Industrie im Osten Das Schicksal der Ost-Brauereien

Nach der Wende ging es mit vielen Teilen der Ost-Industrie bergab – auch mit den Brauereien. Das Beispiel der Dessauer Brauerei steht exemplarisch für einen Niedergang, von dem sich nur wenige Marken erholen konnten.

Luftaufnahme von der alten Brauerei in Dessau
Die Brauerei Dessau produzierte 130 Jahre lang. Dann kam das Aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fast 130 Jahre lang wurde in der alten Brauerei in Dessau Bier gebraut. Hans Kreisel hat sein Leben lang auf dem weitläufigen Industriegelände gearbeitet. 1947 hat er hier als Lehrling angefangen. Dann kam die Wende und die Brauerei wurde im Eiltempo durch die Treuhand verkauft, wie sich der heute 88-Jährige erinnert: "Das ging ruckzuck und dann war Feierabend. Es war eben sozusagen alles auf Abbruch."

Neuer Markt für Westbrauereien

Die Dessauer Brauerei war eine der größten in der DDR. Vor 1990 arbeiteten in dem VEB Getränkekombinat Dessau mehr als tausend Leute. Der Bier-Ausstoß lag bei fast einer Million Hektoliter. Doch mit der Wende kam die Westkonkurrenz, die auf neue Absatzmöglichkeiten aus war, wie der Volkswirt Prof. Karl-Heinz Paqué von der Universität Magdeburg erklärt: "Das war wie in der Ernährungswirtschaft insgesamt, dass man bei einer Bevölkerung von rund 16 Millionen Ostdeutschen natürlich einen Markt witterte."

Aufbruchsstimmung im Westen, Neugier im Osten

Alexander Hofmann von der Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens
Alexander Hofmann von der Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Westbrauereien kamen zuerst mit improvisierten Verkaufsständen, dann mit Bier-Lieferungen in großem Stil. Viele Brauereien aus der Bundesrepublik hatten in den 1980er-Jahren eher mäßige Geschäfte gemacht, weil im Westen immer weniger Bier getrunken wurde. Alexander Hofmann von der Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens e.V. beschreibt die Aufbruchsstimmung im Westen Deutschlands so: "Dort hatte man einen gesättigten Markt und jetzt hatten wir einen hungrigen Markt auf der anderen Seite. Man war im Endeffekt nicht mit Marken und mit verschiedenen Geschmäckern dort verwöhnt wurden. Und jetzt öffnete sich die Grenze, und alle waren hungrig drauf, was Neues auszuprobieren. Und dort gab es die Chance erst einmal zu begeistern."

Von der Treuhand an Paulaner verkauft

Bierlaster der Dessauer Brauerei mit einem Paulaner-Anhänger
Die Dessauer Brauerei wurde rasch zur Vertriebsstation für Paulaner. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Von München aus drängte auch der bayerische Unternehmer Josef Schörghuber auf den Markt im Osten. Zu seiner Unternehmensgruppe gehörte unter anderem die Paulaner Brauerei. 1991 kaufte er von der Treuhandanstalt die Brauerei Dessau. Der effektive Kaufpreis damals lag mitsamt mindestens 100.000 Quadratmetern Grundstücksflächen bei 1,8 Millionen D-Mark. So wie in Dessau hatte die Treuhand bis Ende 1991 nahezu alle Ostbrauereien an Braubetriebe aus der Bundesrepublik verkauft.

Hoffnung bis zuletzt

Michael Pützschler, Betriebsrat der Dessauer Brauerei 1994
Als Betriebsrat sah Michael Pützschler 1994 dem drohenden Ende entgegen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Brauerei in Dessau diente von Anfang an als Vertriebsstation für die Biere aus Bayern. Gleichzeit sank der Absatz der Marke Dessauer, dem eigentlich hier gebrauten Bier. Anfang 1994 war die Zahl der Beschäftigten bereits auf 125 gesunken, und die Angst, der Betrieb werde bald ganz schließen, wuchs. "Sollte sich der Absatz weiterhin zurückbewegen, vermuten wir, dass wir das nächste Jahr wohl kaum überleben werden", sagte der damalige Betriebsrat Michael Pützschler 1994 in einem Interview. Heute lebt er am Rande des Schwarzwalds, denn wie viele andere ist er wegen der Arbeit in den Westen gezogen. Der Niedergang der Brauerei Dessau beschäftigt ihn bis heute, denn er und die ganze Belegschaft wollten eigentlich gerne weitermachen: "Wir hatten ja alle Hoffnung, dass es jetzt vielleicht doch klappt, dass es vorwärts geht. Wir waren alle motiviert und wollten, aber es ging eben nicht."

Niedergang und Ende

Michael Pützschler, ehmaliger Betriebsrat der Dessauer Brauerei 2020
Das Ende der Brauerei Dessau beschäftigt Michael Pützschler bis heute. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Michael Pützschler erinnert sich noch gut, wie er und andere Betriebsräte 1994 in die Münchner Konzernzentrale bestellt wurden. Nachdem es bei einer Abstimmung im Aufsichtsrat zu einer Pattsituation gekommen war, zog der Gesellschafter einen Beschluss hervor, mit dem er das Ende des Brauereistandorts Dessau besiegelte. Betriebsrat Pützschler wandte sich an die Treuhand, forderte eine Rückabwicklung des Verkaufs an die Paulaner Brauerei.

Karl-Heinz Rüsberg, der Chef der Treuhandniederlassung in Halle, war empört über die Entwicklung in der Dessauer Brauerei. Gegenüber der "Umschau" forderte er damals frustiert, "dass sie aus diesem Konzern auch mit neuen innovativen Produkten kommen. Und wenn das eine nicht geht, sollen sie gefälligst was anderes machen, damit die Arbeitsplätze geschaffen und erhalten werden. Genau das fordere ich!"

Passiert ist aber nichts. Die Produktion in Dessau wurde gestoppt. "Man war wütend, klar", sagt Michael Pützschler rückblickend, "aber man war auch machtlos, ohnmächtig. Was sollte man machen?"

Ostbiere aus dem Westen

Etikettenvergleich: Dessauer Castor und Der alte Dessauer Castor
Aus rechtlichen Gründen wurde der Name verändert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zur gleichen Zeit wurde in Bayern die Produktion hochgefahren. Paulaner ließ das Dessauer Bier, etwa der Sorte Castor, jetzt in München herstellen. Kapazitäten hatte man genug, Um sich rechtlich abzusichern, benannten die Bayern das Bier um: Aus "Dessauer" wurde der "Alte Dessauer".

Im Westen produzieren, im Osten verkaufen, so machten es viele. Köthener Bier beispielsweise kam nicht mehr aus Köthen, sondern aus dem hessischen Pfungstadt.

Die Brauerei in Dessau wurde zur reinen Vertriebsstation – für Biere aus dem Westen. Die Gärtürme wurden 1995 nach Holland verkauft.

Brauereisterben im Osten

Überall in den neuen Bundesländern war die Bierproduktion massiv eingebrochen. In Sachsen-Anhalt etwa wurden 1989 noch 3,8 Millionen Hektoliter Bier produziert. 1994 waren es nur noch 1,2 Millionen Hektoliter. Die Zahl der Brauereien ging stark zurück, wie Alexander Hofmann mit Zahlen belegt: "Wenn man zurückschaut in das Land Sachsen-Anhalt, da ist es vielleicht am krassesten: Dort haben wir von 24 Brauereien um die Wende im Jahr 2001 nur noch fünf. Das ist schon extrem. Auch in Sachsen ist es deutlich zu spüren: von 50 im Jahr 1989 auf 31 im Jahr 2001."

In dieses Vakuum stieß nach der Wende die Gilde Brauerei aus Hannover mit dem Kauf von Hasseröder. Die kleine Traditionsbrauerei wurde zu einem der modernsten Brau-Betriebe Europas ausgebaut.

Erfolgreiche Wiederbelebung von Ost-Marken

Volkswirt Prof. Karl-Heinz Paqué
Volkswirt Prof. Karl-Heinz Paqué Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Volkswirt Prof. Karl-Heinz Paqué kennt neben den massiven Investitionen noch einen weiteren Faktor für die erfolgreiche Wiederbelebung ostdeutscher Biere: "Werbekampagnen, die die alten Marken wiederbelebten, waren in einzelnen Fällen sehr erfolgreich. Ich denke zum Beispiel an Radeberger Bier, da gab es dann schnell wieder steigende Absatzzahlen. Heute heißt der ganze Konzern, der Binding-Konzern, nicht mehr Binding, sondern ist jetzt nach Radeberger genannt und ist meines Wissens einer der größten Braukonzerne in Deutschland."

Frisches Bier aus Dessau

Luftaufnahme von der alten Brauerei in Dessau
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass in Dessau wieder Bier gebraut wurde, ist der Vision von Regina Gröger zu verdanken. Die Unternehmerin übernahm Ende der 1990er die Braurechte und träumte davon, in einem heruntergekommenen Nebengebäude der Brauerei in der Innenstadt wieder Bier zu brauen und Gastronomie zu betreiben. Sie war auch Mitglied eines Kulturvereins, der sich bemüht das historische Brauereigebäude zu erhalten. Als Regina Gröger im Dezember 2019 mit 70 Jahren starb, hatte sich ihr verwegener Traum bereits erfüllt. Dass ihre Idee auch funktioniert hat, ist ihr unternehmerisches Vermächtnis, mit dem sie ihrer Stadt einen Teil der verlorenen Industrieerbes wieder zurückgegeben hat.

Ostmarken mit Westproduzenten Wo Osten drauf steht, steckt nicht immer Osten dahinter

Blick in einen Einkaufskorb mit Produkten wie Sekt, Bier, Waschmittel und Nudeln
"Von hier", "Kult-Produkt" – Ostmarken wie Rotkäppchen, Spee oder Florena haben sich ihren Platz in den ostdeutschen Supermärkten zurückerobert. Doch wo Ostprodukt drauf steht, steckt so gut wie nie auch ostdeutsches Geld dahinter.
Bildrechte: Volker Queck, MDR
Blick in einen Einkaufskorb mit Produkten wie Sekt, Bier, Waschmittel und Nudeln
"Von hier", "Kult-Produkt" – Ostmarken wie Rotkäppchen, Spee oder Florena haben sich ihren Platz in den ostdeutschen Supermärkten zurückerobert. Doch wo Ostprodukt drauf steht, steckt so gut wie nie auch ostdeutsches Geld dahinter.
Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Tüte Knusperflocken von Zetti
Auch in den Knusperflocken von Zetti steckt westdeutsches Kapital. Seit 2011 beteiligt sich der Eigenkapitalfinanzierer VR Equitypartner aus Frankfurt am Main an der Leipziger Goldeck Süßwaren GmbH. Das neue Kapital wurde zur Modernisierung des Produktionsstandortes in Zeitz eingesetzt. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Ein großer Topf Bautzner Senf
Einer der beliebtesten Senfe in Ostdeutschland kommt aus der Oberlausitz. Seit 1953 aus dem VEB Essig- und Senffabrik Bautzen, später VEB Lebensmittelbetrieb Bautzen. 1992 kaufte das bayerische Traditionsunternehmen Develey Senf & Feinkost aus Unterhaching das Bautzener Werk von der Treuhandanstalt. Develey investierte in eine neue Senf- und Feinkostfabrik in der ostsächsischen Stadt. Seit 2008 firmiert das Unternehmen als Bautz’ner Senf & Feinkost GmbH. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Drei Flaschen Bier
Die ostdeutschen Bierbrauereien von Rostock bis Radeberg gehören zwar dem Namen nach zu einem ostdeutschen Unternehmen, nämlich der Radeberger Gruppe, doch dahinter steht das westdeutsche Familienunternehmen von Dr. August Oetker aus dem nordrheinwestfälischen Bielefeld. Ursprung der heute größten deutschen Brauereigruppe ist die 1952 von Oetker gegründete Binding Brauerei in Frankfurt.
Und bei den anderen ostdeutschen Brauereien sieht es ähnlich aus: Das Köstritzer Schwarzbier wurde 1991 von der Bitburger-Gruppe aus Rheinland-Pfalz übernommen, zu der seit 2002 auch Wernesgrüner, das DDR-Exportbier aus dem Vogtland, gehört.
Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Packung Reis und eine Tüte Erdnussflips
Wurzener Erdnussflips und Wurzener Reis kommen zwar aus Wurzen, aber hinter der Wurzener Nahrungsmittel GmbH steht ein westdeutsches Unternehmen: die Getreide AG Rendsburg aus Schleswig-Holstein. Das westdeutsche Getreidehandelshaus übernahm 1993 den Treuhandbetrieb Wurzener Nahrungsmittel und Keksfabriken GmbH. Unter der Marke "Wurzener" werden heute auch diverse Cornflakes und andere Frühstücksflocken verkauft. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Packung Burger Knäckebrot
Knäckebrot und Zwieback aus Burg bei Magdeburg: zwei Produkte, die in der DDR quasi in aller Munde waren, hatten es nach der Wende zunächst schwer, sich in den Supermarkt-Regalen zu behaupten. Mehrfach wechselten nach 1990 die Besitzer des Betriebes. 2001 schließlich kaufte der westdeutsche Zwieback-Marktführer Brandt den ostdeutschen Konkurrenten auf. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Packung Hallorenkugeln
Die Schokokugeln aus Halle an der Saale haben sich inzwischen den ostdeutschen Markt zurückerobert. Der 1952 gegründete VEB Halloren wurde 1992 von der Treuhand für rund 400.000 D-Mark an den Hannoveraner Wirtschaftsprüfer Paul Morzynski und seine Halloren Beteiligungsgesellschaft mbH verkauft. 2007 wurde das Unternehmen in die Halloren Schokoladenfabrik AG umgewandelt und ging an die Börse. Seit 2016 ist es dort nicht mehr notiert. Hauptaktionäre ist die Firma "Charlie Investors". Der Hauptsitz der Halloren Schokoladenfabrik AG befindet sich nach wie vor in Halle. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Flasche Rotkäppchen-Sekt
"Rotkäppchen hat Mumm" titelten die Zeitschriften, als die Sektkellerei aus Freyburg an der Unstrut 2002 die West-Marke Mumm aufkaufte. Allerdings wurde Mumm keineswegs von einem Ostunternehmen geschluckt. Der einstige VEB Rotkäppchen-Sektkellerei Freyburg/Unstrut wurde 1993 von der Treuhandanstalt zwar an ehemalige Mitarbeiter verkauft, doch im Boot saß auch der westdeutsche Getränkehersteller Eckes-Chantré aus Rheinhessen, der heute mit 58 Prozent die Mehrheit hält. Allerdings hatte es bei Rotkäppchen mit Gunter Heise, der ehemalige Chef der Sektkellerei nach 1991, ein Ostdeutscher zum Geschäftsführer gebracht. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Tüte Nudeln
Nudeln aus Riesa kannte in der DDR jeder. Und auch heute sind sie aus den Regalen vieler Supermärkte nicht wegzudenken. Die Teigwarenfabrik Riesa ist seit Januar 1993 Tochter der baden-württembergischen Alb-Gold Teigwaren GmbH und firmiert seither als Teigwaren Riesa GmbH. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Ein Glas Spreewälder Gurken
Bei sauren Gurken ist heute die Firma "Spreewaldhof" einer der Marktführer. Hervorgegangen ist sie aus dem VEB Spreewaldkonserve Golßen, der Zentrale der Spreewälder Konservenindustrie. Das Unternehmen gehört den Geschwistern Karin Seidel und Konrad Linkenheil vom Niederrhein. Nach der Wende hatten die beiden in Ostdeutschland eine neue Produktionsstätte für ihre Obstkonservenfabrik gesucht. Im Spreewald wurden sie fündig. 1991 kauften die Geschwister den einstigen VEB. Im Jahr 2000 wurde die Produktion aus dem Rheinland schließlich komplett in den Spreewald verlagert. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Tüte Spee
Spee war seit 1968 der Renner unter den Waschmitteln in der DDR. Produziert wurde es im VEB Waschmittelwerk Genthin. 1990 kaufte die Henkel KGaA das Werk von der Treuhandanstalt zurück. Henkel hatte das Werk bis 1945 besessen. Der Konzern kassierte vom Land Sachsen-Anhalt Fördergelder in zweistelliger Millionenhöhe. Daran war eine Standortbindung von zehn Jahren gebunden. Mittlerweile hat sich Henkel vollständig aus Genthin zurückgezogen. Alle Produktionsanlagen wurden mit nach Düsseldorf zum Stammsitz des Konzerns genommen. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine runde Büchse Florena-Creme
Die Universalcreme in der blau-weißen Dose sah in der DDR dem Westprodukt Nivea zum Verwechseln ähnlich. Nach der Wende konnte Florena zwischenzeitlich nur dank des Exportes nach Russland überleben. Später kauften auch wieder die Ostdeutschen die sächsische Creme. Der Betrieb wurde unter dem Namen Florena Cosmetic GmbH von drei Sachsen geführt, die die Mehrheit des Kapitals erwarben. Zum westdeutschen Konkurrenz-Konzern Beiersdorf gab es einen guten Draht. Der ließ im sächsischen Waldheim zunächst eigene Produkte herstellen. 2002 übernahm Beiersdorf Florena vollständig: Das Werk wurde eine 100-prozentige Tochtergesellschaft. In Waldheim werden neben den Florena-Produkten auch Nivea und Eucerin hergestellt. Seit 2012 firmiert das Unternehmen als Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH. Bildrechte: "Beiersdorf AG"
Drei Päckchen Zigaretten
Die Ost-Zigarette f 6 wurde bis 2019 in Dresden-Striesen produziert, Eigentümer des einstigen VEB Dresdner Zigarettenfabriken ist seit 1990 jedoch die Altria Group, Inc. (bis 2003 Philip Morris Companies Inc.). Mittlerweile werden die f6-Zigaretten in Polen und Tschechien hergestellt. Juwel wurden 2016 vom Markt genommen. Auch die Marke Cabinet wird inzwischen nicht mehr im Osten produziert. Ende der 1990er-Jahre schloss die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH, eine hunderprozentige Tochter des US-Tabakkonzern Imperial Brands plc., den Produktionsstandort in Nordhausen. Seither werden die Zigaretten im niedersächsischen Langenhagen hergestellt. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Keksverpackungen: Butterkeks und Othello-Keks
Kaum ein Kind in der DDR ahnte damals wohl, dass im VEB Wikana in Wittenberg nicht nur leckere Othello-Kekse und das Lutherbrot hergestellt wurden, sondern vor allem Dauerbackwaren für die Nationale Volksarmee. Und weil dieser Großabnehmer mit dem Ende der DDR wegfiel, kam der Betrieb in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1992 kaufte ein Privatinvestor aus Halle/Saale den Betrieb von der Treuhand. Mit 20 ehemaligen Beschäftigten startete das Unternehmen neu. Das Land Sachsen-Anhalt und die EU finanzierten für 3 Millionen Euro neue Produktionsanlagen. Seit 1997 heißt die Firma Wikana Keks und Nahrungsmittel GmbH.

Dieses Thema im Programm: Umschau | MDR FERNSEHEN | 18.02.2020 | 20:15 Uhr
Bildrechte: MDR/Volker Queck
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Blick in einen Einkaufskorb mit Produkten wie Sekt, Bier, Waschmittel und Nudeln
"Von hier", "Kult-Produkt" – Ostmarken wie Rotkäppchen, Spee oder Florena haben sich ihren Platz in den ostdeutschen Supermärkten zurückerobert. Doch wo Ostprodukt drauf steht, steckt so gut wie nie auch ostdeutsches Geld dahinter. Bildrechte: Volker Queck, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 18. Februar 2020 | 20:15 Uhr