Brandgefahr durch Batterien Brände bei Elektroautos sind Problem für Feuerwehren

Anfang 2019 sorgten brennende Elektro-Transporter der Deutschen Post für Schlagzeilen. Viel Kritik kam damals von Feuerwehrverbänden, die sich für solche Fälle nicht gerüstet sahen. Was hat sich inzwischen getan?

Ein gelber Kastenwagen, seitlich bedruckt mit werbung für die Deutsche Post.
Bildrechte: Hendrik Schmidt/dpa

Was war geschehen?

Im November 2018 brennen innerhalb weniger Tage zwei DHL-Lieferfahrzeuge (Streetscooter) komplett aus. Ausgegangen waren die Brände von den Antriebsbatterien der E-Transporter. Die MDR-Wirtschaftsredaktion recherchiert ein internes Schreiben der Deutschen Post, welches rund 460 Fahrzeuge der Streetscooter-Flotte als potentiell brandgefährdet einschätzt. Ursache dafür sind laut diesem Schreiben fehlende Verschweißungen in den verbauten Lithium-Ionen-Batterien. Genau diese Batterien machen die Einsätze mit E-Autos für die Feuerwehr heikel. Damals kritisieren Fachverbände, dass Feuerwehren noch unzureichend für solche Einsätze vorbereitet seien und weisen auf die Gefahren hin, die von verunfallten E-Autos ausgehen.

Veränderte Lieferkette beim Streetscooter

Der Streetscooter war lange Zeit ein Aushängeschild der Deutschen Post. Nach den Bränden mussten 460 Lieferfahrzeuge aus dem Verkehr gezogen und wochenlang geprüft werden. Inzwischen sagt die Deutsche Post, an dieser Stelle nachjustiert zu haben: "In der Folge wurde die Zusammenarbeit mit dem Unterlieferanten des betroffenen Bauteils beendet und dieser durch einen neuen Unterlieferanten ersetzt". Weiterhin, so die Post, habe Streetscooter innerhalb der Fertigungskette weitere Kontrollmechanismen installiert.

Wer die fehlerhaften Batterien lieferte und wie es zu den Produktionsfehlern kommen konnte, darüber schweigt sich die Post aus rechtlichen Gründen nach wie vor aus. In der Zwischenzeit habe sich die Zahl der Streetscooter im Betrieb weiter erhöht. 11.000 Fahrzeuge seien mittlerweile im Betrieb. Und auch im nächsten Jahr soll die Anzahl der Verbrenner-Fahrzeuge weiter reduziert werden. Die Deutsche Post setzt bei ihrer Fahrzeugflotte also weiter auf Elektro-Zuwachs.

Feuerwehren sehen Problem

Mit dem Ziel der Bundesregierung, die Zahl von Elektrofahrzeugen zu steigern, werden wahrscheinlich auch die Unfallzahlen mit diesen Autos steigen. Entsprechend häufiger werden Feuerwehren bei ihren Einsätzen auch mit brennenden oder beschädigten Antriebsbatterien zu kämpfen haben. Bisher ist die Zahl solcher Unfälle immer noch überschaubar. Trotzdem zeigt sich schon jetzt, dass E-Auto-Brände alle Einsatzkräfte vor vielfältige Probleme stellen.

Lithium-Ionen-Batterien, die in Brand geraten, sind nur mit großen Mengen an Wasser zu löschen bzw. herunter zu kühlen. Daher hat es sich bei früheren Einsätzen als zweckmäßig erwiesen, verunfallte Elektrofahrzeuge in große Wassercontainer zu tauchen. So wird die beschädigte Batterie verlässlich gekühlt und verhindert, dass sie sich neu entzündet. Zu einem sogenannten thermischen Durchgehen kann es nämlich auch noch etliche Tage nach einem Unfall oder Brandgeschehen kommen.

Aufwendige und teure Löscharbeiten

Dies bestätigt auch Michael Schwabe, der Unfälle mit E-Autos weiterhin als problematisch ansieht. Er ist Vorstandsmitglied und Fachbereichsverantwortlicher des Landesfeuerwehrverbandes Thüringen. Schwabe sagt: "Es ist im Prinzip einfacher, das Fahrzeug gleich in den Container zu tauchen. Das Wasser im Container muss sowieso speziell entsorgt werden. Läuft das Löschwasser in die Umgebung ab, muss diese im Zweifel im Anschluss dekontaminiert werden, wenn etwa Flusssäure aus der Batterie austritt." Bei einem der früheren Streetscooter-Brände war Flusssäure aus der Batterie ausgelaufen. Die Feuerwehr musste daraufhin den gesamten Einsatzort bis tief in die Nacht dekontaminieren.

Schwabe weiter: "Ich weiß von Feuerwehren, die überlegen, sich den Container selber anzuschaffen, weil sie befürchten, später für verursachte Umweltschäden in Regress genommen zu werden. Kontaminiertes Wasser sollte nicht in die Kanalisation laufen. Wie soll das eine Feuerwehr im Zweifel garantieren?" Allerdings dürften die finanziellen Belastungen nicht an den Gemeinden hängenbleiben. Vor allem Politik und Industrie seien da auch in der Pflicht. "Teilweise haben Feuerwehren schon Container und entsprechende Trägerfahrzeuge etwa für den Transport von Sand. Hier könnte man überlegen, solche Container als größere und wasserfeste Variante anzuschaffen", erklärt Schwabe.

Kennzeichnungspflicht für E-Autos

Einig sind sich die Feuerwehrverbände vor allem darin, dass es eine verbindliche Kennzeichnungspflicht für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben geben sollte. Derzeit ist dies für Fahrzeughalter freiwillig. Hier müsse das Bundesverkehrsministerium der Autoindustrie entsprechende Vorschriften machen, um Feuerwehren aber auch Ersthelfer besser vor Stromschlägen oder Explosionen durch Batterien zu schützen. Grundsätzlich befinde man sich aber weiterhin in einem generellen Lernprozess, was den Umgang mit E-Autos angeht, und könne daher noch nicht valide und statistisch belastbar urteilen.

Kürzlich ein Fall in Eisenach

Einen der jüngsten Vorfälle mit einer sich wieder entzündenden Lithium-Ionen-Batterie gab es am 11. Dezember 2019 in Eisenach. Laut Angaben der Thüringer Polizei mussten die Kameraden um Mitternacht ausrücken, um einen brennenden BMW zu löschen, der unterhalb der Wartburg parkte. Der Wagen brannte vollständig aus. Personen kamen nicht zu Schaden. Informationen der Eisenacher Feuerwehr zufolge war im Pkw eine Zusatzbatterie für den Betrieb der Fahr-Assistenzsysteme verbaut.

Die Feuerwehr löschte den Brand und kontrollierte vor dem Abtransport mit einer Wärmebildkamera das Fahrzeugwrack auf Brandherde. Trotzdem kam es etwa 15 Stunden später erneut zum Brand. Die Batterie, die in diesem Fall aber nur etwas größer als eine herkömmliche Autobatterie war, hatte sich auf dem Hof des Abschleppdienstes erneut entzündet. Sie musste mit Spezialwerkzeug aus ihrer Hülle entfernt und wieder gelöscht werden. Der ausgebrannte Pkw wird von der Polizei noch kriminaltechnisch untersucht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 26. März 2019 | 20:15 Uhr