Himmelsscheibe von Nebra
Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als eines der kostbarsten Exponate Deutschlands. Bildrechte: imago/Köhn

MDR-Magazin "Umschau" Grünes Gewölbe: Diebstahl sorgt für Entsetzen in Museumswelt

Der Diebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden hat heute weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Besonders sensibel wurde die Nachricht in der Museumswelt aufgenommen. Neben Entsetzen gibt es auch Mitgefühl.

Himmelsscheibe von Nebra
Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als eines der kostbarsten Exponate Deutschlands. Bildrechte: imago/Köhn

Der Juwelenraub im Grünen Gewölbe in Dresden hat auch in anderen Museen für einen Schock gesorgt. Alfred Reichenberger vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle sagte dem MDR-Magazin "Umschau": "In der gesamten Museumswelt herrscht maßloses Entsetzen." Im Landesmuseum Halle lagert unter anderem die berühmte Himmelsscheibe von Nebra. "Der materielle Wert ist geringer als der kulturhistorische Wert und der ist nicht zu beziffern, denn die Dinge sind alle unersetzlich", so Reichenberger. Er ist gleichzeitig auch stellvertretender Landesarchäologe Sachsen-Anhalts. Elmar Egner von der Domschatzverwaltung Quedlinburg reagiert ähnlich und hat Mitgefühl mit den Verantwortlichen in Dresden. Er sagte der "Umschau": "Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken. Wenn man so etwas hört und liest, da kommen einem selber ganz schön die Tränen."

Keine 100-prozentige Sicherheit

Alfred Reichenberger vom Landesamt für Archäologie im Interview
Alfred Reichenberger, Landesmuseum für Vorgeschichte Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Beide Kunstexperten betonten, dass es in Museen keine 100-prozentige Sicherheit vor Diebstahl geben könne. Dennoch werde stets der aktuelle Standard überprüft und nachgebessert. Alfred Reichenberger vom Landesmuseum für Vorgeschichte sagte aber, dass dort nach dem spektakulären Goldmünzenraub im Berliner Bode-Museum vor zwei Jahren die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal intensiv überprüft wurden: "Wir sind permanent im Landesmuseum im Kontakt mit der Polizei und dem LKA. Wir stimmen uns mehrmals jährlich ab, was wir besser machen können. Das ist immer ein Rennen mit dem Hase und dem Igel – wenn ein besseres Sicherheitsglas auf den Markt kommt, dann rüsten wir das nach." Momentan gebe es in Halle keine Defizite. Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als eines der kostbarsten Exponate Deutschlands. Sie gehört zum sogenannten Weltdokumentenerbe. Von 400 Dokumenten ist die Himmelsscheibe das einzige in Sachsen-Anhalt. Für den Domschatz in Quedlinburg sieht Elmar Egner ebenfalls keinen akuten Nachbesserungsbedarf: "Wir haben hier eine sehr gute Sicherheit im Haus und das Haus ist gut überwacht. Deshalb hoffe ich, dass wir nicht die nächsten sind."

Kaum Versicherungen in Museen

Wie auch für die Exponate im Grünen Gewölbe gibt es für die Himmelsscheibe von Nebra keine Versicherung in der Heimatausstellung. Bei Leihgaben würde aber durch den Leihnehmer versichert. Das sei in vielen Museen nicht üblich und auch gar nicht möglich, so Alfred Reichenberger: "Allein unser Museum hat 16,5 Millionen Fundstücke. Wie wollen Sie die versichern? Wenn Sie die Gesamtwerte zusammennähmen, könnte die Policen niemand bezahlen. Man würde keine Versicherung dafür finden." Dies gelte aber nicht für Exponate, die für eine bestimmte Zeit an andere Museen ausgeliehen werden.

Wenn zum Beispiel die Himmelsscheibe auf Reisen ist, ist der Leihnehmer dafür zuständig und muss die Versicherungssummen bezahlen.

Alfred Reichenberger, Landesmuseum für Vorgeschichte

Domschatz Quedlinburg ist versichert

Stiftskirche mit Domschatz
Der Domschatz in Quedlinburg. Bildrechte: IMAGO

Entgegen der dargestellten Handhabe bei Museen sei der Domschatz Quedlinburg wiederum sehr wohl auch in seiner Heimatausstellung versichert. Eine genaue Summe will Elmar Egner von der Domschatzverwaltung nicht nennen. Aber zur generellen Praxis sagte er: "Man kann sagen, dass Kulturgüter in der Regel versichert sind. Die Kirche hat ihre Versicherungsgesellschaft, bei der wir angeschlossen sind."

Gerne wird in solchen Momenten immer gefragt nach Versicherungssummen, darüber werde ich aber nicht reden, denn die Gelder spielen keine vordergründige Rolle. Was versichert ist, sind Versicherungswerte. Solche Stücke werden immer mal geschätzt, das sollte man auch regelmäßig neu machen.

Elmar Egner, Domschatzverwaltung Quedlinburg

Der Domschatz sei erst vor kurzer Zeit auf seinen Wert hin überprüft worden: “Der Domschatz Quedlinburg ist ein leider ein besonders gutes Beispiel. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg sind einige Stücke verloren gegangen und erst später, Anfang der 90er Jahre, wieder zurück gekommen. Dementsprechend sind unsere Schätzungen relativ aktuell. Da geht es immer um Verlust. Ob das nun Verlust durch Diebstahl ist oder durch Brand – das bleibt dann erstmal offen."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 26. November 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2019, 18:29 Uhr