30 Jahre Deutsche Einheit Treuhand verkaufte DDR-Betriebe vorrangig an Westdeutsche

Im Jahr 30 der deutschen Einheit werden vielfältige Bilanzen aufgemacht. Dass die Ostwirtschaft auch langfristig noch weit unter dem Niveau der alten Bundesländer liegt, hat auch mit den Prozessen der 90er Jahre zu tun. Gerade hat das Ifo Institut eine erneute Studie über die Verkäufe der Treuhand herausgebracht.

Geschäftsmänner mit Aktentasche
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Mit der Einführung der D-Mark standen auch viele gut funktionierende ehemalige DDR Betriebe vor dem Ruin. Die ostdeutschen Betriebe brauchten Millioneninvestitionen, um fit für die Marktwirtschaft zu sein. Die nötigen Investoren suchten die Treuhandanstalt und die Bundesregierung vor allem in Westdeutschland.

Am Ende werden rund 85 Prozent der großen Betriebe an westdeutsche Unternehmen, 10 Prozent an ausländische Investoren und nur 5 Prozent an Ostdeutsche verkauft.

Ostdeutschen fehlt Startkapital

Den Ostdeutschen fehlt häufig schlicht das Startkapital und man traut ihnen lange Zeit nicht zu, ihre Unternehmen selbst durch die Untiefen der Marktwirtschaft zu steuern. Außerdem macht die Bundesregierung Druck, sie will die Kosten der Einheit drücken. Nicht der Staat solle die Sanierung der Betriebe bezahlen, sondern die Käufer. So mancher Betrieb geht daher für nur eine Mark und das Versprechen von Fördermitteln an einen Investor.

Westdeutsche kaufen Konkurrenz weg

Viele Investoren sollten davon langfristig profitieren: Sie kaufen potentielle Konkurrenz im Osten einfach weg, können ihren Absatzmarkt gen Osten ausweiten und müssen dort kaum Wettbewerber fürchten. Die Folgen sind auch heute spürbar: Den Osten prägen verlängerte Werkbänke des Westens. Von den 500 größten Unternehmen Deutschlands kommen nur 16 aus dem Osten und 12 davon sind Töchter westdeutscher oder ausländischer Firmen. Das ergibt die Auswertung zahlreicher Treuhand Akten und Bilanzen für das MDR Projekt "Mythos Treuhand".

Forscher bestätigen Auftragserfüllung der Treuhand

Auch das Ifo Institut München kommt in einer neuen Forschung zu dem Ergebnis, dass "die Treuhandanstalt im Gesamtbild ihrem gesetzlichen Mandat zur Privatisierung wettbewerbsfähiger Unternehmen gefolgt ist". Allerdings ließen die Ergebnisse keine Rückschlüsse darauf zu, ob die Privatisierungspolitik der Treuhand die bestmögliche Lösung der ihr anvertrauten Aufgabenstellung darstellte.

Die Treuhand privatisierte in nur vier Jahren die Betriebe der DDR und krempelte dabei die Volkswirtschaft eines ganzen Landes um. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen sind enorm und spalten Deutschland bis heute.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Wir Ostdeutsche - 30 Jahre im vereinten Land | 28. September 2020 | 20:15 Uhr