Eine Putzfrau wischt einen gefliesten Boden.
Putzen ist ein Knochenjob, den nicht viele machen wollen - gleichzeitig besteht hoher Bedarf an Arbeitskräften. Bildrechte: Colourbox.de

Gebäudereiniger Die Reinigungsbranche boomt

Immer mehr Menschen in Mitteldeutschland sind laut Arbeitsagentur in der Reinigungsbranche beschäftigt. Sie putzen in privaten Haushalten genauso wie in großen Firmen oder öffentlichen Gebäuden. Woher kommt der Boom? Was zieht er für Folgen nach sich?

von Mareike Wiemann, MDR AKTUELL

Eine Putzfrau wischt einen gefliesten Boden.
Putzen ist ein Knochenjob, den nicht viele machen wollen - gleichzeitig besteht hoher Bedarf an Arbeitskräften. Bildrechte: Colourbox.de

Seit 25 Jahren vermittelt die Firma ASL in Leipzig Putzkräfte an private Haushalte. Vor ungefähr drei Jahren hat sie aufgehört, Werbung zu schalten – weil die Kunden sowieso kämen, erklärt Cornelia Rössel von ASL. Sie sagt: "Wir wachsen und wachsen, das ist wirklich korrekt."

Zum Kundenstamm der Firma gehören viele Familien mit Kindern - bei denen die Eltern beide arbeiten, und die wenige Freizeit nicht mit Putzen verbringen wollen. Rössel erklärt:

Ich merke, dass Kunden zu uns kommen, die früher Leute schwarz beschäftigt haben und das nicht mehr wollen. Sie sagen, sie möchten jemanden haben, der versichert ist.

Cornelia Rössel Reinigungsfirma ASL

Einerseits gebe es immer mehr Menschen, die es sich leisten könnten, 30 Euro die Stunde für eine angestellte Putzkraft auszugeben. Andererseits wachse der Kundenstamm, weil seit drei Jahren Pflegebedürftige das Anrecht auf mehr Unterstützung in diesem Bereich hätten.

Viele Ältere lassen putzen

Rössel weiß, dass das mit der niedrigschwelligen Betreuung zusammenhängt. Sie sagt: "Seitdem quasi alle Menschen mit einer Pflegestufe 125 Euro im Monat für haushaltsnahe Dienstleistungen bekommen, ist natürlich auch bei diesen älteren Leuten ein Anstieg zu verzeichnen."

Überall in Mitteldeutschland ist die Zahl der regulären Anstellungsverhältnisse in der Reinigungsbranche in den vergangenen Jahren gestiegen, laut Arbeitsagentur je nach Bundesland um mindestens zehn Prozent. Gleichzeitig ging die Zahl der Minijobber in diesem Bereich aber überall zurück.

Verschiebung bei Arbeitsverhältnissen

Für Mirko Hawighorst von der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt boomt die Reinigungsbranche abseits der privaten Haushalte deswegen nicht – es finde lediglich eine Verschiebung statt. Hawighorst hat keine signifikante Steigerung an Aufträgen festgestellt. Er sagt: "Ich denke mal, das wird dann mehr umgeschichtet."

Das Umschichten ist für Hawighorst eine Folge des gravierenden Arbeitskräftemangels in der Branche. Diese wachse, weil die Beschäftigten von Minijobs in normale Anstellungsverhältnisse wechselten, oder von der Selbstständigkeit in eine Anstellung. Der Gewerkschafter erklärt: "Ich kenne noch Zeiten, wo dann gesagt wurde – wenn du nicht willst, wie ich will, dann kannst du gehen, draußen warten 1.000 Leute. Das ist natürlich nicht mehr so. Jetzt kann man sich das natürlich auch aussuchen."

Schwerer Job

Ob die geregelteren Arbeitsverhältnisse aber helfen, die Lücken beim Nachwuchs zu stopfen? Da ist Hawighorst skeptisch. Gebäudereiniger – das sei immer noch ein vergleichsweise schlecht bezahlter Knochenjob.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. November 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2018, 07:31 Uhr

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3 Kommentare

09.11.2018 15:46 zeitgeist 3

30 EURO die Stunde für eine Putzkraft ? Kein Kommentar weiter dazu !

09.11.2018 13:41 C.T. 2

Klar boomt es, bei den lausigen Löhnen. Wie groß muss die Not in Deutschland bereits sein, um so viele Menschen in solch unwürdige Arbeitsverhältnisse zu treiben. Erschreckend wohin sich dieses Land entwickelt...

09.11.2018 10:23 Pfingstrose 1

Die Reinigungsbranche boomt
Immer mehr Menschen in Mitteldeutschland sind laut Arbeitsagentur in der Reinigungsbranche beschäftigt. Sie putzen in privaten Haushalten genauso wie in großen Firmen oder öffentlichen Gebäuden. Woher kommt der Boom? Was zieht er für Folgen nach sich? Um nicht in die Hartz 4 Falle hinein zu fallen arbeiten lieber viele Menschen im Akkord und Niedriglohnsektor. Auch werden viele Arbeitslose und H4 Empfänger in diese Dienstleistungen rekrutiert auf unbestimmte Zeit mit einer Fangprämie für den Arbeitgeber. Aber ohne Arbeitslosenversicherung.