DDR-Unternehmen nach Wiedervereinigung Wie die Treuhand die Interhotels verkaufte

Die Interhotels der DDR hatten einen besonderen Ruf – und nach der Wende gute Chancen. Trotzdem hat keines von ihnen überlebt. Warum sie dem Untergang geweiht waren, zeigen Treuhand-Akten, die jetzt zugänglich sind.

Das Hotel Astoria wurde 1915 in Leipzig eröffnet und bis 1996/97 u.a. von der Interhotel-Kette betrieben.
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Wenn westdeutsche Geschäftsleute in die DDR kamen, übernachteten sie oftmals in Interhotels. Davon gab es zur Wende 35: acht in Dresden, sieben in Berlin, sechs in Leipzig, der Rest über die ganze DDR verteilt. Die Hotels waren eine einträgliche Gewinnquelle, denn die Gäste aus dem Westen mussten ja irgendwo übernachten und hatten keine große Auswahl.

Auch nach der Wende erfolgreich

Betrieben wurden die Häuser vom Volkseigenen Kombinat Interhotel. Sie befanden sich stets zentrumsnah in bester Lage und waren baulich in der Regel in einem guten Zustand. Auch nach der Wende war die Auslastung mehr als gut, wie sich Jörg Tempel, der damalige Direktor des Interhotels Gera erinnert: "Wir hatten einen riesengroßen Markt. Ab 1990 waren die Interhotels voll. Ich hatte Belegungen in Gera, die gingen nahe an 100 Prozent – aufs Jahr gerechnet!"

Auftrag zur Rettung

Die Chancen, die Hotels erfolgreich weiter betreiben zu können, standen also gut. Die Regierung Lothar de Maizière beauftragte Dr. Manfred Domagk mit der Rettung der Interhotel-Kette. Domagkgk, bis 1990 Staatssekretär im Amt für Preise, erinnert sich: "Ich bekam einen Anruf aus dem Büro de Maizière mit der Mitteilung, dass ich dafür vorgesehen bin, die Treuhänderschaft über die Interhotel-Gruppe zu übernehmen."

Domagkgk wollte die Hotels weiterführen und den Namen Interhotel erhalten. In Kooperation mit der westdeutschen Steigenberger-Gruppe und anderen Anteilseignern überführte er im Frühjahr 1990 das Volkseigene Kombinat Interhotel in eine AG. 13.000 Beschäftigte hofften, ihre Arbeitsplätze behalten zu können.

Zerschlagung statt Erhalt

Doch schon im Juli 1990 platzte der Plan. Treuhand-Chef Detlev Rohwedder kündigte an, die Kette zu zerschlagen. Domagkgk ging auf Konfrontation – und konnte das Ende der Interhotels doch nicht abwenden. Wie auch, schließlich spielten im Hintergrund ganz andere Erwägungen eine Rolle, bei denen es nicht mehr um die Unternehmen und ihre Beschäftigten ging, sondern um das Vermögen aus Grund und Boden.

Halle Saale Luftbild Luftaufnahme Riebeckplatz ehemaliges maritim - Hotel, davor Interhotel.
Das frühere Interhotel in Halle im Januar 2020. Bildrechte: imago images/Steffen Schellhorn

Das belegen interne Treuhand-Akten, in denen es zum Beispiel heißt: "Die Vermögenslage wird wesentlich durch das Vorhandensein wertvoller Grundstücke bestimmt; es ist davon auszugehen, dass in Berlin die Preise bei 3.000 DM/Quadratmeter und darüber liegen werden und in den Bezirkstädten zwischen 500 und 1000 DM/Quadratmeter; zu überlegen wäre für bestimmte Standorte den Verkaufspreis aus dem Wert des Grund und Boden abzuleiten, weil der Hotelbetrieb eine geringere Rendite erwarten lässt." Man glaubt also nicht an einen dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg der Hotels und streicht lieber die Gewinne aus dem Verkauf ein.

Der frühere Geraer Hoteldirektor Jörg Tempel sieht noch ein weiteres Motiv hinter dem Interhotel-Ende: "Einen zusätzlichen Wettbewerber zu schaffen innerhalb Deutschlands, all das entsprach nicht den politischen und wirtschaftlichen Interessen." Sein Hotel wurde zusammen mit sechs weiteren Häusern von der Maritim-Gruppe übernommen – und 1995 abgerissen, um einem neuen Einkaufszentrum Platz zu machen. Andere Interhotels ereilte ein ähnliches Schicksal.

Auferstehung in Leipzig

Etwas mehr Glück hatte das "Astoria" in Leipzig. Das altehrwürdige Hotel, 1905 erbaut und seit 1965 Interhotel, war das nobelste Hotel der DDR außerhalb Berlins. Maritim als neuer Besitzer hielt das Haus nach der Wiedervereinigung bis 1996 und ließ es dann in einen Dornröschenschlaf fallen. Zwei Jahrzehnte lang war der markante Bau im Zentrum der Stadt dem Verfall preisgegeben. Doch in diesem Fall wendete sich das Blatt. Inzwischen wird das Astoria saniert und soll bald wieder ein richtiges Hotel sein. Wie teuer der Umbau ist und wer es einmal betreiben wird, hält der Investor noch geheim. Eines verrät Robert Döring von Vivion Investment aber trotzdem schon: "Wir wollen mit diesem Hotel tatsächlich ein Aushängeschild, ein Firstclass-Hotel schaffen. Das ist ja nicht irgendein Standort und das Astoria hat einen besonderen Ruf. Deshalb wollen wir hier unser Bestes geben." Immerhin wird dieses Hotel gerettet. Als Interhotel wäre es vielleicht nie geschlossen worden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 28. Januar 2020 | 20:15 Uhr