir das in noch viel größeren Mengen mit Bleibatterien wieder ein,was für eine Schizophrenie.

24.10.2018 15:39 Dieter 7

Herr Ragnitz:
"an die Wirtschaftszweige, die sich auf regenerative Energie spezialisieren könnten oder an die geplante Batteriefabrik in der Lausitz."
Die Batteriefabrik wird der Lausitzer Umwelt sicher gut tun- der Mann ist wohl ein GRÜNER Wissenschaftler? Solche Forderungen aufstellen und meckern- solche Wissenschaftler braucht kein Mensch.

24.10.2018 13:55 Für 30 Jahre Nichtstun 6

Selbst wenn die Wissenschaftler
das Richtige sagen und erläutern, wird das Richtige von der Politik nicht umgesetzt.

Dort hat man - wie immer -
die Hosen gestrichen voll.

24.10.2018 12:24 Ekkehard Kohfeld 5

@ pkeszler 2 Da muss ich dem Wirtschaftsexperten völlig recht geben. Eine gleitender Übergang in den nächsten 15 Jahren ist notwendig und kein Abwarten in den nächsten Jahrzehnten, wie es die Ministerpräsidenten wollen.##Und sie übernehmen eins der Lemming (Hamster) Räder mit Dynamo zur Stromerzeugen für unsere Industrie oder wollen sie die abschaffen?Zurück ins Mittelalter?Kohle,Stahl,Atom,Chemie und jetzt auch noch die Autoindustrie wovon leben die Millionen Menschen dann noch?Nur von guter Luft und Liebe wird das nichts und das Solar und Wind das nicht hinbekommen sollte inzwischen auch der dümmste Lemminge begriffen haben,gogeln sie einfach mal nach Dunkelflaute.Und wenn unser Produkte dadurch noch teurer werden können wir Produktionen gleich zu machen.Wie kann man nur so naiv und blind sein?Hambacher - Forste läßt grüßen?Ohne Arbeit nichts los,an der jetzigen Luft erstickt niemand aber verhungert
ohne Geld für Lebensmittel.

24.10.2018 10:22 Klartext 4

Ich verstehe nicht warum der Braunhohleausstieg so lange dauern soll,Neue Arbeitsplätze sind doch in Massen vorhanden,besonders in einem innovativen Industriezweig,die Kumpel können alle in der abgewickelten Solarindustrie anfangen,die von unserer Bundesregierung so gut gefördert wurde !